Auch in dieser Saison bescherte die Auslosung der European League-Gruppenphase der HSG erneut Gegner aus Ungarn und Frankreich, doch statt wie im Vorjahr nach Polen traf man dieses Mal auf Nykøbing Falster Håndbold aus Dänemark. Zum Hinspiel in Lemgo reisten die dänischen Anhänger gleich mit einem ganzen Fanbus an – Respekt dafür! Zwei Wochen später wollten sich immerhin neun Fanbase-Mitglieder mit je zwei großen Trommeln und Snares im Gepäck den Wochenendausflug auf die dänische Insel Falster zum Auswärtsspiel am 7. Februar nicht entgehen lassen. Da uns an diesem Wochenende kein Bulli zur Verfügung stand, fuhren wir diesmal mit zwei PKWs. Nach kurzem Tank- und Boxenstopp in Burg auf Fehmarn brachte uns eine Scandlines-Fähre in 45 Minuten von Puttgarden über den Fehmarnbelt nach Rødbyhavn.

Leider war das Wetter an diesem Tag kalt und grau – die Ostmole in Puttgarden sah aus, als ob hier ein Zuckerbäcker am Werk gewesen ist:

Statt die Überfahrt auf dem Außendeck zu genießen, verzogen wir uns deshalb lieber schnell ins warme Innere des Fährschiffs.

Die Weiterfahrt unterbrachen wir am Fuglsang Herregård, einem schönen und typisch dänischen Herrenhaus kurz vor Nykøbing, das heute als Hotel und Tagungsstätte genutzt wird.

Nach einem Gruppenfoto im Schnee ging es auf die letzten Kilometer bis zu unserem Ziel.

Dort angekommen, blieb noch Zeit für einen kleinen Spaziergang in die menschenleere Innenstadt. Nykøbing ist etwa genau so groß wie Blomberg. Als erstes kamen wir zum Marktplatz mit dem Bärenbrunnen.
Durch die Fußgängerzone ist es nicht weit bis zum Lilletorv.

Ganz in der Nähe befindet sich auch die schöne alte Klosterkirche.

So etwas wie das Wahrzeichen der Stadt ist der Wasserturm, der 1908 erbaut wurde und eine Aussichtsplattform in 32 m Höhe besitzt – die aber leider während unseres Besuchs nicht geöffnet war.

An vielen Stellen in der Innenstadt findet man schöne alte Backsteinhäuser wie dieses hier:

Nach dem Einchecken in unserem Hotel Falster fuhren wir zu den „Nykøbing F Hallen“, einem Komplex mit insgesamt vier unterschiedlich großen Sportstätten in der Innenstadt zwischen einem riesigen Parkplatz und dem Fußballstadion. Nachdem wir kurz gerätselt hatten, wo denn hier der richtige Eingang ist, brachte uns ein netter Däne sozusagen durch die Hintertür in die fast neue, erst 2023 fertiggestellte „Guld Boxen“, die aktuell dank eines Sponsors den Namen „Spar Nord Boxen“ trägt.

In der geräumigen Halle mit 2.500 Sitz- und 500 Stehplätzen hatten wir den gesamten Gästeblock D zu unserer Verfügung.

Nach und nach stießen noch eine Reihe weiterer HSG-Anhänger zu unserer Gruppe, die Eltern von Malin waren sogar extra aus Schweden angereist. Auf der Tribüne schräg gegenüber formierte sich nach und nach die „gelbe Wand“ der Heimfans, denen mit langen Kleiderständern im Hallenfoyer der Kauf eines Trikots denkbar leicht gemacht wird – am Ende wollten 1.397 meist in gelb gekleidete Zuschauer das Spiel sehen.

Die dänischen Fotografen machten eine Menge Aufnahmen von unserem Fanblock, und der Hallensprecher sorgte für ein absolutes Novum, das wir bisher noch nirgendwo erlebt hatten: Er machte bei Blomberger Toren seine Ansagen extra auf Englisch, während er sonst Dänisch sprach.
Die Partie selbst war wirklich nichts für schwache Nerven: Nach zehn Minuten führte Nykøbing Falster Håndbold bereits mit vier Toren und lag in Spielhälfte eins fast durchgehend vorn – bis Malin unmittelbar vor der Pause reaktionsschnell zum Halbzeitstand von 16:16 ins leere dänische Tor traf. In Hälfte zwei konnte sich bei mehrmals wechselnden Führungen kein Team absetzen – die Crunchtime musste also die Entscheidung bringen. Eine Minute vor Spielende legte Nykøbing zum 30:29 vor, doch Nieke konnte 18 Sekunden vor Abpfiff ausgleichen. Den letzten dänischen Wurf entschärfte Melanie, so dass es beim Endstand von 30:30 und damit dem ersten Punktgewinn der HSG in der diesjährigen European League-Gruppenphase blieb: Ein gerechtes Unentschieden in einem intensiven Spiel, das am Ende auch keinen Verlierer verdient gehabt hätte … Beim anschließenden Absacker im Hotel sorgte dann ungebetener Besuch an unserem Tisch noch für einigen Gesprächsstoff.
Vor der Fährüberfahrt zurück nach Deutschland besuchten wir am Sonntagvormittag in Rødbyhavn noch das sehr interessante Ausstellungszentrum zum Bau des Fehmarnbelttunnels. Hier erfährt man in Modellen, Fotos und Videos alles über die derzeit größte Baustelle Nordeuropas: In einer riesigen Fabrik östlich von Rødbyhavn werden die jeweils 217 m langen und 73.500 Tonnen schweren Betonelemente des zukünftigen Tunnels gebaut, die anschließend in einen Graben auf dem Meeresgrund abgesenkt und dort miteinander verbunden werden.

Ein Querschnitt des kombinierten Straßen- und Bahntunnels ist ebenso als Modell zu sehen wie das Fabrikgelände:
Solche Saugbagger stellen am Grund des Fehmarnbelts den Graben für die Tunnelelemente her:

Anschließend wollten wir uns noch die eigentliche Baustelle des gigantischen Projekts von der erst 2025 eigens dafür errichteten Aussichtsplattform „Pilen“ (deutsch „Pfeil“) aus ansehen, aber die war wegen des Schnees leider gesperrt.

Die weitere Rückfahrt nach Blomberg verlief ebenso problemlos wie die Anreise am Tag zuvor. Unter dem Strich hatten wir trotz des ausbaufähigen Wetters ein sehr schönes Wochenende in Dänemark, mit einem extrem spannenden Handballspiel in typisch „hyggeliger“ Atmosphäre. Wir kommen gern wieder!
Text und Fotos: Uwe Jakob




