Im Oktober und November trifft die HSG gleich dreimal auf die beiden Champions League-Finalisten der vergangenen Saison, Metz Handball und Györi Audi ETO KC. Als erstes dieser drei Spiele stand am Samstag 17. Oktober um 18 Uhr das Auswärtsspiel beim französischen Vertreter und amtierenden Champions League-Sieger Metz Handball auf dem Programm. Von der Fanbase waren wir mit einem voll besetzten Bulli und neun Personen vor Ort, außerdem reisten noch weitere HSG-Fans individuell mit PKWs an. Am Samstagmorgen um acht Uhr ging es in Blomberg los, und gut zweieinhalb Stunden vor Anwurf erreichten wir Metz. Kaum in der Stadt, sahen wir auch schon den „HSG-Express“ vor uns: Der war gerade auf dem Weg zum Mannschaftshotel, um das Blomberger Team von dort zur Halle zu bringen. Direkt neben dem Parkplatz für unseren Bulli lag dieses extravagante, zur Hilton-Gruppe gehörende Hotel, das wir dieses Mal dann aber doch nicht gebucht hatten:

Stattdessen checkten wir im Hotel Campanile Prime am Bahnhof ein.

Das Stadtviertel südöstlich des Bahnhofs ist erst in den letzten Jahren und Jahrzehnten neu entstanden. Eines der architektonischen und touristischen Highlights ist das 2010 eröffnete „Centre Pompidou-Metz“, ein futuristisches Zentrum für moderne Kunst und Ableger des gleichnamigen Kunstmuseums in Paris.

Von dort war es nicht weit zum „Palais Omnisports Les Arenes“, der in den Jahren 2000/2001 erbauten Heimspielstätte von Metz Handball.
Dort hatten wir Plätze im Oberrang-Block O gebucht, nachdem der Heimverein sich bis zuletzt standhaft geweigert hatte, auf irgendeinen unserer Kommunikationsversuche zu reagieren und den eigentlichen Gästeblock daneben zur Buchung freizuschalten. Nach und nach stießen die übrigen HSG-Fans zu unserer Gruppe, während Familie Rüffieux sich im Block direkt unter uns eingebucht hatte. Insgesamt sorgten fast 3.200 Zuschauer für eine tolle Atmosphäre in der zu gut zwei Dritteln gefüllten Arena.

Wer einen ähnlichen HSG-Fehlstart wie beim Spiel gegen Odense erwartet hatte, rieb sich anfangs verwundert die Augen: Das Blomberger Team hielt mit dem großen Favoriten, in dessen Reihen allein sieben aktuelle französische Nationalspielerinnen (und dazu noch je eine aus Ungarn, Spanien, Dänemark, Tschechien und dem Kongo) stehen, auf Augenhöhe mit, lag in der Anfangsphase sogar mehrmals in Führung und zwang Metz-Trainer Emmanuel Mayonnade in der 23. Minute zur ersten Auszeit des Spiels. Danach konnte Nuria in Minute 27 per Siebenmeter nochmals zum 13:13 ausgleichen, doch Metz erzielte anschließend noch drei Tore zum 16:13-Halbzeitstand.

Es war klar, dass die Heimmannschaft mit dem bisherigen Spielverlauf nicht ganz zufrieden sein konnte und in Hälfte zwei eine Schippe drauflegen würde – und so kam es dann auch: Metz stand nun in der Abwehr immer besser, ließ nicht mehr viel zu und vergrößerte vorn mit sehenswerten Aktionen den Abstand zur HSG immer weiter. Auf Blomberger Seite stemmte sich vor allem Maxi Mühlner dagegen und erzielte fünf ihrer insgesamt sieben Treffer (bei ebenso vielen Abschlüssen) in der 2. Halbzeit. Nicht nur deshalb, sondern auch wegen ihrer starken Performance in der Abwehr wurde sie zur HSG-Spielerin des Spiels ernannt und anschließend sogar von der EHF als erste Blombergerin ins All-Star-Team des sechsten Champions League-Spieltags gewählt, neben solchen Weltklasse-Spielerinnen wie Henny Reistad oder Katrin Klujber! Am Spielende stand mit 32:22 dann zwar eine doch recht deutliche Niederlage auf der Anzeigentafel – trotzdem hat Blomberg in der ersten Halbzeit wohl das bisher beste Spiel in der Champions League gezeigt und kann viel Positives aus dem Auftritt gegen das Top-Team aus Metz mitnehmen. Außerdem hat sich die HSG von den drei bisherigen Champions League-Gegnern, die in dieser Saison in Metz angetreten sind, am besten geschlagen, denn sowohl Bistrita als auch Nykøbing haben dort noch höher verloren!
Nach dem Spiel waren überall auf den Straßen Blaulichter von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst zu sehen: Wir hatten während des Spiels den Höhepunkt der Protestdemonstrationen verpasst, die an diesem Tag überall in Frankreich unterwegs waren. So hatten Demonstranten auch auf der Kreuzung vor unserem Hotel Ampeln und Verkehrsschilder demoliert und den Inhalt eines großen Müllcontainers auf der Fahrbahn verteilt. Dagegen gab das hell erleuchtete „Centre Pompidou Metz“ auch im Dunkeln eine gute Figur ab:

Den Rest des Samstagabends verbrachten wir im schicken französischen Restaurant „Le Romarin“ nahe unseres Hotels, wo wir für unsere erweiterte HSG-Fangruppe einen langen Tisch reserviert hatten.

Trotz anfänglicher Verwirrung wegen der Speisekarten fanden am Ende alle etwas Leckeres und wir hatten einen schönen Abend.
Am Sonntagmorgen teilten wir uns nach dem Frühstück auf: Eine Gruppe besuchte den Wochenmarkt in der Nähe des Hotels, den Rest zog es in die sehenswerte Altstadt. Erstes Ziel war der 1908 eröffnete Bahnhof, der mehrmals als schönster Bahnhof Frankreichs ausgezeichnet wurde.

Direkt gegenüber unseres Restaurants vom Vorabend steht dieser zeitgleich mit dem Bahnhof erbaute Wasserturm mit seiner prächtigen Fassade.

Als nächstes kamen wir zum „Place Saint-Louis“: Mit seinen mittelalterlichen Häusern und Arkadengängen könnte dieser Platz auch in einer italienischen Kleinstadt stehen.

Auf dem Weg durch die schmalen Gassen fragten wir uns, warum man wohl in Metz eine Straße nach einem Blomberger Autohaus benannt hat?

Am östlichen Rand der Altstadt liegt die „Porte des Allemands“, das „Deutsche Tor“, das letzte erhaltene mittelalterliche Stadttor von Metz.

Auf dem Weg zur Kathedrale kamen wir an dieser schönen Fassade einer Apotheke vorbei:

Direkt gegenüber der Kathedrale liegt das Rathaus aus dem 18. Jahrhundert am Place d’Armes.

Das Highlight unserer kleinen Altstadt-Tour und die Sehenswürdigkeit, die man in Metz auf keinen Fall auslassen darf, war die mächtige, über 800 Jahre alte Kathedrale Saint-Etienne. Sie lässt sich durch ihre Größe von außen nur schwer im Bild festhalten.

Wir hatten Glück, dass die sonntägliche Messe gerade zu Ende ging, so dass wir uns auch innen alles ansehen konnten. Als erstes fällt die enorme Höhe des Raums von mehr als 41 Metern ins Auge, dann die wunderschön detaillierten Buntglasfenster, die aus dem 14. bis 20. Jahrhundert stammen – auch Marc Chagall hat 1962 bis 1969 einige dieser Fenster entworfen.
Der Blick in Richtung Hauptportal zeigt die enormen Ausmaße:

Und so sieht die Kathedrale von der anderen Seite aus:

Von hier waren es nur noch wenige Meter bis zum Moselufer. Von der „Moyen Pont“ („mittleren Brücke“) hat man den besten Blick auf „Le Temple Neuf“, die evangelische Stadtkirche von Metz, die sehr fotogen von hohen Bäumen umgeben an der Spitze einer kleinen Moselinsel steht.

Nachdem das Wetter bis dahin trocken geblieben war, begann es auf unserem Rückweg etwas zu regnen. Im Hotel-Foyer trafen wir den Rest unserer Gruppe wieder und machten uns auf die Rückfahrt. Wie schon vor knapp zwei Jahren auf dem Rückweg aus Dijon legten wir an einer riesigen Tank- und Rastanlage in Luxemburg wieder eine längere Pause ein und waren schließlich nach einer sehr gelungenen Zweitagesfahrt um kurz vor 20 Uhr wieder zurück in Blomberg. Vielen Dank an unseren Fahrer Eckard!
Text und Fotos: Uwe Jakob



























































































































































