Fanbase-Wochenende in Reykjavik (Teil 2)

Als wir am Sonntag nach dem Frühstück gegen 9 Uhr von unserem Hotel in Richtung Naturkundemuseum „Perlan“ aufbrachen, begann es im Osten gerade langsam zu dämmern – Sonnenaufgang war erst eine Stunde später um 10 Uhr. Der Himmel war größtenteils klar, und das Wetter versprach besser als am Vortag zu werden.

Unser Weg führte direkt an der „N1 höllin“ vorbei, wo am späten Nachmittag um 17 Uhr das Spiel beginnen würde. Die Valur-Sporthalle für 1.800 Zuschauer bildet mit der Tribüne des angrenzenden Fußballstadions eine architektonische Einheit – so ist der VIP-Raum für Handball- und Fußballspiele gleichermaßen nutzbar und hat Fenster zu beiden Seiten.

Der Name „höllin“ hat übrigens nichts mit „Hölle“ zu tun (Beispiel „Hölle Nord“ in Buxtehude), sondern bedeutet auf isländisch tatsächlich einfach nur „Halle“.

Von dort war es nicht mehr weit bis zum interaktiven Naturkundemuseum „Perlan“, das auf einem Hügel liegt und in die sechs Tanks eines ehemaligen Warmwasserspeichers integriert wurde. Wir näherten uns von der Rückseite:

Der Begriff „Museum“ ist für „Perlan“ – eine der Hauptattraktionen Reykjavíks – eigentlich irreführend, „Multimedia-Show zur Wissensvermittlung“ trifft es besser. Zum Beispiel gibt es für alle, die es in den Sommermonaten nicht bis in die Westfjorde schaffen, eine naturgetreue Nachbildung der Vogelklippen von Látrabjarg, des größten Vogelfelsens Europas:

Weitere Highlights sind zwei Multivisions-Filme über Vulkanismus – beim zweiten, der brandneu ist und noch gar nicht beworben wird, taucht man zunächst 2.000 m ins Erdinnere ab und wird dann mit der glühenden Lava buchstäblich wieder „ausgespuckt“ – spektakulär! Anschließend kühlten wir uns in der Gletschereishöhle bei -10 bis -15°C ab (schicke HSG-Mütze, Thomas!):

Von der Dachterrasse überblickt man die ganze Stadt – besonders gefiel uns die Aussicht nach Norden mit den Bergen im Hintergrund (das linke der drei Hochhäuser war übrigens das Mannschaftshotel der HSG).

Zum Abschluss gab es im Planetarium noch die leicht mystisch angehauchte Nordlicht-Show mit tollen Aufnahmen zu sehen.

Fazit: Ein Besuch in „Perlan“ lohnt sich. Noch schnell ein Foto von der Vorderseite mit dem Haupteingang, bevor wir uns auf den Rückweg zu unserem Hotel machten:

Unterwegs kamen wir in einem kleinen Park an einer Kuh aus Holz vorbei, die auch unbedingt aufs Bild wollte:

Wir lagen gut in der Zeit, und weil das Wetter inzwischen richtig sonnig geworden war, drehten wir eine kleine „Extrarunde“ zur Skulptur „Sun Voyager“, am Wasser entlang bis zum Konzerthaus „Harpa“.

Auf dem Rückweg durch die Fußgängerzone „Laugavegur“ holten wir uns leckere Sandwiches in einer Bäckerei, dann radikalisierten wir uns und spazierten anschließend langsam zur „N1 höllin“.

Die Halle war bei unserer Ankunft schon geöffnet, und wir wurden auch hier wieder sehr freundlich begrüßt. Die demontierbaren Sitzreihen auf den ausziehbaren Tribünen waren etwas wackelig, und manche Plätze auf den abgesperrten Hintertor-Tribünen sahen aus, als ob dort der Co- Trainer eines thüringischen Frauenhandball-Erstligisten gesessen hätte, aber uns gefiel vor allem das großzügige Platzangebot im Foyer. Und dank des Hallen-DJs von Valur weiß man jetzt auch in Island, wie die Mutter von Niki Lauda heißt!

Ob hinter den unterschiedlichen Größen der Nationalflaggen ein tieferer Sinn steckte, entzieht sich unserer Kenntnis:

Für deutsche Verhältnisse undenkbar: Die Valur-Spielerinnen mussten für die Kosten ihrer European League-Teilnahme selbst aufkommen. Dazu gab es im Vorfeld verschiedene Aktionen, unter anderem wurden neben „normalen“ auch fünfmal so teure „Unterstützer-Tickets“ verkauft, und zwei Tage vor dem Rückspiel gab es mittags im Sporthallen-Foyer „Europa-Schnitzel“, deren Erlös ebenfalls der Mannschaft zu Gute kam. Für uns HSG-Fans war ein ganzer Block freigehalten und mit Flatterband abgesperrt worden. Mit nur 382 Zuschauern war das Spiel nicht gerade gut besucht – aber unser Block füllte sich, vor allem dank der Familien und Freunde unserer drei Isländerinnen und Familie Leidt aus Blomberg. Am Ende hatten sich dort über 20 HSG-Supporter versammelt, viele sogar schon in den neuen Trikots dieser Saison.

Beide Mannschaften standen bereit, es konnte also losgehen. Élin wurde beim Einlaufen an ihrer alten Wirkungsstätte von den Heimfans mindestens so laut begrüßt wie die aktuellen Valur-Spielerinnen.

Irgendwie schien die HSG zu Spielbeginn noch nicht so ganz auf dem Platz zu sein, denn schnell stand es 3:0 für die Heimmannschaft, und erst in der 8. Minute kam Blomberg durch Diana zum ersten Treffer. Nach 16 Minuten stand es 6:6 Unentschieden, und genau wie im Hinspiel in Blomberg konnte sich die HSG danach mit einem 5:0-Lauf bis zum 6:11 absetzen. Leider endeten damit aber die Gemeinsamkeiten zwischen Hin- und Rückspiel, denn weiter als auf fünf Tore ließ Valur die HSG diesmal nicht davonziehen. Zum Seitenwechsel führten die Gäste aus Blomberg mit 10:14. Bei den Isländerinnen lief wieder viel über die zwei Nationalspielerinnen Lovísa Thompson und Thea Imani Sturludóttir im linken bzw. rechten Rückraum. Auch Valurs Torhüterin Hafdís Renötudóttir zeigte – anders als in Blomberg – diesmal mit insgesamt 17 Paraden, darunter zwei gehaltenen Siebenmetern, ihr ganzes Können. Im Torhüterduell war sie damit klare Siegerin, denn während Nicole in der ersten Halbzeit mit sieben Paraden noch mithalten konnte, bekamen in Hälfte zwei zunächst Melanie und in der Schlussphase Lara nicht mehr oft die Finger an den Ball.

Die Vier-Tore-Pausenführung der HSG hatte in der 38. Minute weiterhin Bestand, doch dann schmolz der Vorsprung wie Gletschereis am Vatnajökull im kurzen isländischen Sommer: Viele leichte Blomberger Ballverluste, Fehlwürfe und technische Fehler führten dazu, dass Valur in der 58. Minute zum 21:21 ausgleichen konnte. Am Ende hätte die HSG das Spiel sogar noch verlieren können, denn weniger als eine Minute vor Abpfiff eroberten die Isländerinnen beim Stand von 22:22 den Ball, vertändelten ihn aber 20 Sekunden vor Spielende wieder vor dem Blomberger Kasten. Im Gegenzug scheiterte die HSG dann noch zweimal an Valurs Torhüterin – es blieb damit beim Unentschieden, das die Heimmannschaft zu Recht wie einen Sieg feierte. Unter dem Strich war der Favorit damit aber locker weitergekommen, und das Spiel sollte man aus Blomberger Sicht einfach schnell abhaken! Nach einem gemeinsamen Foto von Mannschaft und Fans gingen wir langsam zurück Richtung Hotel. Lustig: Zur Feier des Hauptrundeneinzugs wurde an diesem Abend sogar die Hallgrimskirkja in den HSG-Farben blau-weiß-rot angestrahlt – vielleicht sollten es aber auch einfach nur die isländischen Nationalfarben sein …

Auf jeden Fall schmeckte der Hot Dog an der benachbarten Pylsur-Bude gleich doppelt gut!

An diesem Abend war frühes Schlafengehen angesagt, denn am Montag mussten wir schon um 3.45 Uhr auschecken und uns auf den Weg zum Busbahnhof machen, um den ersten Shuttlebus nach Keflavík zu erwischen. Dort trafen wir den größten Teil der HSG-Mannschaft, die denselben Flieger zurück nach Frankfurt nahm wie wir – nur unsere drei Isländerinnen blieben für die WM- Vorbereitung gleich vor Ort. Der Rückflug und die anschließende Rückfahrt nach Blomberg verliefen problemlos. Wir vier hatten eine tolle Zeit in Reykjavík, haben dort in der kurzen Zeit viel gesehen und erlebt und außerdem sehr gut gegessen – so kann die European League-Saison weitergehen!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Fanbase-Wochenende in Reykjavik (Teil 1)

Die European League-Saison 2025/26 begann für die HSG-Fanbase gleich mit einem Rekord: 5.500 km hatten wir bisher noch nie zurückgelegt, nur um uns ein Spiel anzusehen – dagegen verblassten auch unsere Touren nach Vác oder Mosonmagyaróvár! Zu viert (Ute, Monika, Thomas und Uwe) fuhren wir am frühen Freitagmorgen mit dem Auto nach Frankfurt, wo mittags unsere Icelandair-Maschine Richtung Norden startete. Nach der Landung auf dem Flughafen Keflavík ging’s per Shuttlebus knapp 50 km bis zum Busbahnhof in der Innenstadt von Reykjavík und anschließend von dort zu Fuß steil bergauf zu unserem Hotel direkt gegenüber der Hallgrimskirkja, dem Wahrzeichen der Stadt. Schnell stellten wir fest: Hier in Island war das Weihnachtsfieber bereits voll ausgebrochen.

Wir unternahmen noch einen kurzen Spaziergang zur 1990 aus Edelstahl am Meer errichteten Skulptur „Sun Voyager“, bevor wir unseren Anreisetag mit einem leckeren Abendessen in einem unscheinbaren, aber zu Recht hervorragend bewerteten kleinen Restaurant in der Nachbarschaft namens „Þrír Frakkar“ abschlossen.

Für den Samstag hatten wir uns ein Programm zurechtgelegt, um die wenigen Stunden Tageslicht – die Sonne ging um diese Jahreszeit erst gegen zehn Uhr morgens auf und nach weniger als sechseinhalb Stunden schon wieder unter – bestmöglich zu nutzen. Wir starteten einmal über die Straße, wo direkt gegenüber unseres Hotels „Leifur Eiríksson“ ein Standbild des Namensgebers errichtet worden war, der um das Jahr 1000 vermutlich als erster Europäer von Grönland kommend Amerika betreten hatte.

Die Hallgrimskirkja, deren Bau ganze 41 Jahre gedauert hatte, beeindruckte uns mit ihrem minimalistischen Einrichtungsstil und der majestätischen Orgel, einer der größten Europas.

Absolutes Highlight war aber der tolle Rundumblick über die ganze Stadt vom 73 m hohen Turm. Nicht nur unsere weiteren „Programmpunkte“ des Tages, sondern in entgegengesetzter Richtung auch „Perlan“ und die „N1 höllin“, unsere Ziele vom Sonntag, waren von dort aus gut zu sehen.

Jede Viertelstunde wird es dort oben richtig laut, wenn je nach Uhrzeit eine oder mehrere der 32 großen und kleinen Glocken im Glockenstuhl schlagen.

Von der Hallgrimskirkja gingen wir durch eine der Haupteinkaufsstraßen mit vielen kleinen Geschäften zu unserem nächsten Ziel, dem Rathaus. Unterwegs begegnet man auf Schritt und Tritt interessanten Kunstwerken – hier „der unbekannte Bürokrat“:

Das moderne Rathaus wurde 1992 am Stadtteich fertiggestellt. Im Innern war leider das über 75 m² große 3D-Relief Islands gerade wegen einer Veranstaltung abgebaut worden.

Nur eine Ecke weiter kommt man zum unscheinbaren Parlamentsgebäude von 1881 und der kleinen Domkirche direkt daneben.

Anschließend sahen wir uns in der Besiedlungsausstellung die 2001 bei Bauarbeiten zufällig gefundenen Überreste eines Bauernhofs aus dem 10. Jahrhundert an, die man an Ort und Stelle belassen und einfach überbaut hat.

Unterirdisch geht es drei Häuser weiter zum zweiten Teil der Ausstellung, in der man viel über das Leben in Reykjavík vor gut 100 Jahren erfährt. Auch einen Kaufmannsladen aus dem letzten Jahrhundert findet man dort. Interessant dabei, dass schon damals so gut wie alle Waren aus Europa bzw. Amerika importiert werden mussten.

Auch hier in der Innenstadt waren die Weihnachtsvorbereitungen bereits abgeschlossen worden.

Wir gingen weiter zum Hafen, wo unter anderem die letzten zwei Walfangboote Islands beschäftigungslos und mit abgebauten Harpunen am Kai lagen und auf die nächste Fangsaison warteten.

Zu Mittag aßen wir im „Kaffivagninn“, dem nach eigenen Angaben mit 90 Jahren ältesten Restaurant Islands, während es draußen gerade ordentlich regnete. Auch hier gab es wieder leckeren Fisch in allen Variationen. Pünktlich zu unserem Aufbruch ließ auch der Regen wieder nach – perfektes Timing! Als nächstes besuchten wir einen Indoor-Flohmarkt, der nur samstags und sonntags geöffnet hat und wo teilweise sehr skurrile Dinge angeboten wurden – gibt es in Island wirklich einen Markt für Armbinden mit der Aufschrift „Helfer der Volkspolizei“? Neben solchen und anderen typischen Flohmarktwaren findet man dort aber auch kulinarische Spezialitäten wie Walfleisch, Pferdewurst oder fermentierten Hai. Nur einen Steinwurf (oder zwei) entfernt liegt das 2011 eröffnete Opern- und Konzerthaus „Harpa“ mit seiner interessanten Glasfassade, dessen Foyer für alle zugänglich und dazu noch architektonisch sehr interessant ist.

Im Keller des Gebäudes ließen wir uns im 4D-Kino „Volcano Express“ mit phantastischen Aufnahmen des Vulkanausbruchs nahe Reykjavík vom Frühjahr 2021 knapp zehn Minuten lang ordentlich durchschütteln.

Inzwischen war es draußen dunkel geworden – aber auch jetzt gab das hell erleuchtete Konzerthaus wieder ein tolles Fotomotiv ab:

Zum Abendessen hatten wir Plätze in der „Íslenski Barinn“ reserviert, die bei Einheimischen und Besuchern offenbar besonders beliebt ist – und eine unglaublich lange Getränkekarte besitzt! Die Reservierung machte sich bezahlt, denn so konnten wir einfach an der langen Warteschlange im Eingang vorbeigehen. Auch hier musste man als Nicht-Isländer erst mal umschalten: „Last Christmas“ und Bedienungen mit Weihnachtsmützen sind Mitte November hierzulande doch noch etwas ungewohnt. Neben Fisch, Lamm und einheimischem Bier kam auch das inoffizielle Nationalgetränk „Brennivín“, ein auch als „schwarzer Tod“ bekannter Aquavit, auf den Tisch – da konnten uns auch die heftigen isländischen Preise nicht abschrecken! Wie überall auf unserer Fahrt war auch hier das Essen wieder richtig lecker und die Portionen waren ordentlich – was will man mehr … Im Hotel ließen wir anschließend bei einem Absacker den Tag ausklingen.

Fortsetzung folgt …

Text und Fotos: Uwe Jakob

Zwei Punkte aus Zwickau

Eine Woche nach dem Pokal-Achtelfinalsieg in Solingen ging es am 4. Oktober mit dem Bulli der „Lippischen“ in entgegengesetzter Richtung nach Osten zum Ligaspiel beim BSV Sachsen Zwickau. Durch eine kurzfristige krankheitsbedingte Absage waren wir diesmal nur zu fünft und hatten zwei große Trommeln und eine Snare im Gepäck. An unserem ursprünglichen Etappenziel, der Marienglashöhle Friedrichroda südöstlich von Eisenach, mussten wir feststellen, dass die nächsten beiden stündlichen Führungen durch die Tropfsteinhöhle bereits ausgebucht waren. Also fuhren wir weiter nach Weimar und sahen uns dort stattdessen das Schloss Belvedere, die vor fast 300 Jahren im Auftrag von Herzog Ernst August I. erbaute barocke Sommerresidenz der ehemaligen Herzöge von Sachsen-Weimar und Eisenach, mit seinen Gartenanlagen und der Orangerie an.

Auch Anfang Oktober blühten im Schlosspark, den wir bei dem trüben Wetter fast für uns allein hatten, noch viele Blumen.

Zum Schlosspark gehört auch ein „Russischer Garten“, der seinem Vorbild in St. Petersburg nachempfunden wurde.

Zu unserem Glück schafften wir es gerade noch rechtzeitig zurück zum Bulli, bevor ein sintflutartiger Regenschauer einsetzte. Auf der Landstraße kurz vor Zwickau überholten wir den „HSG-Express“; die Zeit vor Spielbeginn reichte noch für Kaffee und Kuchen in einem Baumarkt-Café unweit der Stadthalle, die seit dieser Saison „Sparkassen-Arena“ heißt. In der Halle angekommen, bezogen wir unsere Plätze im Oberrang und testeten das in Zwickau gewohnt vielseitige Angebot an Speisen und Getränken:

Zu diesem Foto gehört unbedingt der Satz „Bei der Fanbase wird ja nur ge…!“

Nur dank uns wurde die prestigeträchtige Marke von 1.300 Zuschauern geknackt, denn exakt 1.304 Besucher wollten das Spiel sehen. Darunter war auch eine Reihe weiterer HSG-Anhänger. Schon nach wenigen Minuten war klar: Zwickaus Neuzugang Silje Brøns Petersen hat seit ihrer Blomberger Zeit nichts verlernt und war gegen ihren ehemaligen Verein offenbar besonders motiviert. Mit ihren unverwechselbaren Schlagwürfen erzielte sie vier der fünf ersten Zwickauer Tore. Bis zum 12:12 nach gut 20 Minuten war es ein Spiel auf Augenhöhe, aber danach konnte sich die HSG bis zum Pausenstand von 15:19 langsam etwas absetzen. Zu Beginn von Hälfte zwei vergrößerte die HSG den Vorsprung weiter, unter anderem durch einen Doppelschlag von Nuria, die schon kurz vor der Pause den wichtigen Treffer zum 15:18 erzielt hatte. Zwickaus Abschlüsse waren nun nicht mehr so präzise, doch erst nach dem 17:24 in der 42. Minute packte deren Trainer Norman Rentsch das eigentlich schon von Anfang an oder zumindest viel früher erwartete Spiel 7-gegen-6 aus: Es blieb ohne große Wirkung – außer dass Melanie dadurch mit einem Wurf über das ganze Spielfeld ins leere Zwickauer Tor beim 22:29 zu ihrem ersten Saisontreffer kam! Auch Nieke, die in der Schlussviertelstunde von Zwickaus Japanerin Kaho Nakayama aus dem Spiel genommen wurde, glänzte ebenso wie Andrea mit sechs Toren. Darunter war nach längerer Zeit auch wieder einer ihrer „Dreher“, die besonders in der letzten Saison zu ihrem Markenzeichen geworden waren. Am Ende gewann die HSG dank der insgesamt höheren Effektivität im Abschluss verdient mit 29:35 gegen einen vor allem in der 1. Halbzeit stark spielenden Gegner.

Nach drei Heimsiegen hatte die HSG damit auch die ersten Auswärtspunkte der Saison 2025/26 geholt und blieb an der Tabellenspitze der Alsco HBF. In der Liga nicht mehr der Jäger, sondern plötzlich der Gejagte zu sein, fühlt sich irgendwie noch ungewohnt an – aber wir würden uns gern daran gewöhnen! Trotz Sturm und Regen hatten wir eine angenehme Rückfahrt nach Blomberg uns sagen danke an unsere Fahrer Katrin und Axel!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Supercup-Wochenende in München

Als wir uns kurzfristig nur zu fünft am Freitagnachmittag zum ersten HSG-Auftritt beim Supercup im Münchener „SAP Garden“ auf den Weg zum Bahnhof Altenbeken machten, waren unsere zwei Trommeln im „HSG-Express“ schon fast am Ziel angekommen. Unser ICE nach Nürnberg erreichte Kassel-Wilhelmshöhe bereits mit großer Verspätung – am Ende kamen wir über anderthalb Stunden später als geplant in München an. Auf der Rückfahrt sollte es noch schlimmer kommen … Vom Hauptbahnhof nahmen wir die U-Bahn , die letzten Meter bis zu unserem Hotel legten wir dann zu Fuß zurück. Beim Einchecken trafen wir dort gleich mal Familie Lippert, wenig später dann auch noch den Hallensprecher des VfL Oldenburg – München ist ein Dorf!

Am nächsten Morgen standen nach ausgiebigem Hotelfrühstück die „BMW-Welt“, das benachbarte BMW-Museum und der Olympiapark auf unserem Programm. Die „BMW-Welt“ dient vor allem als Showroom für die aktuellen Modelle der Unternehmensgruppe, zeigt aber auch einige Design-Studien der Fahrzeuge von morgen.

Von dort überquert man auf einer Fußgängerbrücke eine Hauptverkehrsstraße und kommt zum BMW-Museum.

„BMW-Welt“ und BMW-Museum sind in zwei architektonisch hochinteressanten, dabei völlig verschiedenen Gebäuden untergebracht. Direkt hinter dem Museum steht die bekannte 101 m hohe BMW-Hauptverwaltung („BMW-Vierzylinder“).

Das Museum bietet einen umfassenden historischen Überblick über die verschiedenen BMW- Autos und -Motorräder von damals bis heute, aber auch über die früher ebenfalls gebauten Flugzeug- und Bootsmotoren. Der Motorsport kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Anschließend zogen wir weiter in den Olympiapark. Dessen Herzstück ist das zu den Olympischen Sommerspielen 1972 erbaute Olympiastadion, bis 2005 die Heimspielstätte des FC Bayern München. Vom etwas südlich gelegenen Olympiaberg – mit gerade mal 60 m Höhe eher ein Hügel – kann man nicht nur ins Stadion, sondern über den gesamten Olympiapark und die ganze Stadt schauen. Auch den „SAP Garden“ kann man von dort gut sehen.

Genau dorthin machten wir uns nach einer kurzen Mittagspause auf. Vor Ort sahen wir weitere bekannte Gesichter, unter anderem Ungarn-„Legionärin“ Tizi, „Handball-Rentnerin“ Lisa und ihren Fabian sowie Stefanie Klaunig, inzwischen Marketing-Leiterin beim THW Kiel. Die erst im September 2024 fertiggestellte Eishockey- und Basketballarena war beim ersten Handball-Event mit 10.298 Zuschauern ausverkauft.

Für die zwei Trommeln mussten wir vorab mit Fotos und Beschreibung „Trommel-Pässe“ beantragen – die holten wir uns nun am Presse-Eingang des „SAP Garden“ ab. und zur persönlichen Abholung am Spieltag durch den jeweiligen Bediener hinterlegt worden. Die angedrohte hochnotpeinliche Untersuchung („eventuell muss die Trommel geöffnet werden“) blieb den Instrumenten aber erspart, denn sie kamen ganz unbürokratisch – und ganz ohne Trommel- Pässe! – direkt vom „HSG-Express“ aus den Katakomben der Halle in den Arena-Innenraum.

Unsere zwei Trommlerplätze waren Rollstuhl-Plätze in der letzten Reihe des Unterrangs, während der eigentliche HSG-Fanblock direkt über uns im Oberrang lag – aber auch die Reihen vor uns waren fest in Blomberger Hand. Die HSG startete fulminant und führte nach 20 Minuten mit unglaublichen 13:4 – ab da brachte der THC im Angriff konsequent die siebte Feldspielerin und holte bis zur Pause auf 14:10 auf. In der 39. Minute war der Blomberger Neun-Tore-Vorsprung dann komplett weg, und sechs Minuten später ging der THC beim 20:21 erstmals in Führung. Danach konnte die HSG zwar noch zweimal ausgleichen, aber in der Crunchtime zog der THC bis auf drei Tore davon und gewann das Spiel schließlich mit 30:31.

Nach Spielende wusste man nicht so recht, worüber man sich mehr wundern sollte: Über den fulminanten HSG-Start oder darüber, dass man dieses Spiel anschließend tatsächlich noch aus der Hand gegeben und verloren hatte. Die anschließende Siegerehrung verlief seltsam: Die HSG- Spielerinnen standen die ganze Zeit im Dunkeln am Spielfeldrand, während der THC den Pokal überreicht bekam und feierte – nur um ganz zum Schluss der siegreichen Mannschaft gratulieren zu dürfen. Das folgende HBL-Supercupspiel der Männer entschieden die Füchse Berlin im Siebenmeterwerfen für sich. Am Sonntagmorgen war nach dem Check-Out noch etwas Zeit für „München-Innenstadt im Schnelldurchgang“: Stachus, ein kurzer Blick in die Frauenkirche, einmal über den Marienplatz bis zum Hofbräuhaus und wieder zurück zum Hauptbahnhof.

Unser ICE für die Rückfahrt fuhr von München bis Kassel-Wilhelmshöhe durch – aber die DB zog wieder alle Register, um uns von weiteren Bahnfahrten abzubringen, und riegelte an diesem Tag unser Ziel Altenbeken bahntechnisch komplett von der Außenwelt ab. Die Bahn wollte uns daraufhin von Kassel über Göttingen und Höxter mit Schienenersatzverkehr ab Höxter-Ottbergen bis nach Altenbeken schicken – aber noch bevor diese „Odyssee“ losging, war sie durch die Verspätung des ICEs nach Göttingen auch schon wieder hinfällig geworden. Am Ende blieb uns nur ein Großraumtaxi und die Hoffnung auf die Erstattung der DB.

Bei aller Enttäuschung über die verpasste Riesenchance, mit nur einem Sieg den ersten „richtigen“ Titel der Vereinsgeschichte einzufahren, bleibt festzustellen: Der Einsatz des Teams hat gestimmt und nach den deutlichen Pokal- und Meisterschafts-Niederlagen gegen die HB Ludwigsburg letzte Saison werden die Karten jetzt neu gemischt. Nelken-Cup und Supercup haben gezeigt, dass die HSG mit den aktuellen Top-Vereinen auf Augenhöhe mithalten kann.

Text und Fotos: Uwe Jakob

EHF Finals – Das Saison-Highlight in Graz (Teil 2)

Entweder zu Fuß oder mit dem Taxi ging es am Samstagabend nach Ende des zweiten Halbfinals zurück in unser Hotel. Zum Essen hatten wir uns einen Tisch für neun Personen im Gösser- Brauhaus reserviert, das ebenfalls nicht sehr weit vom Motel One entfernt war. Dort feierte man gerade das 20-jährige Jubiläum, mit Preisen wie vor 20 Jahren für ausgewählte Speisen und Getränke – da lachte das Herz des Lippers!

Nach dem Essen gönnten wir uns noch eine oder zwei Runden Steirischer Maschanzker (Apfelbrand) – lecker! Neben einer größeren Fangruppe aus Dijon war übrigens auch der HSG- Staff an diesem Abend im Lokal, saß allerdings in einem anderen Bereich. Auf dem Rückweg kamen viele von uns einfach nicht an der rappelvollen Bar „UI“ vor unserem Hotel vorbei, so dass wir auch hier noch mal die Lage peilen und nach dem Rechten sehen mussten. Zwei HSG-Fans sollen danach auch noch in der „Mausefalle“ gesichtet worden sein („links Schlager, rechts Techno“) – gesicherte Erkenntnisse hierzu gibt es allerdings nicht.

Am Sonntagmorgen liefen die meisten von uns – mehr oder weniger ausgeschlafen – beim Frühstück auf – nur einer fehlte, allerdings entschuldigt. Zu fünft machten wir uns anschließend bei wiederum schönstem Wetter noch mal auf in die Innenstadt, nahmen diesmal aber einen anderen Weg als am Vortag. Immer wieder kamen wir dabei an tollen alten Häuserfassaden vorbei.

Es stimmt übrigens nicht so ganz, dass nirgends in der Stadt für das Event im Raiffeisen- Sportpark „geworben“ wurde: Ein findiger Grazer Geschäftsinhaber, dem am Vortag wohl die überall durch die Stadt ziehenden THC-Fans aufgefallen waren, hatte daraufhin sein Lokal am Schloßbergplatz kurzerhand in „Handballbar“ umbenannt.

Nachdem wir uns dort gestärkt hatten, fuhren wir mit dem Schloßberglift nach oben und sahen uns noch einige Ecken auf dem Berg an, die uns am Vortag entgangen waren, darunter das imposante Graz Museum Schloßberg.

Anschließend ging es mit dem Lift wieder nach unten, aber zunächst nur bis zur Zwischenstation „The Flight Graz“: Mitten im Schloßberg wurde 2022 ein kleiner Kinosaal mit 18 Plätzen in den Fels gehauen, wo seitdem viermal pro Stunde ein zehnminütiger 4D-Film einen Rundflug quer durch bzw. über Graz aus der Perspektive einer Fliege zeigt. Bewegliche Sessel und Effekte wie Wind, Regen und Seifenblasen sorgen zusammen mit dramatischer Musik für ein tolles Rundum- Erlebnis – wir waren jedenfalls begeistert! Zurück auf dem Schloßbergplatz wurde es langsam Zeit für den Rückweg zum Hotel.

Auch an diesem Tag starteten die zwei Spiele – zuerst das Spiel um Platz drei, dann das Finale – wieder um 15 bzw. 18 Uhr. Die Tribünen waren nicht besser gefüllt als am Samstag. Dieser Blick in den Blomberger Fanblock mit den weiß gekleideten Dijon-Fans im Hintergrund zeigt, dass die Halle gerade auf unserer Seite doch sehr leer war – und die Tribünen hinter beiden Toren waren an beiden Tagen komplett unbesetzt!

Welches der zwei Teams würde nach den Niederlagen vom Vortag den Schalter umlegen und sich für das Spiel um Platz drei noch einmal motivieren können? Zunächst sah alles danach aus, als ob dies die Französinnen wären, denn wie schon gegen Ikast lag die HSG auch gegen sie von Anfang an zurück. Nach Laetitias 7:8-Anschlusstreffer in der 19. Minute zog Dijon dann vorentscheidend mit einem 7:0-Lauf bis auf 7:15 auf und davon; nach etwas Ergebniskosmetik stand es zur Halbzeit 10:16. Während der Pause schien aber irgendwie ein Ruck durch die Mannschaft gegangen zu sein, denn ab der 33. Minute holte die HSG Tor um Tor auf und war in Minute 45 beim 21:22 plötzlich wieder bis auf einen Treffer „dran“. Nach Lisa Freys Doppelschlag zum 23:24 gut drei Minuten später lag der Ausgleich erneut in der Luft – fallen wollte er aber einfach nicht. Stattdessen zog Dijon wieder bis auf drei Tore Vorsprung davon, und näher als bis auf zwei Treffer kam Blomberg danach nicht mehr. In den letzten Spielminuten musste die HSG dann alles riskieren und fing sich noch eine Reihe von Gegentreffern ein; die 27:32-Niederlage fiel deshalb am Ende um ein paar Tore zu hoch aus. Zum Schluss noch ein Insider-Service für alle Dijon-Fahrer: Nina Dury erzielte in diesem Spiel drei Treffer, Lilou Pintat fünf und Mathilde Plotton einen. Na denn: Allez!

Direkt nach Spielende stellten sich die zwei Teams auf beiden Seiten der Mittellinie zur Siegerehrung auf.

Auch für die viertplazierte HSG gab es Medaillen – Laura hat uns hinterher ihre gezeigt und zumindest auf den ersten Blick war eigentlich kein Unterschied zu einer Bronzemedaille für Platz drei zu erkennen …

Auch wenn die Enttäuschung im ersten Moment sicher groß war: Die im Laufe des Wettbewerbs ausgeschiedenen Teams aus Metzingen, Dortmund und Bensheim wären sicher froh gewesen, überhaupt so weit zu kommen, wie es die HSG geschafft hat. Mit etwas Abstand überwiegt ganz eindeutig die Freude über diesen größten Erfolg der Vereinsgeschichte in einer historischen Saison, und das alles trotz der vielen verletzungsbedingten Rückschläge.

Ein handballerischer Leckerbissen (der einzige an diesem Wochenende) wartete aber noch auf uns, nämlich das Finale zwischen dem THC und Ikast. Fast drei Viertel der Spielzeit lagen die Däninnen vorn, aber am Ende gewann der THC nach zwischenzeitlicher Fünf-Tore-Führung mit 34:32 und sicherte sich so den Titel. Mit ausschlaggebend war, dass der dänische Trainer einen unnötigen Torhüterinnen-Wechsel vornahm und dann mit der Rückwechselung viel zu lange wartete. In dieser Zeit drehte der THC, bei dem Dinah Eckerle im Tor in ihrem letzten internationalen Spiel noch einmal ihr ganzes Können zeigte, das Spiel und ging durch Johanna Reicherts 25:24 in der 43. Minute erstmals seit dem 1:0 wieder in Führung. Gleichzeitig schwächte die rote Karte gegen Ikasts Kreisläuferin Maria Lykkegaard vor allem die dänische Abwehr. Neben Dinah Eckerle ragten beim THC wieder einmal Johanna Reichert (diesmal „nur“ 13 Tore) und die quirlige Japanerin Natsuki Aizawa heraus. Beide Teams spielten wie schon am Vortag auf einem deutlich höheren Niveau als Blomberg und Dijon und lieferten sich einen packenden Kampf.

Im Anschluss an die Siegerehrung verabschiedeten wir uns aus dem Raiffeisen-Sportpark, wo das Team und die Fans aus Dijon an der Bar gerade zum Aperitif übergingen. Auch wir bekamen langsam Hunger: Nach zweimal österreichisch-steirischer Küche an Freitag- und Samstagabend ging es in der bewährten Neuner-Besetzung diesmal zu einer kleinen und unscheinbaren, aber top bewerteten „Burgerschmiede“ nur ein paar Schritte von unserem Hotel entfernt.

Auch wenn der Feierabend des Küchenchefs nahte und man uns deshalb etwas zur Eile antrieb, schmeckten uns seine raffinierten Kreationen – Lichtjahre vom Fast Food-Image des Hamburgers entfernt – hervorragend. Da wir am nächsten Morgen schon zeitig zum Bahnhof aufbrechen mussten, wurde es an diesem Abend nicht so spät und wir waren schon gegen 23 Uhr zurück im Hotel.

Am Montagmorgen um sechs Uhr trafen wir uns alle ein letztes Mal in der Lobby zum Frühstück – auch Ute und Helene waren extra für uns früh aufgestanden, obwohl ihre Flieger erst viel später am Vormittag starteten. Der Regen passte irgendwie zur Abschiedsstimmung. Diesmal fuhren wir alle in zwei Taxis zum Bahnhof – laufen wollte bei dem Wetter niemand! Aus unserem ersten Zug nach Salzburg war wegen des trüben Wetters von der schönen Landschaft mit den Wintersportorten Schladming und Bischofshofen nicht viel zu sehen. Außerdem hielten ÖBB und DB auch auf der Rückfahrt wieder einige Herausforderungen für uns bereit: Schon der erste Zug kämpfte zunehmend mit Verspätungen, so dass unsere Umsteigezeit in Salzburg immer kürzer wurde. Am Ende blieben uns nur drei Minuten, um aus dem Zug und von Gleis 6 zu Gleis 3 zu kommen. Das klappte gerade noch – und es ging so weiter: Unsere nächste Verbindung nach München musste wegen eines medizinischen Notfalls an Bord mit Notarzteinsatz die Fahrt längere Zeit in Prien am Chiemsee unterbrechen. Zum Glück konnten wir hier in einen Zug auf dem Nachbargleis umsteigen, der ebenfalls nach München fuhr. Nach einem längeren „Spaziergang“ mit Gepäck im Eiltempo einmal durch den gesamten Münchener Hauptbahnhof erwischten wir unseren ICE nach Hannover noch und hatten damit das Schlimmste überstanden. Auch die vielgescholtene S5 erwies sich auf der Rückfahrt erneut als Vorbild an Zuverlässigkeit und brachte uns pünktlich um 20.09 Uhr zurück zum Bahnhof Schieder.

Damit endete die mit vier Tagen längste Auswärtsfahrt der Fanbase-Geschichte. Lässt man das rein sportliche Ergebnis und den fehlenden Event-Charakter der Veranstaltung mal außen vor, war die Tour mit vielen gemeinsamen Erlebnissen ein absolutes Highlight, an das sich alle Mitfahrer noch sehr lange erinnern werden. Vor dem regnerischen Rückreise-Montag hatten wir drei Tage lang wunderbares Frühlingswetter, und Graz ist eine schöne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und hohem Freizeitwert, in der man wirklich hervorragend essen und trinken kann. Die „Road to Graz“ ist lang – aber wir würden sie jederzeit wieder nehmen!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Fanbusfahrt nach Oldenburg

Zum zweiten Playoff-Viertelfinalspiel auswärts beim VfL Oldenburg setzte die Fanbase am 26. April wieder einen Fanbus ein – zum Einsatz kam erneut das „Dreamteam“ aus TBV Lemgo-Bus plus Busfahrer Rüdiger. Mit 37 HSG-Anhängern an Bord ging es zunächst im Windschatten des „HSG-Express“ bis zur Raststätte „Dammer Berge“ an der A1. Während wir noch das Kuchenbuffet plünderten, hängte uns Leen mit dem Mannschaftsbus ab, aber auch wir kamen noch lange vor Öffnung der Hallentore an Oldenburgs „kleiner EWE-Arena“ an. Die war mit 2.316 Zuschauern zum wiederholten Mal ausverkauft.

Auch diesmal begrüßte uns VfL-Hallensprecher Marvin Wittern persönlich hoch oben im Gästefanblock. Mit seinem Tipp zum Spielausgang sollte er – anders als eine Woche zuvor in Blomberg – aber daneben liegen: Ohne Ida, aber wieder mit Judith konnte sich unser Team ab der 9. Minute zunächst etwas absetzen, doch Oldenburg blieb dran und glich beim 10:10 und 11:11 zweimal aus. Nach der 12:14-Führung zum Seitenwechsel hielt die HSG den Gegner zunächst weiter auf Distanz, doch nach einem 4:0-Lauf lag der VfL in Minute 43 plötzlich mit 19:18 vorn – erst die zweite Oldenburger Führung im ganzen Spiel. Zehn Minuten später brachte Maxis Tor zum 22:26 Blomberg wieder vier Tore in Front. Auch wenn die Heimmannschaft danach noch zweimal bis auf zwei Treffer verkürzen konnte, geriet der vierte HSG-Sieg im bereits fünften Saisonspiel gegen den VfL Oldenburg bis zum 26:29-Endstand nicht mehr wirklich in Gefahr.

Nach Spielende machten wir noch ein Gruppenfoto mit Bus auf dem Parkplatz vor der Arena, dann begann die unterhaltsame Rückfahrt. Durch den Sieg steht die HSG nach dem deutschen Pokal und der EHF European League auch im dritten Wettbewerb dieser Saison im Halbfinale – unglaublich! Wer der Gegner ist und ob es zuerst ein Heim- oder ein Auswärtsspiel gibt, entscheidet sich am Samstag 3. Mai beim Spiel BvB – TuSsies.

Textund Fotos: Uwe Jakob

Punktlandung in Göppingen

Der letzte Besuch der Fanbase in Göppingen war schon ziemlich lange her – etwas über fünf Jahre, um genau zu sein. Dann kam Corona, so dass in der Saison 2020/21 keine Auswärtsfahrten möglich waren, und am Saisonende waren die Frisch Auf-Frauen in die 2. Liga abgestiegen. Doch seit dieser Saison sind sie wieder zurück im Frauenhandball-Oberhaus, und damit konnten wir nach fünf Jahren auch endlich den „für das nächste Auswärtsspiel in Göppingen“ geplanten Besuch im „Märklineum“ in die Tat umsetzen!

Der Weg nach Süden ist weit, deshalb war die Fahrt von Anfang an als Wochenendtrip mit einer Übernachtung angesetzt. Am Samstagmorgen um acht Uhr ging es zu sechst im Bulli der „Lippischen“ los. Nach der traditionellen Frühstückspause mit mitgebrachten Brötchen in einer Raststätte an der A7 führte der letzte Teil der Strecke auf malerischen Landstraßen über die Schwäbische Alb nach Göppingen. Wir steuerten direkt das „Märklineum“ an, wo am Firmenstammsitz die lange und wechselvolle Geschichte des bekannten Göppinger Spielwaren- und Modelleisenbahnherstellers Märklin erzählt wird. Die 1859 gegründete Firma startete mit dem Bau von Puppenküchen; 1891 wurde dann die erste Modelleisenbahn ins Programm aufgenommen. Schon auf dem Parkplatz empfängt eine Original-Dampflokomotive der Baureihe 44 in einer überdimensionalen Märklin-Verkaufsverpackung die Besucher.

In den nächsten zwei Stunden gab es für uns viel zu entdecken: Vor allem natürlich Hunderte von Modellbahn-Lokomotiven und Waggons in verschiedenen Spurweiten – von ganz groß bis ganz klein, denn heute gehören auch die Marken LGB und Trix zur Märklin-Familie.

Daneben erfuhr man auch viel über die Firmengeschichte – wer erinnert sich heute z.B. noch, dass Märklin früher auch funktionierende Modell-Dampfmaschinen aus Blech hergestellt hat? Ist noch gar nicht soooo lange her …

Da wir am Wochenende vor Ort waren, konnten wir leider keinen Blick in die Lokomotiv- Endmontage werfen – das Märklin-Werk schließt direkt an das „Märklineum“ an. Dafür verbrachten wir viel Zeit beim Clou des Museums, der großen Modellbahnanlage im Keller: In einer kleineren Version des Miniatur-Wunderlands in der Hamburger Speicherstadt befinden sich auf 160 m² Fläche im H0-Maßstab 1:87 neben 840 m Modellbahngleisen auch eine Reihe von gut versteckten „Miniatur-Promis“, von der lila Milka-Kuh bis zu Obelix samt Hinkelstein und von Gandalf bis zu Mr. Bean mit seinem legendären, vom Sessel auf dem Dach „ferngesteuerten“ Mini. Um sie alle zu finden, muss man allerdings ganz genau hinsehen!

Die Anlage besitzt auch eine wechselnde Tag- und Nachtbeleuchtung mit passend dazu auf die Rückwand projiziertem Hintergrund und Sound – die perfekte Illusion!

Fazit: Ein Besuch im Göppinger „Märklineum“ lohnt sich auf jeden Fall! Zum Abschluss gönnten wir uns noch ein leckeres Stück Kuchen im Museums-Bistro und fuhren anschließend weiter zu unserem Hotel in der Göppinger Innenstadt.

Bereits in der Eingangstür hing ein Plakat der Frisch Auf-Frauen, auf dem die Begegnung gegen die HSG als „XXL-Spiel“ angekündigt wurde – besonders auf die versprochene „exklusive Enthüllung“ waren wir alle schon sehr gespannt!

Nach dem Bezug unserer Hotelzimmer ging es deshalb gleich weiter zur EWS-Arena, die mit ihren 5.600 Zuschauerplätzen von den Frisch Auf-Männer- und -Frauenteams gemeinsam genutzt wird. In der riesigen Halle sah man sofort den Unterschied: Wo sich vor gut fünf Jahren gerade mal 500 Zuschauer verlaufen hatten, wollten sich diesmal 3.352 Besucher das letzte Meisterschafts- Hauptrundenspiel ihres Teams nicht entgehen lassen. Dieser enorme Zuschauer-Zuwachs innerhalb weniger Jahre hat seinen Grund in einer komplett veränderten Philosophie der Göppingerinnen: Statt sich wie früher vor allem auf „Legionärinnen“ aus Osteuropa zu verlassen, setzen der Verein und Trainer Nico Kiener seit einiger Zeit fast ausschließlich auf Spielerinnen aus der Region. Das sorgt – zusammen mit der Aufstiegs-Euphorie der Vorsaison und einem attraktivenTempohandball – für eine ganz andere Identifikation des Publikums mit dem Team und damit für eine „volle Hütte“: Die Frisch Auf-Frauen liegen in dieser Saison mit durchschnittlich 2.321 Zuschauern pro Heimspiel an der Spitze der HBF-Besucherstatistik, in der die HSG mit 771 Gästen übrigens nur den zehnten und damit drittletzten Platz belegt. Unser Team war also gewarnt – leicht würde es in diesem Hexenkessel nicht werden, zumal die Gastgeberinnen den achten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an den Playoffs berechtigt, noch nicht ganz sicher hatten.

Doch der HBF-Spielplan und eine Buspanne des „HSG-Express“ auf dem Weg nach Göppingen, weswegen das Spiel eine Dreiviertelstunde später angepfiffen werden musste, kamen unserem Team ungewollt zur Hilfe: Das letzte THC-Spiel in Zwickau war auf Mittwoch vorverlegt worden, so dass die HSG schon im Vorfeld wusste, dass sie zum Erreichen von Platz drei mit mindestens vier Toren Differenz gewinnen musste – dann wäre man in Punktestand und Tordifferenz mit dem THC gleichauf, hatte aber den direkten Vergleich in Summe von Hin- und Rückspiel gewonnen und hätte somit die Nase vorn. „Dank“ der Panne auf dem Weg nach Göttingen und des verspäteten Anpfiffs stand das Endergebnis der Partie Ludwigsburg-Neckarsulm schon zur Halbzeit in Göppingen fest – demnach konnte Frisch Auf auch mit einer Niederlage gegen die HSG nicht mehr vom achten Tabellenplatz verdrängt werden.

Anders als beim Hinspiel in Blomberg Anfang Januar war diesmal auch Göppingens Kreisläuferin Luisa Schulze mit dabei, während auf Blomberger Seite Nieke angeschlagen war und nicht mitwirken konnte. Dafür stand Diana erstmals seit ihrem Mittelfußbruch in Ungarn im Januar wieder im Kader, wurde aber nicht eingesetzt. Das Göppinger 4:3 in der 6. Spielminute sollte für ganze neun Sekunden der einzige Rückstand der HSG während des gesamten Spiels bleiben, bevor Lisa Rajes im Gegenzug wieder ausglich. Göppingen blieb im weiteren Verlauf der 1. Spielhälfte aber an der HSG dran – dass Blomberg überhaupt beim Stand von 15:17 mit einem Zwei-Tore-Vorsprung in die Pause gehen konnte, lag vor allem an Ida, die den Part von Nieke als Goalgetterin nahtlos übernahm und in Hälfte eins bereits sieben (!) Blomberger Treffer erzielt hatte. In der Halbzeitpause stellte sich dann Göppingens vorab angekündigte „exklusive Enthüllung“ als Präsentation des neuen Vereinslogos der Frisch Auf-Frauen ab der nächsten Saison heraus – wer also die Verpflichtung einer ehemaligen Welthandballerin oder etwas ähnlich Spektakuläres erwartet hatte, wurde bitter enttäuscht …

In Hälfte zwei gelang es der HSG bei Lauras 15:19 erstmals, den für den 3. Platz nötigen Vier- Tore-Vorsprung herauszuspielen, aber Frisch Auf ließ sich weiterhin nicht abschütteln. Auf beiden Seiten häuften sich Mitte der 2. Halbzeit die Fehlwürfe, doch nach Lisa Freys 18:22 in der 46. Minute lag die HSG immerhin durchgehend vier Tore vorn – bis ausgerechnet Ann Kynast in der letzten Spielminute das Göppinger 25:28 erzielte. Doch zum Glück stellte Andrea umgehend zehn Sekunden später den alten Abstand wieder her. Ihr Tor zum 25:29 bedeutete gleichzeitig den Endstand, denn Göppingens letzter Wurf von Luisa Schulze landete im Blomberger Block. Die HSG konnte sich wieder einmal in erster Linie bei der überragenden Ida bedanken, die insgesamt 10 Tore zum Sieg beisteuerte. Ona verwandelte alle vier Blomberger Siebenmeter souverän, während die Gastgeberinnen Pech mit insgesamt fünf Latten- und Pfostentreffern hatten. Wir gratulierten unserem Team, machten ein gemeinsames Foto und verabschiedeten uns aus der EWS-Arena. Handball gucken macht hungrig – und da wir das wussten, hatten wir uns vorab einen Tisch im Brauhaus nahe des Göppinger Bahnhofs reserviert. Bei leckerem schwäbisch- bayrischen Essen und vor Ort gebrautem Bier feierten wir die HSG-„Punktlandung“ auf dem dritten Platz der Hauptrunden-Abschlusstabelle.

Am nächsten Morgen gab es zur Abwechslung erst mal wieder ordentlich was zu essen – das Frühstück im Hotel ließ wirklich keine Wünsche offen. Wie schon vor gut fünf Jahren machten wir erneut auf der Rückfahrt Station in Rothenburg ob der Tauber – die mittelalterliche Altstadt gehört zu Deutschlands Top-Sehenswürdigkeiten und ist immer einen Besuch wert.

Jeder Besuch in Rothenburg beginnt mit einem Spaziergang auf der Stadtmauer. Nachdem wir beim letzten Mal die überaus engen und steilen Treppen und Leitern des Rathausturms bestiegen hatten, machten sich zwei von uns jetzt an den (vergleichsweise harmlosen) Aufstieg über 138 Stufen zur Turmstube des zweiten begehbaren Turms der Stadt, des 1390 erbauten Röderturms in der Stadtmauer. Der Panoramablick von da oben über die Altstadt ist sehenswert!

Unser eigentliches Ziel war diesmal das „Mittelalterliche Kriminalmuseum“, in dem unter anderem mit Folter- und Henkerswerkzeugen oder Schandmasken die Entwicklung der Rechtsprechung im Mittelalter aufgezeigt wird. Europas bedeutendstes Rechtskundemuseum ist inzwischen über 100 Jahre alt und wurde 2021 beim Voting der Deutschen Zentrale für Tourismus sogar zum beliebtesten Museum Deutschlands gewählt. Auf mehreren Ebenen (die historischen Folterinstrumente werden passenderweise im Keller ausgestellt) erfährt man viel Neues zu Themen wie „Hexenverfolgung“, „Inquisition“, „Henkersmahlzeit“ oder „Pranger“, kann bizarre „Halsgeigen“ für Ehrenstrafen oder alte juristische Original-Dokumente bestaunen.

Wir fanden dieses „etwas andere Museum“ jedenfalls sehr interessant und können es nur wärmstens weiterempfehlen.

Vom Museum war es nur ein Katzensprung bis zum Marktplatz mit dem historischen Rathaus und dem weißen Rathausturm dahinter.

Auf dem Rückweg zu unserem Bulli machten wir noch eine Pause in einem kleinen Café, bevor wir durch das Galgentor die Altstadt verließen.

Der Rest der Rückfahrt nach Blomberg verlief zügig und staufrei, so dass wir noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück in Lippe waren.

Mit dem Abschluss der Bundesliga-Hauptrunde ist es Zeit für ein wenig Saison-Statistik: Bei zehn von elf Bundesliga-Auswärtsspielen war die Fanbase zur Unterstützung vor Ort – nur zum Mittwochsspiel in Bensheim am 12. Februar haben wir es leider nicht geschafft. Allein für diese zehn Fanbase-Auswärtsfahrten kamen hin und zurück insgesamt 6.500 Kilometer zusammen. Rechnet man noch die vier Auswärtsspiele der EHF-European League, bei denen wir vertreten waren, sowie das Pokal-Final Four in Stuttgart dazu, werden die Zahlen wirklich beeindruckend: Bis heute wurden insgesamt 13.120 Straßen- und Bahnkilometer zu 15 HSG-Auswärtsspielen zurückgelegt, verteilt auf zehn Tages- und vier Zweitagesfahrten sowie eine Dreitagestour nach Mosonmagyaróvár. Und die Saison ist ja noch nicht vorbei: Zumindest zwei weitere Fahrten nach Oldenburg und Graz folgen noch und bringen die gesamte Fanbase-Leistung in dieser Saison dann auf mindestens 15.560 Kilometer. Auch wenn nicht jeder bei allen Fahrten dabei war: Auf diese Zahlen können alle Mitfahrer stolz sein! Die erfolgreichste HSG-Saison aller Zeiten bricht also auch bei der Fanbase alle Rekorde …

Text und Fotos: Uwe Jakob

Abschiedsbesuch in Buxtehudes alter „Halle Nord“

Acht Fanbase-Mitglieder machten sich am 16. März mit dem Dux-Bus auf den verhältnismäßig kurzen Weg nach Buxtehude, um die HSG dort am Nachmittag beim Auswärtsspiel des 19. HBF- Spieltags gegen den Buxtehuder SV anzufeuern. Zusätzlich reiste noch eine ganze Reihe weiterer HSG-Fans mit Privat-PKWs an, so dass wir am Ende mit fünf Trommeln, einer Tröte und ordentlich „Manpower“ vor Ort waren. An diesem Sonntagmorgen kamen wir extrem gut durch und konnten den Dux-Bus schon um kurz nach halb zwölf auf dem Parkplatz vor der Halle abstellen.

Als erstes drehten wir in sicherer Entfernung eine Runde um die im Endausbau befindliche neue Halle, die – so der Plan – zu Beginn der nächsten Saison die alte Sporthalle Schulzentrum Nord (kurz „Halle Nord“) ersetzen soll. Unser erster Eindruck: Das geplant 23,5 Mio. € teure (inzwischen werden rund 26 Mio. € Baukosten genannt) Großprojekt ist wirklich riesig – kein Wunder, denn neben einer Dreifachsporthalle mit 1.500 Zuschauerplätzen auf zwei teilweise einschiebbaren Tribünen ist dort noch eine weitere Zweifachsporthalle nur für den Schulbetrieb integriert. Die von weitem an Holz erinnernde Außenfassade besteht tatsächlich aus vertikalen Aluminium-Lamellen.

Knapp anderthalb Jahre nach der Grundsteinlegung im Oktober 2023 steht Buxtehudes größtes Bauprojekt des letzten Jahrzehnts jetzt kurz vor der Fertigstellung – ob die alte Halle Nord danach tatsächlich wie geplant abgerissen und an ihrem Platz ein Sportplatz angelegt wird, ist inzwischen nicht mehr so sicher. Wir freuen uns jedenfalls schon darauf, uns den Neubau in der nächsten Saison auch von innen genauer anzusehen: Ob hier wohl die goldenen Wasserhähne verbaut worden sind, die wir in der umgebauten Salza-Halle in Bad Langensalza vergeblich gesucht haben?

Bis zum Anwurf um 15 Uhr blieb noch reichlich Zeit für einen kleinen Spaziergang in die Buxtehuder Altstadt. Auch wenn viele von uns schon mehrmals dort gewesen waren, lohnt sich immer ein Besuch – außerdem wollten wir vor dem Spiel gern mal wieder ein traditionelles Fanbase-Eis essen! Am Geesttor, dem Beginn der Fußgängerzone, steht seit 1968 der Hase & Igel-Brunnen. Die Skulptur aus Bronze und Stein markiert zugleich das nördliche Ende der Deutschen Märchenstraße, die in Hanau beginnt und unter anderem auch durch Schieder- Schwalenberg und Lügde führt.

Vor dem historischen Rathaus vom Beginn des vorigen Jahrhunderts bogen wir links ab in die Breite Straße. Dort kommt man zum Fleth, dem schmalen Hafenbecken, auf dem früher kleine Schiffe bis zur ehemaligen Mühle fahren konnten. Auf beiden Seiten stehen alte, liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser.

Der Marschtorzwinger gehört zusammen mit dem Hase & Igel-Brunnen zu den Buxtehuder Wahrzeichen. Der runde Turm am nördlichen Ende des Fleths stellt den letzten erhaltenen Rest der Buxtehuder Wehranlagen dar und wird heute für wechselnde Kunstausstellungen genutzt.

Nach so viel Kultur gönnten wir uns im Eiscafé und Restaurant „Artemis“ in der Breiten Straße je nach Geschmack leckere Eisbecher oder Waffeln, bevor wir uns auf den Rückweg zur Halle Nord machten. Was uns in der Innenstadt noch aufgefallen ist: In den Schaufenstern nicht nur einzelner, sondern wirklich vieler Geschäfte hingen Plakate zum BSV-Spiel gegen die HSG.

Auch bereits am Buxtehuder Ortseingang und noch einmal vor der Halle Nord weisen Schilder auf das jeweils nächste Heimspiel des Buxtehuder SV hin.
Inzwischen hatte die Halle Nord bereits geöffnet – wir holten unser Orchester aus dem Bulli und nach etwas Smalltalk am Pavillon des BSV-Fanclubs „Has und Igel“ vor dem Eingang bezogen wir in der Halle unsere gewohnten Plätze links hinter einem der beiden Tore.

Positiv hervorzuheben ist, dass der BSV so wie die HSG zur immer kleiner werdenden Zahl von Bundesligisten gehört, die noch regelmäßig gedruckte Hallenhefte (zusätzlich gibt es beim BSV zu Saisonbeginn sogar noch ein dickes Saisonheft!) herausgeben. Unsere HSG wurde dort unter der Überschrift „Ein Spitzen-Team der Liga!“ geführt – daran muss man sich als Blomberg-Fan erst mal gewöhnen! Auch wenn wir den Nachtisch bereits hinter uns hatten, gingen die meisten von uns für eine leckere Stadionwurst noch mal vor die Halle, bevor das Spiel losging:

Mit 1.211 Zuschauern war die Halle Nord bei einer Kapazität von 1.300 Plätzen auf ihre alten Tage noch mal nahezu ausverkauft. Der Buxtehuder SV erwischte den besseren Start in die Partie und führte bei der ersten HSG-Auszeit nach knapp 10 Minuten mit 4:1. In einem Spiel mit vielen technischen Fehlern auf beiden Seiten konnte die HSG noch vor der Pause mit einem 4:0-Lauf aus einem 10:8-Rückstand eine 10:12-Pausenführung machen; das 10:11 bedeutete dabei nach 27 Minuten die erste Blomberger Führung des Spiels. Nach Wiederanpfiff glich der BSV schnell zum 12:12 aus; von nun an wechselte die Führung mehrmals hin und her, ohne dass sich eine Mannschaft absetzen konnte. Den schönsten Treffer des Spiels zum 15:15 erzielte Buxtehudes Linksaußen Teresa von Prittwitz mit einem sehenswerten Kempa-Tor nach Anspiel quer über das Spielfeld von Rechtsaußen Lotta Heider. Auch HSG-Rechtsaußen Judith Tietjen war mit am Ende sieben Toren äußerst treffsicher. Zu Beginn der Crunchtime war der Spielausgang weiterhin völlig offen – in Minute 53 stand es 24:24. Mit einem Dreierpack zum 24:27 knapp drei Minuten vor Spielende entschied Nieke das Spiel innerhalb von zwei Minuten quasi im Alleingang; am Ende stand ein knapper 26:28-Auswärtssieg der HSG. Mit 11 Treffern war Nieke wieder einmal erfolgreichste HSG-Torschützin und wurde einen Tag später auch zum „Player of the Match“ gewählt.

Zum wiederholten Mal konnte die HSG also ein enges, ausgeglichenes Spiel in den letzten Minuten zu ihren Gunsten entscheiden – eine Qualität, die ihr in dieser Saison schon so manchen Sieg eingebracht hat! Nach dem Glückwunsch ans Team hörten wir uns noch die Pressekonferenz an, verabschiedeten uns für diese Saison aus Buxtehude und traten zufrieden die Rückfahrt nach Blomberg an – diesmal wegen eines Staus auf der Autobahn bis Soltau über Land. Danke an unseren Fahrer Christian!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Rückblick Final4 2025

Seit dem 2. März darf sich unsere HSG Blomberg-Lippe Vize-Pokalsieger 2025 nennen. Da so viele mit in Stuttgart waren, gibt es an dieser Stelle ausnahmsweise keinen Bericht über die Auswärtsfahrt. Stattdessen lassen wir einfach die Bilder für sich sprechen.

Unser Hotel in Zuffenhausen
Unser Bus
Lotte (HB Ludwigsburg), Hanni (DHB), Emma (Borussia Dortmund), Blombert (HSG Blomberg-Lippe) und Sparky (HSG Bensheim/Auerbach)
Nur einen Katzensprung von unserem Hotel entfernt: Das Porsche-Museum
Direkt vor dem Porsche-Museum lässt sich an drei Stehlen die Geschichte des legendären 911er verfolgen.
Der Pott!
Feuer frei! (für das kleine Finale)
Finale!
Dank an die Fans (wer findet sich?)
Gratulation dem Vize-Pokalsieger!

Fotos: Uwe Jakob

Der Meister ist eine Nummer zu groß

Auswärtsfahrt zur HB Ludwigsburg

Nur zwei Tage nach unserer Bad Langensalza-Fahrt waren wir am 29.12. schon wieder mit dem Bulli der „Lippischen“ unterwegs – diesmal nur zu fünft und zum amtierenden Deutschen Meister nach Ludwigsburg. Die Fahrt dorthin dauert bekanntlich etwas länger, deshalb verzichteten wir diesmal auf ein Rahmenprogramm und fuhren erst um 9.30 Uhr morgens los, als der „HSG-Express“ schon auf dem Weg nach Süden war. Unterwegs machten wir eine ausgedehnte Pause an der A7-Raststätte Großenmoor, denn Monika hatte wieder Kaffee und Brötchen für alle dabei – dafür vielen Dank! Schon knapp zwei Stunden vor Spielbeginn erreichten wir die Halle in der Ludwigsburger Innenstadt – auf der Suche nach einem Bulli-geeigneten Parkplatz in der Nähe begegnete uns bereits das HSG-Team auf dem obligatorischen Spaziergang.

Die Bundesligamannschaft der SG BBM Bietigheim war bekanntlich zu Saisonbeginn zur HB Ludwigsburg gewechselt und tritt nun unter diesem Namen an. Champions League-Spiele und einzelne Bundesligapartien hatte man auch in der Vergangenheit schon in der Ludwigsburger MHP-Arena ausgetragen; nun finden alle Heimspiele dort statt. Außer Monika kannte noch niemand von uns die 2009 eingeweihte, fast quadratische Halle mit 3.800 Handball-Sitzplätzen, die bisher hauptsächlich vom örtlichen Basketball-Bundesligisten genutzt wurde. Tageskasse und Halleneingang waren noch geschlossen, trotzdem kamen wir „irgendwie“ problemlos bis ins Arena-Foyer und konnten dort unsere „Kapelle“ bis zur offiziellen Öffnung eine Stunde vor Anwurf abstellen. In der Zwischenzeit stärkten wir uns vor der Halle, besorgten die Eintrittskarten und unterhielten uns mit der Familie von Zoe, die wir schon sechs Wochen zuvor in Metzingen kennengelernt hatten.

In der komplett mit Klappsitzen und Rückenlehnen bestuhlten MHP-Arena bezogen wir unsere Plätze im Gästeblock D1 in einer Ecke des Spielfelds etwa auf halber Tribünenhöhe. Schräg gegenüber hinter dem anderen Tor hatten die acht „Lady Drummer“ der Heimmannschaft ihr Orchester aufgebaut. Zum Trommeln sind solche steilen Tribünen mit Rückenlehnen eher schlecht geeignet – zum Glück war nicht jeder Platz besetzt, so dass wir uns ausbreiten konnten. Davon abgesehen ist die MHP-Arena eine fantastische Spielstätte und stellt einen Quantensprung gegenüber der altehrwürdigen Bietigheimer „Sporthalle am Viadukt“ dar. Zum Spiel gegen Blomberg waren 3.084 Zuschauer gekommen und sorgten für eine tolle Atmosphäre. Darunter waren 370 Minis und F-Jugendliche aus dem Handballbezirk Ens-Murr, die in der Halbzeitpause aufs Spielfeld kamen, sowie Eltern, Trainer und Betreuer.

Sowohl Hallensprecher als auch Livestream-Kommentator hatten den Namen „Blomberg“ offenbar noch nie zuvor gehört – vielleicht kann Ludwigsburgs neuer Geschäftsstellenleiter Kornej Weibert da ja etwas Entwicklungshilfe leisten? Vor dem Einlaufen der Mannschaften gab dann der Hallensprecher noch einen kurzen Überblick über den heutigen Gegner aus „Bloomberg“ und erwähnte dabei besonders die Torhüterin „Melanie Wachter“ – ohne Worte … Mit wem es die HSG zu tun bekam, wurde direkt vor Anpfiff deutlich, als die Ludwigsburger EM-Teilnehmerinnen mit Blumensträußen bedacht wurden – gerade mal drei Spielerinnen gingen dabei leer aus!

Wenn man den Gegner möglichst lange ärgern will, sollte man nach Möglichkeit nicht gleich die ersten zehn Minuten des Spiels verschlafen. Genau das tat die HSG leider, lud die Heimmannschaft mit technischen Fehlern und harmlosen Abschlüssen zu Tempogegenstößen ein und lag folgerichtig nach 12 Minuten bei Steffens erster Auszeit schon mit 1:8 zurück. Auch wenn es ein einziges Mal bei Maxis 9:3 geklappt hat, erwiesen sich Heber insgesamt als völlig ungeeignetes Mittel, um die schwedische Nationaltorhüterin Johanna Bundsen im Ludwigsburger Tor zu überwinden. Die kam in der ersten Spielhälfte bereits auf neun Paraden und damit auf eine Quote von fast 50 % gehaltener Bälle. Obwohl die HSG nach der Auszeit besser ins Spiel fand, kam sie nicht mehr näher als auf fünf Tore an Ludwigsburg heran, lag zur Halbzeit mit 16:10 zurück und konnte sich bei Melanie im Tor und bei unseren beiden Linksaußen bedanken, dass der Rückstand nicht noch deutlicher war: Melanie konnte auch bereits acht Paraden vorweisen, Alexia hatte dreimal aus dem Spiel heraus getroffen und Ona war bis dahin dreimal vom Siebenmeterpunkt erfolgreich gewesen.

In der zweiten Spielhälfte kam Ona dann für Alexia aufs Feld und erzielte gleich den ersten Treffer zum 16:11. Insgesamt gelangen ihr drei Feldtore – bei den Siebenmetern war sie leider nicht mehr ganz so treffsicher wie in der ersten Halbzeit und vergab zweimal bei fünf weiteren Versuchen. Nach gut 40 Minuten wechselte Zoe für Melanie ins Tor und nutzte auch noch mehrmals die Chance, sich auszuzeichnen. All das änderte nichts an der Ludwigsburger Überlegenheit: Beim 22:12 in der 38. Minute, einem tollen Kempa-Tor von Antje Döll nach Pass von Johanna Bundsen quer über das ganze Spielfeld, war der Blomberger Rückstand erstmals zweistellig. Doch die HSG bewies Moral – weiter wegziehen ließ sie den Favoriten nicht. Neun Minuten vor Spielende brachte Steffen dann Carolin bei den HSG-Angriffen ins Spiel. Fast hätte sie in der letzten Minute noch ihr zweites Bundesligator gemacht, aber bei ihrem Rückraumkracher aus neun Metern hatte die Querlatte leider etwas dagegen. So erzielte Ona nach dem ersten auch den letzten Treffer in Halbzeit zwei zum standesgemäßen Endstand von 32:24. Ihre neun Tore machten sie nicht nur zum wiederholten Mal in dieser Saison zur Toptorschützin des Spiels, sondern katapultierten sie auch mit insgesamt 55 Treffern unter die „Top Five“ der gesamten HBF.

Noch etwas mehr Statistik: Zwei weitere HSG-Spielerinnen steht dort aktuell sogar auf dem „Treppchen“: Melanie liegt ligaweit mit durchschnittlich 9,7 Paraden pro Spiel auf Platz drei – und Nieke belegt mit neun Zwei-Minuten-Zeitstrafen in acht gespielten Partien derzeit den zweiten Rang in der Sünder-Statistik! Das zeigt, wie wichtig sie nicht nur als Torschützin, sondern auch für die HSG-Abwehr ist. Hinter Ona gab es bei den HSG-Torschützen eine große Lücke bis zu Alexia, Laetitia und Andrea mit jeweils drei Treffern. Der übrige Blomberger Rückraum blieb komplett torlos, und insgesamt nur sechs Rückraumtreffer in 60 Minuten sind einfach zu wenig – gegen den THC waren es zumindest noch neun gewesen. Dagegen erzielten alle 11 eingesetzten Ludwigsburger Feldspielerinnen mindestens ein Tor. Auch wenn das Heimteam vermutlich in dieser Saison noch bessere Spiele abgeliefert hat, ist es selbst durch die Blomberger Brille betrachtet ein Genuss, diesem internationalen Starensemble beim Handballspielen zuzuschauen. Darüber waren wir uns auf der Rückfahrt alle einig: Der Blick geht nach vorn zu den kommenden zwei Bundesliga-Heimspielen gegen Göppingen und Zwickau und dem ersten „So-gut-wie-Heimspiel“ in der European League-Gruppenphase gegen Dijon.

Text und Fotos: Uwe Jakob