Zum dritten Mal nach Ungarn

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei: Nach 2021 und 2025 bestritt die HSG am 17. Januar in Esztergom zum dritten Mal ein Auswärtsspiel in der European League gegen ein ungarisches Team. Die bisherige Bilanz war gemischt: Einer Niederlage in Vác 2021 stand ein Sieg in Mosonmagyaróvár im letzten Jahr gegenüber. Eins hatten beide Spiele gemeinsam: Die Fanbase war dabei und kehrte mit vielen schönen Erlebnissen und positiven Erfahrungen zurück. Vielleicht wollten auch deshalb gleich neun von uns die HSG vor Ort in Esztergom unterstützen. Anders als auf unseren vorherigen zwei Touren nahmen wir diesmal nicht den Zug, sondern flogen von Dortmund nach Budapest und stiegen erst dort für die letzte, gut einstündige Etappe in die ungarische Bahn um. Drei reisten schon am Freitagnachmittag für ein verlängertes Wochenende und blieben bis Montag, wir anderen sechs starteten am Samstagvormittag in Dortmund. Fünf kehrten bereits am Sonntagabend wieder zurück, Nicki blieb drei Tage länger in der ungarischen Hauptstadt: Anders als die HSG übernachteten wir nicht vor Ort in Esztergom, sondern in verschiedenen Budapester Hotels.

Nach einem angenehmen (und überaus preisgünstigen) Flug mit Wizz Air nahmen wir den Flughafenbus ins Stadtzentrum von Budapest, wo noch deutlich mehr Schnee lag als bei uns. Auf dem Fußmarsch von der Endhaltestelle zu unserem Hotel kamen wir direkt an der Szent István- Basilika vorbei, einer der Haupt-Sehenswürdigkeiten von Budapest. Da diese am Sonntag erst nachmittags zur Besichtigung geöffnet wird und wir gut in der Zeit lagen, nutzten wir die Gelegenheit und sahen uns das beeindruckende Bauwerk von innen an. Die größte Kirche Budapests mit Platz für 8.500 Besucher wurde erst 1905 fertiggestellt.

Besonders imposant ist der Blick hinauf zur 96 m hohen Kuppel des Bauwerks.

Sehenswert sind auch die mit Heiligenbildern bemalten Fenster.

Zeit für ein erstes Gruppenfoto:

Nach diesem ersten Highlight ging es weiter zu unserem Hotel T62: Was sich irgendwie nach einem alten russischen Panzer anhörte (tatsächlich ist es eine Abkürzung von Straße und Hausnummer), ist in Wirklichkeit ein sehr schickes und modernes Design-Hotel in einem historischen Gebäude direkt gegenüber vom Bahnhof Budapest-Nyugati. Nach dem schnellen Check-in unternahmen zwei von uns schon mal einen kurzen Erkundungs-Spaziergang zur Donau, auf der noch einzelne kleine Eisschollen zu sehen waren, bis zum monumentalen Parlamentsgebäude. Um viertel vor fünf bestiegen wir im Kopfbahnhof Nyugati den Zug nach Esztergom, einer der ältesten Städte Ungarns.

Dort angekommen, mussten wir vom Bahnhof noch einmal knapp zwei Kilometer laufen, bis wir schließlich vor der Suzuki-Arena standen. Von dort waren die zwei Wahrzeichen der Stadt – die Basilika und die Burg – dank Beleuchtung auch im Dunkeln gut zu sehen:

Die im Februar 2023 eröffnete Suzuki-Arena war erst zu Beginn dieser Saison von 650 auf 1.000 Zuschauer erweitert worden, nicht zuletzt wegen der anstehenden internationalen Spiele von MOL Esztergom. Von außen sah sie echt schick aus:

Von innen wirkte sie allerdings doch eher wie eine aufgehübschte Lagerhalle: Die schmalen „freischwebenden“ Oberrang-Balkone in luftiger Höhe mit anderthalb Sitzplatz-Reihen auf beiden Seiten erinnerten unwillkürlich an isländische Vogelfelsen (… und damit kennen wir uns ja seit letztem November bestens aus).

Aber die Arena erfüllt offenbar – und nur das zählt – alle Anforderungen der EHF für Hauptrunden- Spiele in der European League, anders als die Blomberger Halle an der Ulmenallee. Für uns war wieder wie in Mosonmagyaróvár ein ganzer Tribünenblock freigehalten worden.

Dort trafen wir auch unsere drei „Freitags-Flieger“ wieder – die hatten zuvor schon im Vereinslokal des Esztergom-Fanclubs Kontakt zu den einheimischen Supportern aufgenommen. Auch in der Halle wurden wir immer wieder begrüßt und angesprochen, und gleich mehrere Fanschals wechselten die Besitzer. Die Ordner kümmerten sich ebenfalls rührend um uns und hängten sogar unser Fanbase-Banner gut sichtbar am Balkon über unserem Block auf.

Spätestens nach der knappen Niederlage der Ungarinnen in Nykøbing war klar, dass das hier keine leichte Aufgabe werden würde. Die seit 2023 von der Trainer-Legende Gábor Elek trainierte Mannschaft von MOL Esztergom besteht ausschließlich aus ungarischen Spielerinnen, denn auch die Französin Emma Jacques besitzt inzwischen einen ungarischen Pass. Der Verein war erst 2024 in die erste ungarische Liga aufgestiegen und hatte sofort als Meisterschafts-Dritter einen internationalen Startplatz erreicht. Fast die gesamte erste Halbzeit neutralisierten sich beide Mannschaften weitgehend: Die Ungarinnen legten einen Treffer vor und die HSG antwortete mit dem Ausgleich. Erst kurz vor der Pause sorgten mehrere vergebene Blomberger Chancen für die Zwei-Tore-Halbzeitführung von MOL Esztergom. Bis zum 25:25 Mitte der zweiten Spielhälfte konnte die HSG immer wieder ausgleichen, schaffte es allerdings nie, selbst in Führung zu gehen. Danach zog die Heimmannschaft mit einem kleinen 3:0-Lauf weg, und obwohl die HSG bis zum Abpfiff am Gegner dranblieb, konnte sie diesen Drei-Tore-Rückstand nicht mehr komplett aufholen und verlor die spannende Partie schließlich denkbar knapp mit 32:33. Auf der Tribüne gaben wir alle unser Bestes, aber gegen die lautstarke Übermacht vom anderen Hallenende waren unsere Möglichkeiten nur mit einigen Klatschpappen, aber ohne Trommeln und Tröten leider begrenzt. Dass manches in Ungarn etwas anders läuft als daheim, zeigte ein besonderer Moment kurz nach Spielende: Die Esztergom-Spielerinnen ließen sich zunächst von ihren Fans feiern und stellten sich dann in einer Reihe vor dem Fanblock auf, der daraufhin die ungarische Nationalhymne anstimmte. Mit diesen und vielen anderen Eindrücken im Gepäck fuhren wir zurück nach Budapest.

Nach einem leckeren Hotel-Frühstück checkten wir am nächsten Morgen aus und nutzten den knackig kalten, aber sonnigen Sonntagvormittag für ein wenig Sightseeing in der wunderschönen ungarischen Hauptstadt: Unser Weg führte zunächst über die Margaretenbrücke zum Westufer der Donau und dort entlang der Uferpromenade nach Süden. Von dieser Donau-Seite aus konnte man die riesigen Ausmaße des 268 m langen Parlamentsgebäudes am gegenüberliegenden Ufer trotz Gegenlicht gut erkennen.

Über die 1849 fertiggestellte Kettenbrücke kehrten wir ans Ostufer der Donau zurück.

Von der Brücke aus hat man einen tollen Ausblick auf den Burgberg mit der Fischerbastei und der Matthiaskirche.

Als nächstes stand das imposante Parlamentsgebäude auf unserem Programm:

Zum Abschluss unseres kleinen Rundgangs kehrten wir noch einmal zur Szent István-Basilika zurück, die wir uns schon am Vortag von innen angesehen hatten:

Bei dem schönen Wetter lockte diesmal drei von uns die Balustrade um die Kuppel der Basilika in 65 m Höhe, die über eine Kombination von Aufzug und Treppen zu erreichen ist.

Die Aussicht in allen Richtungen über ganz Budapest war wirklich einzigartig – von dort oben entdeckten wir auch die Sehenswürdigkeiten wie z.B. das Opernhaus, zu denen wir aus Zeitmangel nicht gekommen waren.

Anschließend ging es mit dem Airport-Shuttlebus zum Flughafen, wo wir auf das HSG-Team trafen, und am späten Nachmittag flogen wir mit Wizz Air zurück nach Dortmund. Die drei, die bis Montag in Ungarn blieben, nutzten am Sonntagnachmittag die Gelegenheit, sich noch mehr hochklassigen Handball anzusehen: Sie besuchten in Érd die Champions League-Partie zwischen FTC-Rail Cargo Budapest und den Kroatinnen von HC Podravka. Das Spiel endete mit einem ungarischen 31:23-Heimsieg. Doch egal ob nun kurzer Zweitages-Wochenendtrip oder (etwas) längere Städtereise: Auch unser dritter Besuch in Ungarn begeisterte wieder alle Mitfahrer!

Text und Fotos: Uwe Jakob