Nichts zu holen in Nykøbing

Am 20. September trat die HSG bereits zum zweiten Mal im Jahr 2026 im dänischen Nykøbing an – diesmal im ersten Champions League-Auswärtsspiel der Vereinsgeschichte. Da durfte die Fanbase natürlich nicht fehlen: Schon am Samstagmorgen um 5.30 Uhr starteten wir zu viert in Blomberg Richtung Dänemark – mangels Bulli wieder wie so beim letzten Mal mit einem Privat-PKW. Nach einer Pause in Burg auf Fehmarn und 45 Minuten Überfahrt über den Fehmarnbelt erreichten wir um kurz vor halb zwölf Dänemark.

Unser erstes Ziel war das „Middelaldercentret“ am Guldborgsund direkt gegenüber von Nykøbing, das „eine Zeitreise ins mittelalterliche Skandinavien“ verspricht.

„Star“ des Freilichtmuseums ist die größte Steinschleuder der Welt, die von Komparsen in zwei überdimensionalen „Hamsterrädern“ aufgezogen und täglich um zwanzig nach zwölf abgefeuert wird. Zum Glück kamen wir gerade noch rechtzeitig an.

Auch alte Hinter- und Vorderlader-Kanonen verschiedener Größe sind zu sehen:

In der nachgebauten Stadt Sundkøbing aus dem Dänemark des 15. Jahrhunderts trifft man normalerweise auf Handwerker, Händler und Kaufleute.

Am vorletzten Öffnungstag der Saison waren aber nur noch einige von ihnen zu sehen, die meisten Laiendarsteller waren sicher schon auf der Saisonabschlussfahrt nach Mallorca … Deshalb war auch die Schuhmacher-Werkstatt nicht besetzt:

Die „Agnete“ ist der Nachbau eines mittelalterlichen Handelsschiffs.

Dieser echte „Poser-Profi“ entschädigte für den Mangel an menschlichen Laiendarstellern:

Jeden Nachmittag treten auf dem Turnierplatz zwei Ritter in verschiedenen Wettbewerben gegeneinander an und werden von den Zuschauern je nach Sympathie entweder lautstark angefeuert oder ebenso vehement ausgebuht.

Anschließend werden als letztes Tages-Highlight die verschiedenen alten Kanonen nacheinander mit infernalischem Getöse in Richtung Guldborgsund abgefeuert.

Unser Besuch im „Middelaldercentret“ war wirklich interessant und hat uns außerdem viel Spaß gemacht – man lernt dort viel Neues, und allein die riesige Steinschleuder ist einfach spektakulär!
Anschließend checkten wir im Hotel „Falster“ ein und holten uns danach bei einem ausgedehnten Spaziergang durch die Innenstadt von Nykøbing Appetit für das Abendessen im schicken neuen Restaurant „Cafe 3kanten“ direkt am Guldborgsund:

Bei typisch dänischer Küche (Burger, Pasta und Wiener Schnitzel …) ließen wir den Tag Revue passieren, fuhren zurück ins Hotel und gönnten uns dort zum Tagesabschluss noch einen Absacker an der Hotelbar. Inzwischen war auch Leen mit der Mannschaft dort angekommen, und so konnten wir Diana noch rechtzeitig zum Geburtstag gratulieren!
Am Sonntagmorgen checkten wir nach dem Frühstück aus und starteten zu einem kurzen Ausflug ins gut 20 km entfernte Stubbekøbing. In der niedlichen, typisch dänischen Kleinstadt sahen wir uns zunächst den Kopfstein-gepflasterten Rathausplatz an.

Der eine oder andere könnte Stubbekøbing aus dem Fernsehen kennen, denn die ZDF-Serie „Nordholm“ mit Heino Ferch und Barbara Auer wurde teilweise dort gedreht. Dieses Gebäude am Hafen zum Beispiel, ursprünglich der Bahnhof und heute eine Weinhandlung, ist in der Serie das örtliche Polizeirevier:

Von Stubbekøbing tuckert in den Sommermonaten die kleine hölzerne Autofähre „Ida“ stündlich zur Insel Bogø und zurück – und das schon seit 1959!

Lustig: „Ida“ ist sogar im Design der Straßenlaternen abgebildet!

Gerade noch rechtzeitig vor einem heranziehenden Schauer mit Starkregen schafften wir es zurück zum Auto und fuhren zurück nach Nykøbing.
Dort bezogen wir unsere inzwischen schon gewohnten Plätze im Gästeblock D der „Spar Nord Boxen“.

Unsere kleine Fanbase-Gruppe bekam wie versprochen Verstärkung aus dem Fehmarn-Urlaub; auch Leen setzte sich zu uns.

Außerdem waren Malins Eltern wieder extra aus Schweden angereist. Vor dem Anwurf um 14 Uhr schaute auch der Hallensprecher kurz vorbei und begrüßte uns – sein markantes „Oi joi joi“ nach dänischen Treffern wird sicher noch lange in unseren Ohren klingeln!
Vor siebeneinhalb Monaten hatte die HSG in Nykøbing ein 30:30-Unentschieden erreicht, und auch dieses Spiel vor 1.458 Zuschauern war in der 1. Halbzeit eine ziemlich ausgeglichene Angelegenheit: Nykøbing Falster Håndbold legte vor, Blomberg zog nach. Nur bei Farrelles 11:12 in der 22. Minute lag die HSG ein einziges Mal kurz vorn. Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff erzielten die Däninnen, die mit nur 11 Feldspielerinnen sogar einen noch kleineren Kader als die HSG aufbieten konnten, noch den Treffer zur 15:14-Pausenführung. In Hälfte zwei setzte sich Nykøbing dank einiger Blomberger Fehlwürfe bis zum 22:18 in der 43. Minute ganz langsam etwas ab. Diese Spielphase war vorentscheidend, denn näher als bis auf zwei Tore kam unser Team anschließend nicht mehr heran. Mit dem Schlusspfiff erzielte Nykøbing den letzten Treffer zum 31:26-Endstand. Beste HSG-Torschützin war einmal mehr Nuria mit sieben Treffern, zu Blombergs „Spielerin des Spiels“ ernannten die Dänen Nieke. Trotz weniger Würfen aufs Tor hatte Nykøbing Falster Håndbold am Ende fünf Treffer mehr als die HSG erzielt – bei einer höheren Angriffs-Effektivität wäre auch dieser Gegner sicherlich schlagbar gewesen.
Wir verabschiedeten uns von Nykøbing und machten uns auf den Rückweg. Vor der Fährüberfahrt zurück nach Fehmarn blieb aber noch Zeit für einen kurzen Abstecher auf die Aussichtsplattform „Pilen“ („Pfeil“) in Rødbyhavn – die war bei unserem letzten Besuch im Februar wegen Schnee gesperrt gewesen.

Von ganz oben genossen wir bei stürmischem Wind kurz den Ausblick auf die riesigen Bauhallen für die Betonelemente des Fehmarnbelttunnels und auf die zukünftige Tunnel-Einfahrt.

Auf der anschließenden Fahrt zurück nach Deutschland begleitete uns ein Regenbogen und sorgte für einige nicht alltägliche Bilder:

Am späten Sonntagabend gegen 22.45 Uhr waren wir schließlich wieder zurück in Blomberg. Auch wenn die HSG weiter auf die ersten Champions League-Punkte warten muss, sehen wir das Ganze eher unter dem Aspekt „Dabei sein ist alles“ und freuen uns schon auf die nächste Auslands-Auswärtsfahrt nach Metz Mitte Oktober!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Spannender Punktgewinn in Dänemark

Auch in dieser Saison bescherte die Auslosung der European League-Gruppenphase der HSG erneut Gegner aus Ungarn und Frankreich, doch statt wie im Vorjahr nach Polen traf man dieses Mal auf Nykøbing Falster Håndbold aus Dänemark. Zum Hinspiel in Lemgo reisten die dänischen Anhänger gleich mit einem ganzen Fanbus an – Respekt dafür! Zwei Wochen später wollten sich immerhin neun Fanbase-Mitglieder mit je zwei großen Trommeln und Snares im Gepäck den Wochenendausflug auf die dänische Insel Falster zum Auswärtsspiel am 7. Februar nicht entgehen lassen. Da uns an diesem Wochenende kein Bulli zur Verfügung stand, fuhren wir diesmal mit zwei PKWs. Nach kurzem Tank- und Boxenstopp in Burg auf Fehmarn brachte uns eine Scandlines-Fähre in 45 Minuten von Puttgarden über den Fehmarnbelt nach Rødbyhavn.

Leider war das Wetter an diesem Tag kalt und grau – die Ostmole in Puttgarden sah aus, als ob hier ein Zuckerbäcker am Werk gewesen ist:

Statt die Überfahrt auf dem Außendeck zu genießen, verzogen wir uns deshalb lieber schnell ins warme Innere des Fährschiffs.

Die Weiterfahrt unterbrachen wir am Fuglsang Herregård, einem schönen und typisch dänischen Herrenhaus kurz vor Nykøbing, das heute als Hotel und Tagungsstätte genutzt wird.

Nach einem Gruppenfoto im Schnee ging es auf die letzten Kilometer bis zu unserem Ziel.

Dort angekommen, blieb noch Zeit für einen kleinen Spaziergang in die menschenleere Innenstadt. Nykøbing ist etwa genau so groß wie Blomberg. Als erstes kamen wir zum Marktplatz mit dem Bärenbrunnen.

Durch die Fußgängerzone ist es nicht weit bis zum Lilletorv.

Ganz in der Nähe befindet sich auch die schöne alte Klosterkirche.

So etwas wie das Wahrzeichen der Stadt ist der Wasserturm, der 1908 erbaut wurde und eine Aussichtsplattform in 32 m Höhe besitzt – die aber leider während unseres Besuchs nicht geöffnet war.

An vielen Stellen in der Innenstadt findet man schöne alte Backsteinhäuser wie dieses hier:

Nach dem Einchecken in unserem Hotel Falster fuhren wir zu den „Nykøbing F Hallen“, einem Komplex mit insgesamt vier unterschiedlich großen Sportstätten in der Innenstadt zwischen einem riesigen Parkplatz und dem Fußballstadion. Nachdem wir kurz gerätselt hatten, wo denn hier der richtige Eingang ist, brachte uns ein netter Däne sozusagen durch die Hintertür in die fast neue, erst 2023 fertiggestellte „Guld Boxen“, die aktuell dank eines Sponsors den Namen „Spar Nord Boxen“ trägt.

In der geräumigen Halle mit 2.500 Sitz- und 500 Stehplätzen hatten wir den gesamten Gästeblock D zu unserer Verfügung.

Nach und nach stießen noch eine Reihe weiterer HSG-Anhänger zu unserer Gruppe, die Eltern von Malin waren sogar extra aus Schweden angereist. Auf der Tribüne schräg gegenüber formierte sich nach und nach die „gelbe Wand“ der Heimfans, denen mit langen Kleiderständern im Hallenfoyer der Kauf eines Trikots denkbar leicht gemacht wird – am Ende wollten 1.397 meist in gelb gekleidete Zuschauer das Spiel sehen.

Die dänischen Fotografen machten eine Menge Aufnahmen von unserem Fanblock, und der Hallensprecher sorgte für ein absolutes Novum, das wir bisher noch nirgendwo erlebt hatten: Er machte bei Blomberger Toren seine Ansagen extra auf Englisch, während er sonst Dänisch sprach.

Die Partie selbst war wirklich nichts für schwache Nerven: Nach zehn Minuten führte Nykøbing Falster Håndbold bereits mit vier Toren und lag in Spielhälfte eins fast durchgehend vorn – bis Malin unmittelbar vor der Pause reaktionsschnell zum Halbzeitstand von 16:16 ins leere dänische Tor traf. In Hälfte zwei konnte sich bei mehrmals wechselnden Führungen kein Team absetzen – die Crunchtime musste also die Entscheidung bringen. Eine Minute vor Spielende legte Nykøbing zum 30:29 vor, doch Nieke konnte 18 Sekunden vor Abpfiff ausgleichen. Den letzten dänischen Wurf entschärfte Melanie, so dass es beim Endstand von 30:30 und damit dem ersten Punktgewinn der HSG in der diesjährigen European League-Gruppenphase blieb: Ein gerechtes Unentschieden in einem intensiven Spiel, das am Ende auch keinen Verlierer verdient gehabt hätte … Beim anschließenden Absacker im Hotel sorgte dann ungebetener Besuch an unserem Tisch noch für einigen Gesprächsstoff.

Vor der Fährüberfahrt zurück nach Deutschland besuchten wir am Sonntagvormittag in Rødbyhavn noch das sehr interessante Ausstellungszentrum zum Bau des Fehmarnbelttunnels. Hier erfährt man in Modellen, Fotos und Videos alles über die derzeit größte Baustelle Nordeuropas: In einer riesigen Fabrik östlich von Rødbyhavn werden die jeweils 217 m langen und 73.500 Tonnen schweren Betonelemente des zukünftigen Tunnels gebaut, die anschließend in einen Graben auf dem Meeresgrund abgesenkt und dort miteinander verbunden werden.

Ein Querschnitt des kombinierten Straßen- und Bahntunnels ist ebenso als Modell zu sehen wie das Fabrikgelände:

Solche Saugbagger stellen am Grund des Fehmarnbelts den Graben für die Tunnelelemente her:

Anschließend wollten wir uns noch die eigentliche Baustelle des gigantischen Projekts von der erst 2025 eigens dafür errichteten Aussichtsplattform „Pilen“ (deutsch „Pfeil“) aus ansehen, aber die war wegen des Schnees leider gesperrt.

Die weitere Rückfahrt nach Blomberg verlief ebenso problemlos wie die Anreise am Tag zuvor. Unter dem Strich hatten wir trotz des ausbaufähigen Wetters ein sehr schönes Wochenende in Dänemark, mit einem extrem spannenden Handballspiel in typisch „hyggeliger“ Atmosphäre. Wir kommen gern wieder!

Text und Fotos: Uwe Jakob