Zum dritten Mal nach Ungarn

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei: Nach 2021 und 2025 bestritt die HSG am 17. Januar in Esztergom zum dritten Mal ein Auswärtsspiel in der European League gegen ein ungarisches Team. Die bisherige Bilanz war gemischt: Einer Niederlage in Vác 2021 stand ein Sieg in Mosonmagyaróvár im letzten Jahr gegenüber. Eins hatten beide Spiele gemeinsam: Die Fanbase war dabei und kehrte mit vielen schönen Erlebnissen und positiven Erfahrungen zurück. Vielleicht wollten auch deshalb gleich neun von uns die HSG vor Ort in Esztergom unterstützen. Anders als auf unseren vorherigen zwei Touren nahmen wir diesmal nicht den Zug, sondern flogen von Dortmund nach Budapest und stiegen erst dort für die letzte, gut einstündige Etappe in die ungarische Bahn um. Drei reisten schon am Freitagnachmittag für ein verlängertes Wochenende und blieben bis Montag, wir anderen sechs starteten am Samstagvormittag in Dortmund. Fünf kehrten bereits am Sonntagabend wieder zurück, Nicki blieb drei Tage länger in der ungarischen Hauptstadt: Anders als die HSG übernachteten wir nicht vor Ort in Esztergom, sondern in verschiedenen Budapester Hotels.

Nach einem angenehmen (und überaus preisgünstigen) Flug mit Wizz Air nahmen wir den Flughafenbus ins Stadtzentrum von Budapest, wo noch deutlich mehr Schnee lag als bei uns. Auf dem Fußmarsch von der Endhaltestelle zu unserem Hotel kamen wir direkt an der Szent István- Basilika vorbei, einer der Haupt-Sehenswürdigkeiten von Budapest. Da diese am Sonntag erst nachmittags zur Besichtigung geöffnet wird und wir gut in der Zeit lagen, nutzten wir die Gelegenheit und sahen uns das beeindruckende Bauwerk von innen an. Die größte Kirche Budapests mit Platz für 8.500 Besucher wurde erst 1905 fertiggestellt.

Besonders imposant ist der Blick hinauf zur 96 m hohen Kuppel des Bauwerks.

Sehenswert sind auch die mit Heiligenbildern bemalten Fenster.

Zeit für ein erstes Gruppenfoto:

Nach diesem ersten Highlight ging es weiter zu unserem Hotel T62: Was sich irgendwie nach einem alten russischen Panzer anhörte (tatsächlich ist es eine Abkürzung von Straße und Hausnummer), ist in Wirklichkeit ein sehr schickes und modernes Design-Hotel in einem historischen Gebäude direkt gegenüber vom Bahnhof Budapest-Nyugati. Nach dem schnellen Check-in unternahmen zwei von uns schon mal einen kurzen Erkundungs-Spaziergang zur Donau, auf der noch einzelne kleine Eisschollen zu sehen waren, bis zum monumentalen Parlamentsgebäude. Um viertel vor fünf bestiegen wir im Kopfbahnhof Nyugati den Zug nach Esztergom, einer der ältesten Städte Ungarns.

Dort angekommen, mussten wir vom Bahnhof noch einmal knapp zwei Kilometer laufen, bis wir schließlich vor der Suzuki-Arena standen. Von dort waren die zwei Wahrzeichen der Stadt – die Basilika und die Burg – dank Beleuchtung auch im Dunkeln gut zu sehen:

Die im Februar 2023 eröffnete Suzuki-Arena war erst zu Beginn dieser Saison von 650 auf 1.000 Zuschauer erweitert worden, nicht zuletzt wegen der anstehenden internationalen Spiele von MOL Esztergom. Von außen sah sie echt schick aus:

Von innen wirkte sie allerdings doch eher wie eine aufgehübschte Lagerhalle: Die schmalen „freischwebenden“ Oberrang-Balkone in luftiger Höhe mit anderthalb Sitzplatz-Reihen auf beiden Seiten erinnerten unwillkürlich an isländische Vogelfelsen (… und damit kennen wir uns ja seit letztem November bestens aus).

Aber die Arena erfüllt offenbar – und nur das zählt – alle Anforderungen der EHF für Hauptrunden- Spiele in der European League, anders als die Blomberger Halle an der Ulmenallee. Für uns war wieder wie in Mosonmagyaróvár ein ganzer Tribünenblock freigehalten worden.

Dort trafen wir auch unsere drei „Freitags-Flieger“ wieder – die hatten zuvor schon im Vereinslokal des Esztergom-Fanclubs Kontakt zu den einheimischen Supportern aufgenommen. Auch in der Halle wurden wir immer wieder begrüßt und angesprochen, und gleich mehrere Fanschals wechselten die Besitzer. Die Ordner kümmerten sich ebenfalls rührend um uns und hängten sogar unser Fanbase-Banner gut sichtbar am Balkon über unserem Block auf.

Spätestens nach der knappen Niederlage der Ungarinnen in Nykøbing war klar, dass das hier keine leichte Aufgabe werden würde. Die seit 2023 von der Trainer-Legende Gábor Elek trainierte Mannschaft von MOL Esztergom besteht ausschließlich aus ungarischen Spielerinnen, denn auch die Französin Emma Jacques besitzt inzwischen einen ungarischen Pass. Der Verein war erst 2024 in die erste ungarische Liga aufgestiegen und hatte sofort als Meisterschafts-Dritter einen internationalen Startplatz erreicht. Fast die gesamte erste Halbzeit neutralisierten sich beide Mannschaften weitgehend: Die Ungarinnen legten einen Treffer vor und die HSG antwortete mit dem Ausgleich. Erst kurz vor der Pause sorgten mehrere vergebene Blomberger Chancen für die Zwei-Tore-Halbzeitführung von MOL Esztergom. Bis zum 25:25 Mitte der zweiten Spielhälfte konnte die HSG immer wieder ausgleichen, schaffte es allerdings nie, selbst in Führung zu gehen. Danach zog die Heimmannschaft mit einem kleinen 3:0-Lauf weg, und obwohl die HSG bis zum Abpfiff am Gegner dranblieb, konnte sie diesen Drei-Tore-Rückstand nicht mehr komplett aufholen und verlor die spannende Partie schließlich denkbar knapp mit 32:33. Auf der Tribüne gaben wir alle unser Bestes, aber gegen die lautstarke Übermacht vom anderen Hallenende waren unsere Möglichkeiten nur mit einigen Klatschpappen, aber ohne Trommeln und Tröten leider begrenzt. Dass manches in Ungarn etwas anders läuft als daheim, zeigte ein besonderer Moment kurz nach Spielende: Die Esztergom-Spielerinnen ließen sich zunächst von ihren Fans feiern und stellten sich dann in einer Reihe vor dem Fanblock auf, der daraufhin die ungarische Nationalhymne anstimmte. Mit diesen und vielen anderen Eindrücken im Gepäck fuhren wir zurück nach Budapest.

Nach einem leckeren Hotel-Frühstück checkten wir am nächsten Morgen aus und nutzten den knackig kalten, aber sonnigen Sonntagvormittag für ein wenig Sightseeing in der wunderschönen ungarischen Hauptstadt: Unser Weg führte zunächst über die Margaretenbrücke zum Westufer der Donau und dort entlang der Uferpromenade nach Süden. Von dieser Donau-Seite aus konnte man die riesigen Ausmaße des 268 m langen Parlamentsgebäudes am gegenüberliegenden Ufer trotz Gegenlicht gut erkennen.

Über die 1849 fertiggestellte Kettenbrücke kehrten wir ans Ostufer der Donau zurück.

Von der Brücke aus hat man einen tollen Ausblick auf den Burgberg mit der Fischerbastei und der Matthiaskirche.

Als nächstes stand das imposante Parlamentsgebäude auf unserem Programm:

Zum Abschluss unseres kleinen Rundgangs kehrten wir noch einmal zur Szent István-Basilika zurück, die wir uns schon am Vortag von innen angesehen hatten:

Bei dem schönen Wetter lockte diesmal drei von uns die Balustrade um die Kuppel der Basilika in 65 m Höhe, die über eine Kombination von Aufzug und Treppen zu erreichen ist.

Die Aussicht in allen Richtungen über ganz Budapest war wirklich einzigartig – von dort oben entdeckten wir auch die Sehenswürdigkeiten wie z.B. das Opernhaus, zu denen wir aus Zeitmangel nicht gekommen waren.

Anschließend ging es mit dem Airport-Shuttlebus zum Flughafen, wo wir auf das HSG-Team trafen, und am späten Nachmittag flogen wir mit Wizz Air zurück nach Dortmund. Die drei, die bis Montag in Ungarn blieben, nutzten am Sonntagnachmittag die Gelegenheit, sich noch mehr hochklassigen Handball anzusehen: Sie besuchten in Érd die Champions League-Partie zwischen FTC-Rail Cargo Budapest und den Kroatinnen von HC Podravka. Das Spiel endete mit einem ungarischen 31:23-Heimsieg. Doch egal ob nun kurzer Zweitages-Wochenendtrip oder (etwas) längere Städtereise: Auch unser dritter Besuch in Ungarn begeisterte wieder alle Mitfahrer!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Fanbase-Wochenende in Reykjavik (Teil 2)

Als wir am Sonntag nach dem Frühstück gegen 9 Uhr von unserem Hotel in Richtung Naturkundemuseum „Perlan“ aufbrachen, begann es im Osten gerade langsam zu dämmern – Sonnenaufgang war erst eine Stunde später um 10 Uhr. Der Himmel war größtenteils klar, und das Wetter versprach besser als am Vortag zu werden.

Unser Weg führte direkt an der „N1 höllin“ vorbei, wo am späten Nachmittag um 17 Uhr das Spiel beginnen würde. Die Valur-Sporthalle für 1.800 Zuschauer bildet mit der Tribüne des angrenzenden Fußballstadions eine architektonische Einheit – so ist der VIP-Raum für Handball- und Fußballspiele gleichermaßen nutzbar und hat Fenster zu beiden Seiten.

Der Name „höllin“ hat übrigens nichts mit „Hölle“ zu tun (Beispiel „Hölle Nord“ in Buxtehude), sondern bedeutet auf isländisch tatsächlich einfach nur „Halle“.

Von dort war es nicht mehr weit bis zum interaktiven Naturkundemuseum „Perlan“, das auf einem Hügel liegt und in die sechs Tanks eines ehemaligen Warmwasserspeichers integriert wurde. Wir näherten uns von der Rückseite:

Der Begriff „Museum“ ist für „Perlan“ – eine der Hauptattraktionen Reykjavíks – eigentlich irreführend, „Multimedia-Show zur Wissensvermittlung“ trifft es besser. Zum Beispiel gibt es für alle, die es in den Sommermonaten nicht bis in die Westfjorde schaffen, eine naturgetreue Nachbildung der Vogelklippen von Látrabjarg, des größten Vogelfelsens Europas:

Weitere Highlights sind zwei Multivisions-Filme über Vulkanismus – beim zweiten, der brandneu ist und noch gar nicht beworben wird, taucht man zunächst 2.000 m ins Erdinnere ab und wird dann mit der glühenden Lava buchstäblich wieder „ausgespuckt“ – spektakulär! Anschließend kühlten wir uns in der Gletschereishöhle bei -10 bis -15°C ab (schicke HSG-Mütze, Thomas!):

Von der Dachterrasse überblickt man die ganze Stadt – besonders gefiel uns die Aussicht nach Norden mit den Bergen im Hintergrund (das linke der drei Hochhäuser war übrigens das Mannschaftshotel der HSG).

Zum Abschluss gab es im Planetarium noch die leicht mystisch angehauchte Nordlicht-Show mit tollen Aufnahmen zu sehen.

Fazit: Ein Besuch in „Perlan“ lohnt sich. Noch schnell ein Foto von der Vorderseite mit dem Haupteingang, bevor wir uns auf den Rückweg zu unserem Hotel machten:

Unterwegs kamen wir in einem kleinen Park an einer Kuh aus Holz vorbei, die auch unbedingt aufs Bild wollte:

Wir lagen gut in der Zeit, und weil das Wetter inzwischen richtig sonnig geworden war, drehten wir eine kleine „Extrarunde“ zur Skulptur „Sun Voyager“, am Wasser entlang bis zum Konzerthaus „Harpa“.

Auf dem Rückweg durch die Fußgängerzone „Laugavegur“ holten wir uns leckere Sandwiches in einer Bäckerei, dann radikalisierten wir uns und spazierten anschließend langsam zur „N1 höllin“.

Die Halle war bei unserer Ankunft schon geöffnet, und wir wurden auch hier wieder sehr freundlich begrüßt. Die demontierbaren Sitzreihen auf den ausziehbaren Tribünen waren etwas wackelig, und manche Plätze auf den abgesperrten Hintertor-Tribünen sahen aus, als ob dort der Co- Trainer eines thüringischen Frauenhandball-Erstligisten gesessen hätte, aber uns gefiel vor allem das großzügige Platzangebot im Foyer. Und dank des Hallen-DJs von Valur weiß man jetzt auch in Island, wie die Mutter von Niki Lauda heißt!

Ob hinter den unterschiedlichen Größen der Nationalflaggen ein tieferer Sinn steckte, entzieht sich unserer Kenntnis:

Für deutsche Verhältnisse undenkbar: Die Valur-Spielerinnen mussten für die Kosten ihrer European League-Teilnahme selbst aufkommen. Dazu gab es im Vorfeld verschiedene Aktionen, unter anderem wurden neben „normalen“ auch fünfmal so teure „Unterstützer-Tickets“ verkauft, und zwei Tage vor dem Rückspiel gab es mittags im Sporthallen-Foyer „Europa-Schnitzel“, deren Erlös ebenfalls der Mannschaft zu Gute kam. Für uns HSG-Fans war ein ganzer Block freigehalten und mit Flatterband abgesperrt worden. Mit nur 382 Zuschauern war das Spiel nicht gerade gut besucht – aber unser Block füllte sich, vor allem dank der Familien und Freunde unserer drei Isländerinnen und Familie Leidt aus Blomberg. Am Ende hatten sich dort über 20 HSG-Supporter versammelt, viele sogar schon in den neuen Trikots dieser Saison.

Beide Mannschaften standen bereit, es konnte also losgehen. Élin wurde beim Einlaufen an ihrer alten Wirkungsstätte von den Heimfans mindestens so laut begrüßt wie die aktuellen Valur-Spielerinnen.

Irgendwie schien die HSG zu Spielbeginn noch nicht so ganz auf dem Platz zu sein, denn schnell stand es 3:0 für die Heimmannschaft, und erst in der 8. Minute kam Blomberg durch Diana zum ersten Treffer. Nach 16 Minuten stand es 6:6 Unentschieden, und genau wie im Hinspiel in Blomberg konnte sich die HSG danach mit einem 5:0-Lauf bis zum 6:11 absetzen. Leider endeten damit aber die Gemeinsamkeiten zwischen Hin- und Rückspiel, denn weiter als auf fünf Tore ließ Valur die HSG diesmal nicht davonziehen. Zum Seitenwechsel führten die Gäste aus Blomberg mit 10:14. Bei den Isländerinnen lief wieder viel über die zwei Nationalspielerinnen Lovísa Thompson und Thea Imani Sturludóttir im linken bzw. rechten Rückraum. Auch Valurs Torhüterin Hafdís Renötudóttir zeigte – anders als in Blomberg – diesmal mit insgesamt 17 Paraden, darunter zwei gehaltenen Siebenmetern, ihr ganzes Können. Im Torhüterduell war sie damit klare Siegerin, denn während Nicole in der ersten Halbzeit mit sieben Paraden noch mithalten konnte, bekamen in Hälfte zwei zunächst Melanie und in der Schlussphase Lara nicht mehr oft die Finger an den Ball.

Die Vier-Tore-Pausenführung der HSG hatte in der 38. Minute weiterhin Bestand, doch dann schmolz der Vorsprung wie Gletschereis am Vatnajökull im kurzen isländischen Sommer: Viele leichte Blomberger Ballverluste, Fehlwürfe und technische Fehler führten dazu, dass Valur in der 58. Minute zum 21:21 ausgleichen konnte. Am Ende hätte die HSG das Spiel sogar noch verlieren können, denn weniger als eine Minute vor Abpfiff eroberten die Isländerinnen beim Stand von 22:22 den Ball, vertändelten ihn aber 20 Sekunden vor Spielende wieder vor dem Blomberger Kasten. Im Gegenzug scheiterte die HSG dann noch zweimal an Valurs Torhüterin – es blieb damit beim Unentschieden, das die Heimmannschaft zu Recht wie einen Sieg feierte. Unter dem Strich war der Favorit damit aber locker weitergekommen, und das Spiel sollte man aus Blomberger Sicht einfach schnell abhaken! Nach einem gemeinsamen Foto von Mannschaft und Fans gingen wir langsam zurück Richtung Hotel. Lustig: Zur Feier des Hauptrundeneinzugs wurde an diesem Abend sogar die Hallgrimskirkja in den HSG-Farben blau-weiß-rot angestrahlt – vielleicht sollten es aber auch einfach nur die isländischen Nationalfarben sein …

Auf jeden Fall schmeckte der Hot Dog an der benachbarten Pylsur-Bude gleich doppelt gut!

An diesem Abend war frühes Schlafengehen angesagt, denn am Montag mussten wir schon um 3.45 Uhr auschecken und uns auf den Weg zum Busbahnhof machen, um den ersten Shuttlebus nach Keflavík zu erwischen. Dort trafen wir den größten Teil der HSG-Mannschaft, die denselben Flieger zurück nach Frankfurt nahm wie wir – nur unsere drei Isländerinnen blieben für die WM- Vorbereitung gleich vor Ort. Der Rückflug und die anschließende Rückfahrt nach Blomberg verliefen problemlos. Wir vier hatten eine tolle Zeit in Reykjavík, haben dort in der kurzen Zeit viel gesehen und erlebt und außerdem sehr gut gegessen – so kann die European League-Saison weitergehen!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Fanbase-Wochenende in Reykjavik (Teil 1)

Die European League-Saison 2025/26 begann für die HSG-Fanbase gleich mit einem Rekord: 5.500 km hatten wir bisher noch nie zurückgelegt, nur um uns ein Spiel anzusehen – dagegen verblassten auch unsere Touren nach Vác oder Mosonmagyaróvár! Zu viert (Ute, Monika, Thomas und Uwe) fuhren wir am frühen Freitagmorgen mit dem Auto nach Frankfurt, wo mittags unsere Icelandair-Maschine Richtung Norden startete. Nach der Landung auf dem Flughafen Keflavík ging’s per Shuttlebus knapp 50 km bis zum Busbahnhof in der Innenstadt von Reykjavík und anschließend von dort zu Fuß steil bergauf zu unserem Hotel direkt gegenüber der Hallgrimskirkja, dem Wahrzeichen der Stadt. Schnell stellten wir fest: Hier in Island war das Weihnachtsfieber bereits voll ausgebrochen.

Wir unternahmen noch einen kurzen Spaziergang zur 1990 aus Edelstahl am Meer errichteten Skulptur „Sun Voyager“, bevor wir unseren Anreisetag mit einem leckeren Abendessen in einem unscheinbaren, aber zu Recht hervorragend bewerteten kleinen Restaurant in der Nachbarschaft namens „Þrír Frakkar“ abschlossen.

Für den Samstag hatten wir uns ein Programm zurechtgelegt, um die wenigen Stunden Tageslicht – die Sonne ging um diese Jahreszeit erst gegen zehn Uhr morgens auf und nach weniger als sechseinhalb Stunden schon wieder unter – bestmöglich zu nutzen. Wir starteten einmal über die Straße, wo direkt gegenüber unseres Hotels „Leifur Eiríksson“ ein Standbild des Namensgebers errichtet worden war, der um das Jahr 1000 vermutlich als erster Europäer von Grönland kommend Amerika betreten hatte.

Die Hallgrimskirkja, deren Bau ganze 41 Jahre gedauert hatte, beeindruckte uns mit ihrem minimalistischen Einrichtungsstil und der majestätischen Orgel, einer der größten Europas.

Absolutes Highlight war aber der tolle Rundumblick über die ganze Stadt vom 73 m hohen Turm. Nicht nur unsere weiteren „Programmpunkte“ des Tages, sondern in entgegengesetzter Richtung auch „Perlan“ und die „N1 höllin“, unsere Ziele vom Sonntag, waren von dort aus gut zu sehen.

Jede Viertelstunde wird es dort oben richtig laut, wenn je nach Uhrzeit eine oder mehrere der 32 großen und kleinen Glocken im Glockenstuhl schlagen.

Von der Hallgrimskirkja gingen wir durch eine der Haupteinkaufsstraßen mit vielen kleinen Geschäften zu unserem nächsten Ziel, dem Rathaus. Unterwegs begegnet man auf Schritt und Tritt interessanten Kunstwerken – hier „der unbekannte Bürokrat“:

Das moderne Rathaus wurde 1992 am Stadtteich fertiggestellt. Im Innern war leider das über 75 m² große 3D-Relief Islands gerade wegen einer Veranstaltung abgebaut worden.

Nur eine Ecke weiter kommt man zum unscheinbaren Parlamentsgebäude von 1881 und der kleinen Domkirche direkt daneben.

Anschließend sahen wir uns in der Besiedlungsausstellung die 2001 bei Bauarbeiten zufällig gefundenen Überreste eines Bauernhofs aus dem 10. Jahrhundert an, die man an Ort und Stelle belassen und einfach überbaut hat.

Unterirdisch geht es drei Häuser weiter zum zweiten Teil der Ausstellung, in der man viel über das Leben in Reykjavík vor gut 100 Jahren erfährt. Auch einen Kaufmannsladen aus dem letzten Jahrhundert findet man dort. Interessant dabei, dass schon damals so gut wie alle Waren aus Europa bzw. Amerika importiert werden mussten.

Auch hier in der Innenstadt waren die Weihnachtsvorbereitungen bereits abgeschlossen worden.

Wir gingen weiter zum Hafen, wo unter anderem die letzten zwei Walfangboote Islands beschäftigungslos und mit abgebauten Harpunen am Kai lagen und auf die nächste Fangsaison warteten.

Zu Mittag aßen wir im „Kaffivagninn“, dem nach eigenen Angaben mit 90 Jahren ältesten Restaurant Islands, während es draußen gerade ordentlich regnete. Auch hier gab es wieder leckeren Fisch in allen Variationen. Pünktlich zu unserem Aufbruch ließ auch der Regen wieder nach – perfektes Timing! Als nächstes besuchten wir einen Indoor-Flohmarkt, der nur samstags und sonntags geöffnet hat und wo teilweise sehr skurrile Dinge angeboten wurden – gibt es in Island wirklich einen Markt für Armbinden mit der Aufschrift „Helfer der Volkspolizei“? Neben solchen und anderen typischen Flohmarktwaren findet man dort aber auch kulinarische Spezialitäten wie Walfleisch, Pferdewurst oder fermentierten Hai. Nur einen Steinwurf (oder zwei) entfernt liegt das 2011 eröffnete Opern- und Konzerthaus „Harpa“ mit seiner interessanten Glasfassade, dessen Foyer für alle zugänglich und dazu noch architektonisch sehr interessant ist.

Im Keller des Gebäudes ließen wir uns im 4D-Kino „Volcano Express“ mit phantastischen Aufnahmen des Vulkanausbruchs nahe Reykjavík vom Frühjahr 2021 knapp zehn Minuten lang ordentlich durchschütteln.

Inzwischen war es draußen dunkel geworden – aber auch jetzt gab das hell erleuchtete Konzerthaus wieder ein tolles Fotomotiv ab:

Zum Abendessen hatten wir Plätze in der „Íslenski Barinn“ reserviert, die bei Einheimischen und Besuchern offenbar besonders beliebt ist – und eine unglaublich lange Getränkekarte besitzt! Die Reservierung machte sich bezahlt, denn so konnten wir einfach an der langen Warteschlange im Eingang vorbeigehen. Auch hier musste man als Nicht-Isländer erst mal umschalten: „Last Christmas“ und Bedienungen mit Weihnachtsmützen sind Mitte November hierzulande doch noch etwas ungewohnt. Neben Fisch, Lamm und einheimischem Bier kam auch das inoffizielle Nationalgetränk „Brennivín“, ein auch als „schwarzer Tod“ bekannter Aquavit, auf den Tisch – da konnten uns auch die heftigen isländischen Preise nicht abschrecken! Wie überall auf unserer Fahrt war auch hier das Essen wieder richtig lecker und die Portionen waren ordentlich – was will man mehr … Im Hotel ließen wir anschließend bei einem Absacker den Tag ausklingen.

Fortsetzung folgt …

Text und Fotos: Uwe Jakob

Göppingen: Zwei Tage, zwei Punkte

Nicht mal sieben Monate nach unserem letzten Besuch in Göppingen waren wir schon wieder da – erneut mit dem Bulli der „Lippischen“, der aber diesmal mit sieben statt sechs HSG-Fans besetzt war. Auf der Hinfahrt lagen wir dank des Feiertags in Süddeutschland so gut in der Zeit, dass wir uns bei einem kurzen Spaziergang in der Aalener Innenstadt die Beine vertreten konnten.

Anschließend folgten wir der Empfehlung von Fanbase-Mitglied Heike (danke dafür!) und fuhren im Besucherbergwerk „Tiefer Stollen“ in Aalen-Wasseralfingen ein, wo von 1608 bis 1939 Eisenerz abgebaut wurde.

Mit einer Grubenbahn ging es 400 m in den Braunenberg und von dort zu Fuß durch die verschiedenen Gänge und Stollen.

An unterschiedlichen Stationen erfuhren wir viel Neues über die Schritte von der Eisenerzgewinnung bis zum Roheisen und über die technische Entwicklung der Abbaumethoden. Auch eine (simulierte) Sprengung gehört zum Programm.

Beeindruckend, unter welch schwierigen Bedingungen die Bergleute dort früher gearbeitet haben – unsere grünen Schutzhelme erwiesen sich in den niedrigen Gängen jedenfalls als äußerst sinnvoll!

Danach wurde es Zeit für die letzte, knapp einstündige Etappe bis Göppingen. Nach schnellem Check-in im Hotel in der Innenstadt, wo wir auch schon im April übernachtet hatten, ging es gleich weiter zur EWS-Arena. Diesmal war auch der HSG-Express mit der Mannschaft gut durchgekommen und das Spiel konnte pünktlich starten.

Die Frisch Auf-Frauen hatten sich zu dieser Saison unter anderem mit der aus Dortmund gewechselten Japanerin Haruno Sasaki verstärkt. Sie erzielte allerdings an diesem Abend die meisten ihrer sieben Tore vom Siebenmeter-Strich und blieb aus dem Spiel heraus eher glücklos. In Minute 13 ging die HSG vor 1.817 Zuschauern bei Maxis 5:6 erstmals in Führung, aber fünf Minuten später führte die Heimmannschaft wieder mit 9:8. Zur Halbzeit lag beim 12:14 dann erneut die HSG mit zwei Toren vorn. Kurz nach Wiederanpfiff glich Frisch Auf noch einmal aus, doch danach konnte sich Blomberg nach und nach absetzen. Richtig deutlich wurde es dann in der Schlussviertelstunde, als die HSG aus einem 19:22 einen sehr komfortablen Zehn-Tore-Sieg mit 23:33 machte. Beste Blomberger Torschützin war wieder einmal Nieke mit sieben Treffern, aber auch Melanie im Tor war ihren Göppinger Kolleginnen klar voraus und wurde zur HSG- „Spielerin des Spiels“ ernannt. Die HSG geht also mit einem blütenweißen Punktekonto von 14:0 als Tabellenführer der Alsco HBF in die WM-Pause. Nur mal so zur Erinnerung: Vor neun Jahren war Blomberg nach sieben Ligaspielen der Saison 2016/2017 mit 0:14 Punkten Tabellenletzter …!

Anschließend ließen wir den Abend wieder wie beim letzten Mal im Brauhaus nahe beim Göppinger Bahnhof ausklingen.

Die Rückfahrt am Sonntag unterbrachen wir diesmal in Würzburg, wo wir uns bei einer wirklich hervorragenden Führung die Festung Marienberg hoch oben am linken Mainufer gegenüber der Altstadt von außen und innen ansahen. Obwohl momentan noch bis 2032 viel umgebaut wird, lohnt sich ein Besuch allein schon wegen der Panorama-Aussicht über den Main auf Würzburg.

Zu den Highlights der Führung gehörte der Blick in die Marienkirche im inneren Burghof – die älteste Kirche der Stadt.

Daneben steht der Brunnentempel mit dem 102 Meter tiefen Festungsbrunnen. Erstaunen beim Blick auf das Dach: Offenbar hat man schon vor Hunderten von Jahren Frauenhandball gespielt – wenn auch in recht nachlässiger Kleidung …:

Die Kasematten der Festung sind in den Wintermonaten für den Besucherverkehr gesperrt, dann ziehen dort die Fledermäuse zum Überwintern ein.

Zum Schluss schnell noch ein letztes Gruppenbild, bevor wir uns auf den Heimweg nach Blomberg machten:

Auch auf dieser Zweitagesfahrt hatten wir wie immer viel Spaß, haben ein schönes Handballspiel mit dem für die HSG „passenden“ Ergebnis gesehen und auf der Hin- und Rückfahrt unterwegs interessante Zwischenstopps eingelegt. Danke an unsere zwei Fahrer Christian und Mike!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Zwei Punkte aus Zwickau

Eine Woche nach dem Pokal-Achtelfinalsieg in Solingen ging es am 4. Oktober mit dem Bulli der „Lippischen“ in entgegengesetzter Richtung nach Osten zum Ligaspiel beim BSV Sachsen Zwickau. Durch eine kurzfristige krankheitsbedingte Absage waren wir diesmal nur zu fünft und hatten zwei große Trommeln und eine Snare im Gepäck. An unserem ursprünglichen Etappenziel, der Marienglashöhle Friedrichroda südöstlich von Eisenach, mussten wir feststellen, dass die nächsten beiden stündlichen Führungen durch die Tropfsteinhöhle bereits ausgebucht waren. Also fuhren wir weiter nach Weimar und sahen uns dort stattdessen das Schloss Belvedere, die vor fast 300 Jahren im Auftrag von Herzog Ernst August I. erbaute barocke Sommerresidenz der ehemaligen Herzöge von Sachsen-Weimar und Eisenach, mit seinen Gartenanlagen und der Orangerie an.

Auch Anfang Oktober blühten im Schlosspark, den wir bei dem trüben Wetter fast für uns allein hatten, noch viele Blumen.

Zum Schlosspark gehört auch ein „Russischer Garten“, der seinem Vorbild in St. Petersburg nachempfunden wurde.

Zu unserem Glück schafften wir es gerade noch rechtzeitig zurück zum Bulli, bevor ein sintflutartiger Regenschauer einsetzte. Auf der Landstraße kurz vor Zwickau überholten wir den „HSG-Express“; die Zeit vor Spielbeginn reichte noch für Kaffee und Kuchen in einem Baumarkt-Café unweit der Stadthalle, die seit dieser Saison „Sparkassen-Arena“ heißt. In der Halle angekommen, bezogen wir unsere Plätze im Oberrang und testeten das in Zwickau gewohnt vielseitige Angebot an Speisen und Getränken:

Zu diesem Foto gehört unbedingt der Satz „Bei der Fanbase wird ja nur ge…!“

Nur dank uns wurde die prestigeträchtige Marke von 1.300 Zuschauern geknackt, denn exakt 1.304 Besucher wollten das Spiel sehen. Darunter war auch eine Reihe weiterer HSG-Anhänger. Schon nach wenigen Minuten war klar: Zwickaus Neuzugang Silje Brøns Petersen hat seit ihrer Blomberger Zeit nichts verlernt und war gegen ihren ehemaligen Verein offenbar besonders motiviert. Mit ihren unverwechselbaren Schlagwürfen erzielte sie vier der fünf ersten Zwickauer Tore. Bis zum 12:12 nach gut 20 Minuten war es ein Spiel auf Augenhöhe, aber danach konnte sich die HSG bis zum Pausenstand von 15:19 langsam etwas absetzen. Zu Beginn von Hälfte zwei vergrößerte die HSG den Vorsprung weiter, unter anderem durch einen Doppelschlag von Nuria, die schon kurz vor der Pause den wichtigen Treffer zum 15:18 erzielt hatte. Zwickaus Abschlüsse waren nun nicht mehr so präzise, doch erst nach dem 17:24 in der 42. Minute packte deren Trainer Norman Rentsch das eigentlich schon von Anfang an oder zumindest viel früher erwartete Spiel 7-gegen-6 aus: Es blieb ohne große Wirkung – außer dass Melanie dadurch mit einem Wurf über das ganze Spielfeld ins leere Zwickauer Tor beim 22:29 zu ihrem ersten Saisontreffer kam! Auch Nieke, die in der Schlussviertelstunde von Zwickaus Japanerin Kaho Nakayama aus dem Spiel genommen wurde, glänzte ebenso wie Andrea mit sechs Toren. Darunter war nach längerer Zeit auch wieder einer ihrer „Dreher“, die besonders in der letzten Saison zu ihrem Markenzeichen geworden waren. Am Ende gewann die HSG dank der insgesamt höheren Effektivität im Abschluss verdient mit 29:35 gegen einen vor allem in der 1. Halbzeit stark spielenden Gegner.

Nach drei Heimsiegen hatte die HSG damit auch die ersten Auswärtspunkte der Saison 2025/26 geholt und blieb an der Tabellenspitze der Alsco HBF. In der Liga nicht mehr der Jäger, sondern plötzlich der Gejagte zu sein, fühlt sich irgendwie noch ungewohnt an – aber wir würden uns gern daran gewöhnen! Trotz Sturm und Regen hatten wir eine angenehme Rückfahrt nach Blomberg uns sagen danke an unsere Fahrer Katrin und Axel!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Souveräner Achtelfinalsieg in Solingen

Nach drei Bundesliga-Heimspielen begann für die HSG am 27. September mit der Achtelfinal- Auswärtspartie beim HSV Solingen-Gräfrath 76 auch der diesjährige Pokalwettbewerb. Noch vor dem „HSG-Express“ starteten wir am späten Samstagvormittag zu acht im voll besetzten Bulli der „Lippischen“ in Blomberg Richtung Bergisches Land. Unterwegs legten wir einen Zwischenstopp kurz hinter Dortmund am LWL-Freilichtmuseum Hagen ein: Der Landschaftsverband Westfalen- Lippe (LWL) unterhält nicht weniger als 19 Museen mit rund 1,8 Mio. Besuchern jährlich zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Region. Die 1973 eröffnete „kleine Schwester“ des Detmolder Freilichtmuseums, das übrigens mit über 90 Hektar Fläche Deutschlands größtes Museum dieser Art ist, zeigt in Hagen/Westfalen technische Kulturdenkmäler aus Handwerk und beginnender Industrialisierung der letzten 200 Jahre.

Standort ist ein schmales Tal, in dem Wasser, Wind und Wald als wichtigste Energiequellen des 19. und 20. Jahrhunderts im Überfluss vorhanden sind. Vom Eingang aus arbeiteten wir uns langsam weiter talaufwärts.

Im mittleren Bereich des Geländes dominiert die Metallbearbeitung, die in diesem Teil Westfalens bis heute besonders stark vertreten ist. Unter anderem findet man dort die Kettenschmiede, eine Drahtzieherei und den Sensenhammer.

Ganz oben im Freilichtmuseum sind viele „klassische“ Handwerke angesiedelt, zum Beispiel die Seilerei mit einer über 70 m langen Reeperbahn,

eine kleine Schnapsbrennerei

oder die Druckerei mit einer reicht verzierten alten Handdruckpresse und der zugehörigen Handsetzerei.

Auf dem Rückweg fiel uns noch ein Erdmeiler für die traditionelle Herstellung von Holzkohle auf.

Fazit: Auch wenn die Zeit im Hagener Freilichtmuseum leider nur für einen dreistündigen Schnelldurchgang reichte – uns hat’s dort super gefallen!

Nach gut einer weiteren Stunde Fahrt erreichten wir Solingen. Der riesige Parkplatz vor der Klingenhalle war fast komplett durch ein ebenso riesiges Oktoberfestzelt belegt, aber da der „Lippische“-Bulli optisch so gut zum „HSG-Express“ passt, haben wir ihn einfach vor den Mannschaftsbus gestellt … Die 1973 gebaute Klingenhalle mit knapp 2.500 Plätzen war alles andere als gut besucht, auch wenn die „offizielle“ Zuschauerzahl von 160 wohl aus abrechnungstechnischen Gründen leicht untertrieben war. Neben unseren drei großen Trommeln plus Snare bekam das Team lautstarke Unterstützung von vielen weiteren HSG-Anhängern, die ebenfalls nach Solingen gekommen waren. Nach ausgeglichenem Spielbeginn fiel schon recht früh eine Vorentscheidung, als sich die HSG zwischen der 13. und 21. Minute mit einem 6:0-Lauf von 7:9 auf 7:15 absetzen konnte. Zur Pause führte Blomberg bereits mit 10:20, aber besonders Solingens Rückraumlinke Deborah Spatz netzte immer wieder mit sehenswerten Distanzwürfen aus dem Rückraum ein. Jede der drei HSG-Torhüterinnen bekam handgestoppte 20 Minuten Spielzeit, und auch auf den übrigen Positionen wurde munter durchgewechselt – gleich zehn Blomberger Spielerinnen trugen sich in die Torschützenliste ein. Am Ende der sehr fairen Partie (nur zwei Zeitstrafen) wurde die HSG ihrer Favoritenrolle gerecht und siegte dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung standesgemäß mit 37:25. Dem extrem jungen Solinger Team, in dem nur zwei Spielerinnen älter als 26 Jahre waren und die auch eine B-Jugendliche einsetzten, gelang dafür in der 2. Halbzeit mit einem sehenswerten Kempa-Trick die schönste Aktion des Spiels, auch wenn Nicole Roth das Tor verhinderte.

Damit ist die HSG nur noch eine weitere Pokalrunde vom „Haushahn Final4“ in Stuttgart entfernt. Zufrieden machten wir uns auf den Rückweg und planten nebenbei schon die nächsten zwei Auswärtsfahrten nach Zwickau und Göppingen.

Text und Fotos: Uwe Jakob

Supercup-Wochenende in München

Als wir uns kurzfristig nur zu fünft am Freitagnachmittag zum ersten HSG-Auftritt beim Supercup im Münchener „SAP Garden“ auf den Weg zum Bahnhof Altenbeken machten, waren unsere zwei Trommeln im „HSG-Express“ schon fast am Ziel angekommen. Unser ICE nach Nürnberg erreichte Kassel-Wilhelmshöhe bereits mit großer Verspätung – am Ende kamen wir über anderthalb Stunden später als geplant in München an. Auf der Rückfahrt sollte es noch schlimmer kommen … Vom Hauptbahnhof nahmen wir die U-Bahn , die letzten Meter bis zu unserem Hotel legten wir dann zu Fuß zurück. Beim Einchecken trafen wir dort gleich mal Familie Lippert, wenig später dann auch noch den Hallensprecher des VfL Oldenburg – München ist ein Dorf!

Am nächsten Morgen standen nach ausgiebigem Hotelfrühstück die „BMW-Welt“, das benachbarte BMW-Museum und der Olympiapark auf unserem Programm. Die „BMW-Welt“ dient vor allem als Showroom für die aktuellen Modelle der Unternehmensgruppe, zeigt aber auch einige Design-Studien der Fahrzeuge von morgen.

Von dort überquert man auf einer Fußgängerbrücke eine Hauptverkehrsstraße und kommt zum BMW-Museum.

„BMW-Welt“ und BMW-Museum sind in zwei architektonisch hochinteressanten, dabei völlig verschiedenen Gebäuden untergebracht. Direkt hinter dem Museum steht die bekannte 101 m hohe BMW-Hauptverwaltung („BMW-Vierzylinder“).

Das Museum bietet einen umfassenden historischen Überblick über die verschiedenen BMW- Autos und -Motorräder von damals bis heute, aber auch über die früher ebenfalls gebauten Flugzeug- und Bootsmotoren. Der Motorsport kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Anschließend zogen wir weiter in den Olympiapark. Dessen Herzstück ist das zu den Olympischen Sommerspielen 1972 erbaute Olympiastadion, bis 2005 die Heimspielstätte des FC Bayern München. Vom etwas südlich gelegenen Olympiaberg – mit gerade mal 60 m Höhe eher ein Hügel – kann man nicht nur ins Stadion, sondern über den gesamten Olympiapark und die ganze Stadt schauen. Auch den „SAP Garden“ kann man von dort gut sehen.

Genau dorthin machten wir uns nach einer kurzen Mittagspause auf. Vor Ort sahen wir weitere bekannte Gesichter, unter anderem Ungarn-„Legionärin“ Tizi, „Handball-Rentnerin“ Lisa und ihren Fabian sowie Stefanie Klaunig, inzwischen Marketing-Leiterin beim THW Kiel. Die erst im September 2024 fertiggestellte Eishockey- und Basketballarena war beim ersten Handball-Event mit 10.298 Zuschauern ausverkauft.

Für die zwei Trommeln mussten wir vorab mit Fotos und Beschreibung „Trommel-Pässe“ beantragen – die holten wir uns nun am Presse-Eingang des „SAP Garden“ ab. und zur persönlichen Abholung am Spieltag durch den jeweiligen Bediener hinterlegt worden. Die angedrohte hochnotpeinliche Untersuchung („eventuell muss die Trommel geöffnet werden“) blieb den Instrumenten aber erspart, denn sie kamen ganz unbürokratisch – und ganz ohne Trommel- Pässe! – direkt vom „HSG-Express“ aus den Katakomben der Halle in den Arena-Innenraum.

Unsere zwei Trommlerplätze waren Rollstuhl-Plätze in der letzten Reihe des Unterrangs, während der eigentliche HSG-Fanblock direkt über uns im Oberrang lag – aber auch die Reihen vor uns waren fest in Blomberger Hand. Die HSG startete fulminant und führte nach 20 Minuten mit unglaublichen 13:4 – ab da brachte der THC im Angriff konsequent die siebte Feldspielerin und holte bis zur Pause auf 14:10 auf. In der 39. Minute war der Blomberger Neun-Tore-Vorsprung dann komplett weg, und sechs Minuten später ging der THC beim 20:21 erstmals in Führung. Danach konnte die HSG zwar noch zweimal ausgleichen, aber in der Crunchtime zog der THC bis auf drei Tore davon und gewann das Spiel schließlich mit 30:31.

Nach Spielende wusste man nicht so recht, worüber man sich mehr wundern sollte: Über den fulminanten HSG-Start oder darüber, dass man dieses Spiel anschließend tatsächlich noch aus der Hand gegeben und verloren hatte. Die anschließende Siegerehrung verlief seltsam: Die HSG- Spielerinnen standen die ganze Zeit im Dunkeln am Spielfeldrand, während der THC den Pokal überreicht bekam und feierte – nur um ganz zum Schluss der siegreichen Mannschaft gratulieren zu dürfen. Das folgende HBL-Supercupspiel der Männer entschieden die Füchse Berlin im Siebenmeterwerfen für sich. Am Sonntagmorgen war nach dem Check-Out noch etwas Zeit für „München-Innenstadt im Schnelldurchgang“: Stachus, ein kurzer Blick in die Frauenkirche, einmal über den Marienplatz bis zum Hofbräuhaus und wieder zurück zum Hauptbahnhof.

Unser ICE für die Rückfahrt fuhr von München bis Kassel-Wilhelmshöhe durch – aber die DB zog wieder alle Register, um uns von weiteren Bahnfahrten abzubringen, und riegelte an diesem Tag unser Ziel Altenbeken bahntechnisch komplett von der Außenwelt ab. Die Bahn wollte uns daraufhin von Kassel über Göttingen und Höxter mit Schienenersatzverkehr ab Höxter-Ottbergen bis nach Altenbeken schicken – aber noch bevor diese „Odyssee“ losging, war sie durch die Verspätung des ICEs nach Göttingen auch schon wieder hinfällig geworden. Am Ende blieb uns nur ein Großraumtaxi und die Hoffnung auf die Erstattung der DB.

Bei aller Enttäuschung über die verpasste Riesenchance, mit nur einem Sieg den ersten „richtigen“ Titel der Vereinsgeschichte einzufahren, bleibt festzustellen: Der Einsatz des Teams hat gestimmt und nach den deutlichen Pokal- und Meisterschafts-Niederlagen gegen die HB Ludwigsburg letzte Saison werden die Karten jetzt neu gemischt. Nelken-Cup und Supercup haben gezeigt, dass die HSG mit den aktuellen Top-Vereinen auf Augenhöhe mithalten kann.

Text und Fotos: Uwe Jakob

EHF Finals – Das Saison-Highlight in Graz (Teil 2)

Entweder zu Fuß oder mit dem Taxi ging es am Samstagabend nach Ende des zweiten Halbfinals zurück in unser Hotel. Zum Essen hatten wir uns einen Tisch für neun Personen im Gösser- Brauhaus reserviert, das ebenfalls nicht sehr weit vom Motel One entfernt war. Dort feierte man gerade das 20-jährige Jubiläum, mit Preisen wie vor 20 Jahren für ausgewählte Speisen und Getränke – da lachte das Herz des Lippers!

Nach dem Essen gönnten wir uns noch eine oder zwei Runden Steirischer Maschanzker (Apfelbrand) – lecker! Neben einer größeren Fangruppe aus Dijon war übrigens auch der HSG- Staff an diesem Abend im Lokal, saß allerdings in einem anderen Bereich. Auf dem Rückweg kamen viele von uns einfach nicht an der rappelvollen Bar „UI“ vor unserem Hotel vorbei, so dass wir auch hier noch mal die Lage peilen und nach dem Rechten sehen mussten. Zwei HSG-Fans sollen danach auch noch in der „Mausefalle“ gesichtet worden sein („links Schlager, rechts Techno“) – gesicherte Erkenntnisse hierzu gibt es allerdings nicht.

Am Sonntagmorgen liefen die meisten von uns – mehr oder weniger ausgeschlafen – beim Frühstück auf – nur einer fehlte, allerdings entschuldigt. Zu fünft machten wir uns anschließend bei wiederum schönstem Wetter noch mal auf in die Innenstadt, nahmen diesmal aber einen anderen Weg als am Vortag. Immer wieder kamen wir dabei an tollen alten Häuserfassaden vorbei.

Es stimmt übrigens nicht so ganz, dass nirgends in der Stadt für das Event im Raiffeisen- Sportpark „geworben“ wurde: Ein findiger Grazer Geschäftsinhaber, dem am Vortag wohl die überall durch die Stadt ziehenden THC-Fans aufgefallen waren, hatte daraufhin sein Lokal am Schloßbergplatz kurzerhand in „Handballbar“ umbenannt.

Nachdem wir uns dort gestärkt hatten, fuhren wir mit dem Schloßberglift nach oben und sahen uns noch einige Ecken auf dem Berg an, die uns am Vortag entgangen waren, darunter das imposante Graz Museum Schloßberg.

Anschließend ging es mit dem Lift wieder nach unten, aber zunächst nur bis zur Zwischenstation „The Flight Graz“: Mitten im Schloßberg wurde 2022 ein kleiner Kinosaal mit 18 Plätzen in den Fels gehauen, wo seitdem viermal pro Stunde ein zehnminütiger 4D-Film einen Rundflug quer durch bzw. über Graz aus der Perspektive einer Fliege zeigt. Bewegliche Sessel und Effekte wie Wind, Regen und Seifenblasen sorgen zusammen mit dramatischer Musik für ein tolles Rundum- Erlebnis – wir waren jedenfalls begeistert! Zurück auf dem Schloßbergplatz wurde es langsam Zeit für den Rückweg zum Hotel.

Auch an diesem Tag starteten die zwei Spiele – zuerst das Spiel um Platz drei, dann das Finale – wieder um 15 bzw. 18 Uhr. Die Tribünen waren nicht besser gefüllt als am Samstag. Dieser Blick in den Blomberger Fanblock mit den weiß gekleideten Dijon-Fans im Hintergrund zeigt, dass die Halle gerade auf unserer Seite doch sehr leer war – und die Tribünen hinter beiden Toren waren an beiden Tagen komplett unbesetzt!

Welches der zwei Teams würde nach den Niederlagen vom Vortag den Schalter umlegen und sich für das Spiel um Platz drei noch einmal motivieren können? Zunächst sah alles danach aus, als ob dies die Französinnen wären, denn wie schon gegen Ikast lag die HSG auch gegen sie von Anfang an zurück. Nach Laetitias 7:8-Anschlusstreffer in der 19. Minute zog Dijon dann vorentscheidend mit einem 7:0-Lauf bis auf 7:15 auf und davon; nach etwas Ergebniskosmetik stand es zur Halbzeit 10:16. Während der Pause schien aber irgendwie ein Ruck durch die Mannschaft gegangen zu sein, denn ab der 33. Minute holte die HSG Tor um Tor auf und war in Minute 45 beim 21:22 plötzlich wieder bis auf einen Treffer „dran“. Nach Lisa Freys Doppelschlag zum 23:24 gut drei Minuten später lag der Ausgleich erneut in der Luft – fallen wollte er aber einfach nicht. Stattdessen zog Dijon wieder bis auf drei Tore Vorsprung davon, und näher als bis auf zwei Treffer kam Blomberg danach nicht mehr. In den letzten Spielminuten musste die HSG dann alles riskieren und fing sich noch eine Reihe von Gegentreffern ein; die 27:32-Niederlage fiel deshalb am Ende um ein paar Tore zu hoch aus. Zum Schluss noch ein Insider-Service für alle Dijon-Fahrer: Nina Dury erzielte in diesem Spiel drei Treffer, Lilou Pintat fünf und Mathilde Plotton einen. Na denn: Allez!

Direkt nach Spielende stellten sich die zwei Teams auf beiden Seiten der Mittellinie zur Siegerehrung auf.

Auch für die viertplazierte HSG gab es Medaillen – Laura hat uns hinterher ihre gezeigt und zumindest auf den ersten Blick war eigentlich kein Unterschied zu einer Bronzemedaille für Platz drei zu erkennen …

Auch wenn die Enttäuschung im ersten Moment sicher groß war: Die im Laufe des Wettbewerbs ausgeschiedenen Teams aus Metzingen, Dortmund und Bensheim wären sicher froh gewesen, überhaupt so weit zu kommen, wie es die HSG geschafft hat. Mit etwas Abstand überwiegt ganz eindeutig die Freude über diesen größten Erfolg der Vereinsgeschichte in einer historischen Saison, und das alles trotz der vielen verletzungsbedingten Rückschläge.

Ein handballerischer Leckerbissen (der einzige an diesem Wochenende) wartete aber noch auf uns, nämlich das Finale zwischen dem THC und Ikast. Fast drei Viertel der Spielzeit lagen die Däninnen vorn, aber am Ende gewann der THC nach zwischenzeitlicher Fünf-Tore-Führung mit 34:32 und sicherte sich so den Titel. Mit ausschlaggebend war, dass der dänische Trainer einen unnötigen Torhüterinnen-Wechsel vornahm und dann mit der Rückwechselung viel zu lange wartete. In dieser Zeit drehte der THC, bei dem Dinah Eckerle im Tor in ihrem letzten internationalen Spiel noch einmal ihr ganzes Können zeigte, das Spiel und ging durch Johanna Reicherts 25:24 in der 43. Minute erstmals seit dem 1:0 wieder in Führung. Gleichzeitig schwächte die rote Karte gegen Ikasts Kreisläuferin Maria Lykkegaard vor allem die dänische Abwehr. Neben Dinah Eckerle ragten beim THC wieder einmal Johanna Reichert (diesmal „nur“ 13 Tore) und die quirlige Japanerin Natsuki Aizawa heraus. Beide Teams spielten wie schon am Vortag auf einem deutlich höheren Niveau als Blomberg und Dijon und lieferten sich einen packenden Kampf.

Im Anschluss an die Siegerehrung verabschiedeten wir uns aus dem Raiffeisen-Sportpark, wo das Team und die Fans aus Dijon an der Bar gerade zum Aperitif übergingen. Auch wir bekamen langsam Hunger: Nach zweimal österreichisch-steirischer Küche an Freitag- und Samstagabend ging es in der bewährten Neuner-Besetzung diesmal zu einer kleinen und unscheinbaren, aber top bewerteten „Burgerschmiede“ nur ein paar Schritte von unserem Hotel entfernt.

Auch wenn der Feierabend des Küchenchefs nahte und man uns deshalb etwas zur Eile antrieb, schmeckten uns seine raffinierten Kreationen – Lichtjahre vom Fast Food-Image des Hamburgers entfernt – hervorragend. Da wir am nächsten Morgen schon zeitig zum Bahnhof aufbrechen mussten, wurde es an diesem Abend nicht so spät und wir waren schon gegen 23 Uhr zurück im Hotel.

Am Montagmorgen um sechs Uhr trafen wir uns alle ein letztes Mal in der Lobby zum Frühstück – auch Ute und Helene waren extra für uns früh aufgestanden, obwohl ihre Flieger erst viel später am Vormittag starteten. Der Regen passte irgendwie zur Abschiedsstimmung. Diesmal fuhren wir alle in zwei Taxis zum Bahnhof – laufen wollte bei dem Wetter niemand! Aus unserem ersten Zug nach Salzburg war wegen des trüben Wetters von der schönen Landschaft mit den Wintersportorten Schladming und Bischofshofen nicht viel zu sehen. Außerdem hielten ÖBB und DB auch auf der Rückfahrt wieder einige Herausforderungen für uns bereit: Schon der erste Zug kämpfte zunehmend mit Verspätungen, so dass unsere Umsteigezeit in Salzburg immer kürzer wurde. Am Ende blieben uns nur drei Minuten, um aus dem Zug und von Gleis 6 zu Gleis 3 zu kommen. Das klappte gerade noch – und es ging so weiter: Unsere nächste Verbindung nach München musste wegen eines medizinischen Notfalls an Bord mit Notarzteinsatz die Fahrt längere Zeit in Prien am Chiemsee unterbrechen. Zum Glück konnten wir hier in einen Zug auf dem Nachbargleis umsteigen, der ebenfalls nach München fuhr. Nach einem längeren „Spaziergang“ mit Gepäck im Eiltempo einmal durch den gesamten Münchener Hauptbahnhof erwischten wir unseren ICE nach Hannover noch und hatten damit das Schlimmste überstanden. Auch die vielgescholtene S5 erwies sich auf der Rückfahrt erneut als Vorbild an Zuverlässigkeit und brachte uns pünktlich um 20.09 Uhr zurück zum Bahnhof Schieder.

Damit endete die mit vier Tagen längste Auswärtsfahrt der Fanbase-Geschichte. Lässt man das rein sportliche Ergebnis und den fehlenden Event-Charakter der Veranstaltung mal außen vor, war die Tour mit vielen gemeinsamen Erlebnissen ein absolutes Highlight, an das sich alle Mitfahrer noch sehr lange erinnern werden. Vor dem regnerischen Rückreise-Montag hatten wir drei Tage lang wunderbares Frühlingswetter, und Graz ist eine schöne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und hohem Freizeitwert, in der man wirklich hervorragend essen und trinken kann. Die „Road to Graz“ ist lang – aber wir würden sie jederzeit wieder nehmen!

Text und Fotos: Uwe Jakob

EHF Finals – Das Saison-Highlight in Graz (Teil 1)

Nachdem sich die HSG gegen das spanische Team aus Bera Bera in einer wahren Zitterpartie mit Siebenmeterwerfen tatsächlich für die EHF Finals am 3. und 4. Mai in Graz qualifiziert hatte, war klar, dass sie dort Unterstützung brauchen würde – erst recht, nachdem als Halbfinalgegner der dänische Titelfavorit Ikast Håndbold zugelost worden war. Die beiden „alten Bekannten“ Thüringer HC und JDA Bourgogne Dijon komplettierten das Teilnehmerfeld und trafen im zweiten Halbfinale aufeinander.

Der Weg nach Graz ist weit, so dass wir vier volle Tage mit drei Hotelübernachtungen unterwegs sein würden und – zumindest die Noch-nicht-Rentner – zwei Urlaubstage (Freitag und Montag) opfern müssten. Vor diesem Hintergrund fanden sich unter den Fanbase-Mitgliedern sieben Mitfahrer. Für die An- und Abreise nahmen wir wieder die Bahn und in Graz buchten wir uns ein bezahlbares Hotel am Rand der Altstadt, in fußläufiger Entfernung sowohl zum Bahnhof als auch zur Spielstätte, dem Raiffeisen-Sportpark. Unsere drei großen Trommeln reisten übrigens mit der Mannschaft im „HSG-Express“ nach Graz und zurück, wurden vom Team bis in die Halle gebracht und „übernachteten“ zwischen den beiden Spieltagen in der Mannschaftskabine – dafür ein ganz großes Dankeschön!

Schon vor der Abreise am Freitagmorgen hatte uns die Bahn mit einer Vollsperrung auf der Strecke Altenbeken-Kassel erfreut, so dass wir unseren Abfahrtsort ändern und auf die ungeliebte S5 von Schieder nach Hannover ausweichen mussten. Statt in Kassel-Wilhelmshöhe stiegen wir also schon dort in den ICE Hamburg-Wien um, den wir bereits von unserer Fahrt nach Mosonmagyaróvár kannten. Je später und wärmer es wurde, umso deutlicher spürte man in unserem vorderen Zugteil, dass die Klimaanlage nicht funktionierte. Bei der Zugteilung in Passau (ja, schon wieder in Passau!) kam es, wie es kommen musste: Statt unseres Zugteils sollte nun der andere, hintere Teil nach Wien weiterfahren. Also alle raus aus dem Zug, einmal mitsamt Gepäck den Bahnsteig entlang und ab in den hinteren Zugteil. Das dauerte seine Zeit, und unsere eigentlich großzügigen 29 Minuten Umsteigezeit in Linz waren fast komplett dahin. Nach einigen „Verhandlungen“ wartete unser Anschlusszug nach Graz schließlich aber einige Minuten, bis alle Fahrgäste aus-, um- und wieder eingestiegen waren. Die folgenden gut drei Stunden Bahnfahrt bei schönstem Wetter entschädigten dann aber mit tollen Ausblicken auf die oberösterreichischen Voralpen für die ganzen Strapazen.

Etwa auf halber Strecke zwischen Linz und Graz steht im Bahnhof Selzthal eine alte, als Denkmal erhaltene ÖBB-Dampflokomotive.

Pünktlich auf die Minute erreichten wir schließlich um 19.03 Uhr unser Ziel Graz – Zeit für ein Selfie auf dem Bahnsteig:

Ein Teil unserer Gruppe wollte sich die Beine vertreten und machte sich zu Fuß auf den Weg zu unserem Hotel in der Innenstadt, dem Motel One Graz am Jakominiplatz. Die anderen nahmen ein Taxi.

Im Hotel erwarteten uns Ute Genge und Helene, die Oma von Lisa Frey aus der Schweiz – sie hatten wir schon im Februar in Dijon kennengelernt. Beide waren nach Graz geflogen und wohnten ebenfalls im Motel One. Nach dem Einchecken und Auspacken trafen wir uns alle in der Lobby und gingen gemeinsam zum Abendessen im Brandhof, einem traditionellen österreichischen Restaurant gleich um die Ecke. Die typisch steirischen Gerichte waren große Klasse, nur unsere Vorfreude auf ein kühles Gösser vom Fass wurde enttäuscht: Die Kühlung war ausgerechnet an diesem Abend defekt und es gab deshalb nur Puntigamer aus der Flasche! Anschließend nahmen wir noch einen Absacker im Biergarten des Opernpavillons direkt neben dem Hotel.

Am Samstagmorgen trafen wir uns um halb neun in der Hotel-Lobby zum gemeinsamen Frühstück. Das erste Halbfinale im Raiffeisen-Sportpark sollte erst um 15 Uhr beginnen – wir hatten also vorher noch viel Zeit, um bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen Graz zu erkunden. Einige von uns besuchten einen Markt in der Nähe – wir machten uns zu sechst auf den Weg durch die Fußgängerzone zum Hauptplatz mit dem Rathaus und von dort durch schmale Gassen zur Mur, die in Nord-Süd-Richtung quer durch Graz fließt. Am Westufer liegt das Kunsthaus Graz, von seinen Erbauern „Friendly Alien“ getauft. Das 2003 – als Graz Kulturhauptstadt Europas war – eingeweihte Gebäude fällt durch seine ungewöhnliche Form auf, die wir später vom Schloßberg (der übrigens trotz Rechtschreibreform weiterhin bewusst mit „ß“ geschrieben wird) noch besser erkennen konnten.

Nur wenige Schritte entfernt befindet sich die ebenfalls zum Kulturhauptstadtjahr 2003 eröffnete Murinsel, ein 50 x 20 m großer schwimmender Hohlkörper mit Fußgängerbrücken zu beiden Ufern mit einem Amphitheater und einem verglasten „Dom“ mit Café.

Schon am Morgen war es sehr warm, deshalb machten wir dort eine Pause für ein erfrischendes Kaltgetränk. Hier kamen uns auch die ersten ganz in rot gekleideten Gruppen von THC-Fans entgegen, auf die wir in den nächsten Tagen in der Stadt immer wieder treffen sollten.

Anschließend ging es weiter zur Talstation der Schloßbergbahn, einer Standseilbahn, die schon seit 1894 Besucher auf den Grazer Schloßberg befördert. Vor einigen Jahren waren wir schon mit der ähnlich alten Nerobergbahn in Wiesbaden gefahren – ihr Grazer Gegenstück hat allerdings eine deutlich steilere Steigung von 60 % zu überwinden und besitzt außerdem zwei hochmoderne Wagen mit Glasdach, die sich in der Mitte der Strecke begegnen.

Oben angekommen machten wir erst mal ein Gruppenbild und genossen die tolle Aussicht über die ganze Stadt.

Auch die ungewöhnliche Form des „Friendly Alien“ fällt vom Schloßberg besonders ins Auge.

Das Wahrzeichen von Graz ist der 28 m hohe Uhrturm am Südende des Schloßbergs – lustigerweise sind hier die Stundenzeiger der Zifferblätter länger als die Minutenzeiger!

Zurück hinunter in die Altstadt nahmen wir den in den Fels gehauenen Schloßberglift – bei den Temperaturen wollte sich niemand die 260 Stufen der Schloßbergstiege antun! Graz ist ein Dorf: Immer wieder sahen wir unterwegs bekannte Gesichter – auf dem Schloßberg zunächst Zoes Eltern, kurze Zeit später am Uhrturm THC-Torhüterin Dinah Eckerle. Zurück in der Altstadt kam uns dann Familie Rüffieux entgegen. Wir machten uns auf den Rückweg zum Hotel, radikalisierten uns und brachen anschließend in Richtung Raiffeisen-Sportpark auf – die einen mit dem Taxi, die anderen zu Fuß.

Unterwegs trafen wir wieder alte Bekannte – zum Beispiel den Vater von Kathrin Pichlmeier, die ja bekanntlich inzwischen beim THC spielt. Vor der Halle und im Foyer war schon einiges los: Von allen vier teilnehmenden Teams hatten sich mehr oder weniger große Fangruppen nach Graz aufgemacht, allen voran die „rote Wand“ von THC-Fans, die bei weitem am zahlreichsten waren. Aber auch viele Blomberger Supporter, Angehörige und Freunde von Spielerinnen waren angereist: Es müssen etwa genauso viele Blomberg- wie Ikast-Anhänger in der Halle gewesen sein, während die französischen Fans aus Dijon die kleinste Gruppe stellten.

Einige Worte zur Veranstaltung: Wer Anfang März das deutsche Pokal-Final Four in Stuttgart erlebt und in Graz eine ähnliche oder sogar noch bessere Atmosphäre erwartet hatte, wurde von den EHF Finals enttäuscht. Obwohl die EHF in den Tagen und Wochen zuvor immer wieder behauptet hatte, dass man gerade die „letzten Tickets“ verkaufen würde und Handballfans schnell sein sollten, um Enttäuschungen zu vermeiden, kamen am Ende an beiden Tagen gerade mal etwas über 1.000 Zuschauer in die 2018 eröffnete Arena mit rund 3.000 Plätzen. Das waren bis auf ganz wenige „Neutrale“ fast ausschließlich Fans der vier teilnehmenden Vereine. Graz ist nicht gerade Österreichs „Handball-Hauptstadt“, und in der Stadt wurde auch keinerlei Werbung für das Event gemacht – selbst auf der Tourist-Information wusste man davon nichts! Es gab kein Hallenheft, keine Aktions- oder Verkaufsstände im Foyer (abgesehen von einer großen Bar) und auch in der Halle selbst kein Rahmenprogramm, außer den fast schon rührenden Versuchen, in der Halbzeitpause des jeweils zweiten Spiels des Tages einige Fans Bälle in Eimer oder Mülltonnen werfen zu lassen. Das Ganze kann man am besten mit dem Begriff „lieblos“ umschreiben. Die EHF Finals fanden bereits im dritten Jahr in Folge in Graz statt: In den ersten zwei Jahren waren die Zuschauerzahlen zwar etwas höher, aber mehr als die rund 1.800 Besucher beim Finale im letzten Jahr kamen noch nie. Die EHF sitzt bekanntlich in Wien, aber wenn man mit der Ausrichtung der Veranstaltung schon im Land bleiben möchte, wäre Wien in Sachen Erreichbarkeit und Zuschauerzuspruch sicher die bessere Wahl. Die HSG-Geschäftsstelle hatte für uns Tickets in der vierten Reihe des Blomberger Fanblocks C besorgt – dort konnte man aber aus Platz- und Lärmschutzgründen nicht trommeln. Zum Glück gab es reichlich freie Plätze in der Halle: Da wir Trommler von der frei gebliebenen ersten Reihe im Block C wegen der Bänke und Offiziellen-Tische nichts vom Spielfeld gesehen hätten, zogen wir in Reihe 1 des benachbarten Eckblocks um, der komplett leer (!) war. Hier hatten wir freie Sicht, waren allerdings etwas weiter von den übrigen Blomberger Fans entfernt.

Der HSG-Halbfinalgegner Ikast Håndbold hatte vor zwei Jahren an gleicher Stelle bereits einmal den Titel geholt; die Mannschaft ist gespickt mit dänischen, norwegischen und schwedischen Nationalspielerinnen sowie der Tschechin Marketa Jerabkova, die 2020/21 für eine Saison beim Thüringer HC gespielt hatte und damals Bundesliga-Torschützenkönigin geworden war. Es war klar, dass unsere HSG gegen dieses Allstar-Team über sich hinauswachsen musste, um auch nur annähernd mithalten zu können. Leider war das an diesem Nachmittag nicht der Fall: Schon beim ersten Blomberger Timeout in der 12. Spielminute war beim Stand von 9:3 für Ikast eine Vorentscheidung gefallen; zur Halbzeit hatte die HSG in 30 Minuten magere sechs Treffer erzielt und lag mit zehn Toren zurück. Die letzte Szene in Hälfte eins war sinnbildlich für den Auftritt der HSG an diesem Nachmittag: Ona – eigentlich eine sichere Siebenmeterschützin – vergab einen Strafwurf.

Auch einige THC-Anhänger kamen zu Beginn der zweiten Halbzeit rüber in den Blomberger Block und unterstützten die HSG-Fans – nicht ganz selbstlos, denn gegen Ikast hatte der THC schon vor zwei Jahren sein Halbfinale verloren & auf eine Wiederholung im 2025er Finale hatte man sicher keine große Lust. Alle Mühe war vergebens: Ikast konnte seine Schlüsselspielerinnen in der 2. Spielhälfte schon für das Finale schonen und trotzdem mühelos den Zehn-Tore-Pausenvorsprung bis zum Endergebnis von 28:18 halten – zwischendurch waren es beim 27:14 sogar mal 13 Treffer Differenz gewesen. Immerhin war der HSG-Angriff in Hälfte zwei etwas treffsicherer – was blieb, waren die vielen leichten technischen Fehler. Beste HSG-Schützinnen waren Nieke und Alexia mit jeweils fünf Toren. Die in gelb gekleideten dänischen Fans auf der Tribüne schräg gegenüber hatten schon früh mit den Siegesfeierlichkeiten begonnen und eine Polonaise am Spielfeldrand gestartet – das Ergebnis war am nächsten Tag ein Zaun rund um das Spielfeld …

Im zweiten Halbfinalspiel hatte der THC schon etwas mehr Mühe mit dem französischen Team aus Dijon, das nach den zwei Hauptrundenmatches gegen die HSG und der Verletzung der Dänin Stine Nørklit Lønborg mit der französischen ex-Welt- und Europameisterin Gnonsiane Niombla umgehend Ersatz gesucht und gefunden hatte. Am Ende setzte sich der deutsche Club aber nicht zuletzt dank 16 (!) Toren von Johanna Reichert mit 35:29 klar durch. Damit stand fest, dass die HSG im Spiel um Platz drei am nächsten Tag um 15 Uhr auf JDA Bourgogne Dijon treffen würde – ein Team, gegen das man in dieser EHF-Saison schon zweimal gespielt und gewonnen hatte. Ein gutes Omen?

Fortsetzung folgt …

Text und Fotos: Uwe Jakob

Fanbusfahrt nach Oldenburg

Zum zweiten Playoff-Viertelfinalspiel auswärts beim VfL Oldenburg setzte die Fanbase am 26. April wieder einen Fanbus ein – zum Einsatz kam erneut das „Dreamteam“ aus TBV Lemgo-Bus plus Busfahrer Rüdiger. Mit 37 HSG-Anhängern an Bord ging es zunächst im Windschatten des „HSG-Express“ bis zur Raststätte „Dammer Berge“ an der A1. Während wir noch das Kuchenbuffet plünderten, hängte uns Leen mit dem Mannschaftsbus ab, aber auch wir kamen noch lange vor Öffnung der Hallentore an Oldenburgs „kleiner EWE-Arena“ an. Die war mit 2.316 Zuschauern zum wiederholten Mal ausverkauft.

Auch diesmal begrüßte uns VfL-Hallensprecher Marvin Wittern persönlich hoch oben im Gästefanblock. Mit seinem Tipp zum Spielausgang sollte er – anders als eine Woche zuvor in Blomberg – aber daneben liegen: Ohne Ida, aber wieder mit Judith konnte sich unser Team ab der 9. Minute zunächst etwas absetzen, doch Oldenburg blieb dran und glich beim 10:10 und 11:11 zweimal aus. Nach der 12:14-Führung zum Seitenwechsel hielt die HSG den Gegner zunächst weiter auf Distanz, doch nach einem 4:0-Lauf lag der VfL in Minute 43 plötzlich mit 19:18 vorn – erst die zweite Oldenburger Führung im ganzen Spiel. Zehn Minuten später brachte Maxis Tor zum 22:26 Blomberg wieder vier Tore in Front. Auch wenn die Heimmannschaft danach noch zweimal bis auf zwei Treffer verkürzen konnte, geriet der vierte HSG-Sieg im bereits fünften Saisonspiel gegen den VfL Oldenburg bis zum 26:29-Endstand nicht mehr wirklich in Gefahr.

Nach Spielende machten wir noch ein Gruppenfoto mit Bus auf dem Parkplatz vor der Arena, dann begann die unterhaltsame Rückfahrt. Durch den Sieg steht die HSG nach dem deutschen Pokal und der EHF European League auch im dritten Wettbewerb dieser Saison im Halbfinale – unglaublich! Wer der Gegner ist und ob es zuerst ein Heim- oder ein Auswärtsspiel gibt, entscheidet sich am Samstag 3. Mai beim Spiel BvB – TuSsies.

Textund Fotos: Uwe Jakob