Zum Bundesliga-Auswärtsspiel der HSG beim SV Union Halle-Neustadt am 28. März hatten wir uns ein besonders abwechslungs- und umfangreiches Vorprogramm zusammengestellt. Deshalb starteten wir zu neunt auch schon morgens um 9 Uhr in Blomberg, volle zehn Stunden vor dem Anwurf in der SWH-Arena. Das Fahrzeug – einen VW-Bulli – stellte uns diesmal Fanbase-Mitglied und HSG-Sponsor Udo Kloschinski zur Verfügung – danke, Udo!
Erstes Ziel war das 2016 eröffnete „Museum Friedland“, das im historischen Bahnhofsgebäude des 1.200-Einwohner-Ortes im Dreiländereck Niedersachsen/Hessen/Thüringen untergebracht ist.

Hier erfuhren wir viel Neues über das ehemalige Grenzdurchgangslager, über das von 1945 bis heute mehr als vier Millionen Menschen in die Bundesrepublik Deutschland gekommen sind.
Fotos, Videos und (dank Audio-Guides) Tondokumente stellen dabei immer wieder die persönlichen Schicksale vieler Vertriebenen, entlassenen Kriegsgefangenen, (Spät-)Aussiedler und Flüchtlinge in den Mittelpunkt.
Besonders interessant ist der Bereich über den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes, der nach dem Krieg mit Karteikarten und dicken Fotobüchern den Verbleib ehemaliger deutscher Soldaten zu klären versuchte.

Durch Fotos kann man auch einen Blick in das heutige Lager Friedland werfen:
Alles in allem ein wichtiges und aktuelles Thema, das sehr professionell und trotzdem greifbar präsentiert wird. In diesem Jahr wird sich das Museum stark vergrößern – dann zieht ein Teil der Ausstellung in einen Neubau gleich nebenan um.
Von Friedland ging es zum wiederholten Mal weiter ins thüringische Nordhausen, wo diesmal der „Tabakspeicher“ – das städtische Museum für Gewerbe, Industrie und Archäologie – auf unserem Programm stand.

Hier hat man eine geradezu unglaubliche Vielfalt an großen und kleinen Exponaten im ehemaligen Lager einer Tabak- und Zigarrenfabrik zusammengetragen, die aus dem „Tabakspeicher“ weit mehr als nur ein Heimatmuseum machen. Bisher war uns Nordhausen hauptsächlich bekannt durch die früher dort gebauten Lokomotiven, Traktoren und Motoren – das örtliche IFA-Museum hatten wir uns ja schon bei einem früheren Besuch angesehen –

sowie durch mehr oder weniger hochprozentige Alkoholerzeugnisse, deren Herstellung wir bei einer Führung in der Nordhäuser Traditionsbrennerei ebenfalls schon kennengelernt hatten.

Neu dagegen war, dass dort zu DDR-Zeiten unter anderem auch Telefone,

Kinotechnik

und davor bis zum 2. Weltkrieg vor allem Kautabak hergestellt wurden – letzterer in nicht weniger als 16 Betrieben mit zusammen fast 2.500 Mitarbeitern.

Auch Autos wurden früher einmal in Nordhausen gebaut: So entstand vor genau 100 Jahren dieser etwas seltsame dreirädrige Kleinwagen, der damals führerscheinfrei und als Motorrad besteuert gefahren werden konnte, bei der Fa. RWN – Rudolf Weide Nordhausen:

Auch das örtliche Handwerk ist im „Tabakspeicher“ vertreten: Neben einer Schmiede und einer Backstube wird unter anderem eine komplett eingerichtete Schuhmacherwerkstatt gezeigt.

Am Ende unseres Rundgangs tischte das äußerst freundliche Personal extra für uns sogar Kaffee und Kuchen auf! Wir können einen Besuch in diesem ganz tollen Museum, das für wenig Geld jedem etwas bietet, wirklich nur empfehlen.
Anschließend deckten wir uns im Shop der örtlichen Traditionsbrennerei noch kurz mit etwas Nachschub für die heimische Hausbar ein. Eine Flasche Eierlikör hat jedoch unsere Ankunft in Halle gut eine Stunde später nicht mehr erlebt – kein Wunder: Bei der Fanbase wird schließlich nur gesoffen! Noch vor dem „HSG-Express“ mit der Mannschaft erreichten wir die SWH-Arena in Halle-Neustadt, eine der neuesten und schönsten Hallen in der HBF, die aber ebenso wie die Blomberger Halle an der Ulmenallee angeblich zu klein ist und deshalb – Stand jetzt – in ein paar Jahren nicht mehr für Frauenhandball-Erstligaspiele genutzt werden darf. Uns und den anderen insgesamt rund 40 (!) angereisten HSG-Fans stand wieder ein ganzer Tribünenblock in der mit 1.200 Zuschauern ausverkauften Arena zur Verfügung.

Auch schon ein gewohntes Bild: In Halle werden Gästefans immer besonders freundlich begrüßt.

Was uns diesmal besonders gut gefallen hat: Für die „Rückkehr“ unserer Torhüterin Lara wurde extra ein großes Plakat angefertigt – sie hat bei ihrem Ex-Verein ganz offenbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen!

Die HSG startete wie die Feuerwehr ins Spiel und führte nach gut der Hälfte der ersten Halbzeit bereits mit 3:11, bevor Union langsam ins Spiel fand und bis zum Pausenstand von 13:17 noch ordentlich aufholte. Aber nach dem Seitenwechsel sorgte der Favorit aus Blomberg recht schnell für klare Verhältnisse und machte in den ersten zehn Minuten aus dem Vier-Tore- einen Neun- Tore-Vorsprung. Die HSG ließ in Hälfte zwei nur noch sieben Gegentreffer zu und gewann schließlich standesgemäß mit 20:33. Nuria nutzte ihre Einsatzzeit für vier Feldtore und zwei verwandelte Siebenmeter, was sie in Summe zur zweitbesten HSG-Torschützin an diesem Abend machte. Blombergs kommender Linksaußen-Neuzugang Lilli Röpcke musste dagegen nach drei Fehlwürfen in der Anfangsphase schnell wieder vom Feld. Nach dem Abpfiff wurden die Rückraumlinken beider Teams – Nieke sowie Halles Niederländerin Lynn Molenaar – als Spielerinnen des Spiels ausgezeichnet und mit Geschenkkörben bedacht. Beide waren auch mit neun bzw. sechs Treffern die besten Torschützinnen ihrer Mannschaften.
Es war schön, nach der Zwangspause durch den zwischenzeitlichen Abstieg der „Wildcats“ wieder zu einem Erstligaspiel nach Halle-Neustadt zurückzukehren, Wir hatten einen rundum gelungenen Tag mit vielen neuen Eindrücken.
Text und Fotos: Uwe Jakob












































































































































































