Zum zweiten Playoff-Viertelfinalspiel auswärts beim VfL Oldenburg setzte die Fanbase am 26. April wieder einen Fanbus ein – zum Einsatz kam erneut das „Dreamteam“ aus TBV Lemgo-Bus plus Busfahrer Rüdiger. Mit 37 HSG-Anhängern an Bord ging es zunächst im Windschatten des „HSG-Express“ bis zur Raststätte „Dammer Berge“ an der A1. Während wir noch das Kuchenbuffet plünderten, hängte uns Leen mit dem Mannschaftsbus ab, aber auch wir kamen noch lange vor Öffnung der Hallentore an Oldenburgs „kleiner EWE-Arena“ an. Die war mit 2.316 Zuschauern zum wiederholten Mal ausverkauft.
Auch diesmal begrüßte uns VfL-Hallensprecher Marvin Wittern persönlich hoch oben im Gästefanblock. Mit seinem Tipp zum Spielausgang sollte er – anders als eine Woche zuvor in Blomberg – aber daneben liegen: Ohne Ida, aber wieder mit Judith konnte sich unser Team ab der 9. Minute zunächst etwas absetzen, doch Oldenburg blieb dran und glich beim 10:10 und 11:11 zweimal aus. Nach der 12:14-Führung zum Seitenwechsel hielt die HSG den Gegner zunächst weiter auf Distanz, doch nach einem 4:0-Lauf lag der VfL in Minute 43 plötzlich mit 19:18 vorn – erst die zweite Oldenburger Führung im ganzen Spiel. Zehn Minuten später brachte Maxis Tor zum 22:26 Blomberg wieder vier Tore in Front. Auch wenn die Heimmannschaft danach noch zweimal bis auf zwei Treffer verkürzen konnte, geriet der vierte HSG-Sieg im bereits fünften Saisonspiel gegen den VfL Oldenburg bis zum 26:29-Endstand nicht mehr wirklich in Gefahr.
Nach Spielende machten wir noch ein Gruppenfoto mit Bus auf dem Parkplatz vor der Arena, dann begann die unterhaltsame Rückfahrt. Durch den Sieg steht die HSG nach dem deutschen Pokal und der EHF European League auch im dritten Wettbewerb dieser Saison im Halbfinale – unglaublich! Wer der Gegner ist und ob es zuerst ein Heim- oder ein Auswärtsspiel gibt, entscheidet sich am Samstag 3. Mai beim Spiel BvB – TuSsies.
Der letzte Besuch der Fanbase in Göppingen war schon ziemlich lange her – etwas über fünf Jahre, um genau zu sein. Dann kam Corona, so dass in der Saison 2020/21 keine Auswärtsfahrten möglich waren, und am Saisonende waren die Frisch Auf-Frauen in die 2. Liga abgestiegen. Doch seit dieser Saison sind sie wieder zurück im Frauenhandball-Oberhaus, und damit konnten wir nach fünf Jahren auch endlich den „für das nächste Auswärtsspiel in Göppingen“ geplanten Besuch im „Märklineum“ in die Tat umsetzen!
Der Weg nach Süden ist weit, deshalb war die Fahrt von Anfang an als Wochenendtrip mit einer Übernachtung angesetzt. Am Samstagmorgen um acht Uhr ging es zu sechst im Bulli der „Lippischen“ los. Nach der traditionellen Frühstückspause mit mitgebrachten Brötchen in einer Raststätte an der A7 führte der letzte Teil der Strecke auf malerischen Landstraßen über die Schwäbische Alb nach Göppingen. Wir steuerten direkt das „Märklineum“ an, wo am Firmenstammsitz die lange und wechselvolle Geschichte des bekannten Göppinger Spielwaren- und Modelleisenbahnherstellers Märklin erzählt wird. Die 1859 gegründete Firma startete mit dem Bau von Puppenküchen; 1891 wurde dann die erste Modelleisenbahn ins Programm aufgenommen. Schon auf dem Parkplatz empfängt eine Original-Dampflokomotive der Baureihe 44 in einer überdimensionalen Märklin-Verkaufsverpackung die Besucher.
In den nächsten zwei Stunden gab es für uns viel zu entdecken: Vor allem natürlich Hunderte von Modellbahn-Lokomotiven und Waggons in verschiedenen Spurweiten – von ganz groß bis ganz klein, denn heute gehören auch die Marken LGB und Trix zur Märklin-Familie.
Daneben erfuhr man auch viel über die Firmengeschichte – wer erinnert sich heute z.B. noch, dass Märklin früher auch funktionierende Modell-Dampfmaschinen aus Blech hergestellt hat? Ist noch gar nicht soooo lange her …
Da wir am Wochenende vor Ort waren, konnten wir leider keinen Blick in die Lokomotiv- Endmontage werfen – das Märklin-Werk schließt direkt an das „Märklineum“ an. Dafür verbrachten wir viel Zeit beim Clou des Museums, der großen Modellbahnanlage im Keller: In einer kleineren Version des Miniatur-Wunderlands in der Hamburger Speicherstadt befinden sich auf 160 m² Fläche im H0-Maßstab 1:87 neben 840 m Modellbahngleisen auch eine Reihe von gut versteckten „Miniatur-Promis“, von der lila Milka-Kuh bis zu Obelix samt Hinkelstein und von Gandalf bis zu Mr. Bean mit seinem legendären, vom Sessel auf dem Dach „ferngesteuerten“ Mini. Um sie alle zu finden, muss man allerdings ganz genau hinsehen!
Die Anlage besitzt auch eine wechselnde Tag- und Nachtbeleuchtung mit passend dazu auf die Rückwand projiziertem Hintergrund und Sound – die perfekte Illusion!
Fazit: Ein Besuch im Göppinger „Märklineum“ lohnt sich auf jeden Fall! Zum Abschluss gönnten wir uns noch ein leckeres Stück Kuchen im Museums-Bistro und fuhren anschließend weiter zu unserem Hotel in der Göppinger Innenstadt.
Bereits in der Eingangstür hing ein Plakat der Frisch Auf-Frauen, auf dem die Begegnung gegen die HSG als „XXL-Spiel“ angekündigt wurde – besonders auf die versprochene „exklusive Enthüllung“ waren wir alle schon sehr gespannt!
Nach dem Bezug unserer Hotelzimmer ging es deshalb gleich weiter zur EWS-Arena, die mit ihren 5.600 Zuschauerplätzen von den Frisch Auf-Männer- und -Frauenteams gemeinsam genutzt wird. In der riesigen Halle sah man sofort den Unterschied: Wo sich vor gut fünf Jahren gerade mal 500 Zuschauer verlaufen hatten, wollten sich diesmal 3.352 Besucher das letzte Meisterschafts- Hauptrundenspiel ihres Teams nicht entgehen lassen. Dieser enorme Zuschauer-Zuwachs innerhalb weniger Jahre hat seinen Grund in einer komplett veränderten Philosophie der Göppingerinnen: Statt sich wie früher vor allem auf „Legionärinnen“ aus Osteuropa zu verlassen, setzen der Verein und Trainer Nico Kiener seit einiger Zeit fast ausschließlich auf Spielerinnen aus der Region. Das sorgt – zusammen mit der Aufstiegs-Euphorie der Vorsaison und einem attraktivenTempohandball – für eine ganz andere Identifikation des Publikums mit dem Team und damit für eine „volle Hütte“: Die Frisch Auf-Frauen liegen in dieser Saison mit durchschnittlich 2.321 Zuschauern pro Heimspiel an der Spitze der HBF-Besucherstatistik, in der die HSG mit 771 Gästen übrigens nur den zehnten und damit drittletzten Platz belegt. Unser Team war also gewarnt – leicht würde es in diesem Hexenkessel nicht werden, zumal die Gastgeberinnen den achten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an den Playoffs berechtigt, noch nicht ganz sicher hatten.
Doch der HBF-Spielplan und eine Buspanne des „HSG-Express“ auf dem Weg nach Göppingen, weswegen das Spiel eine Dreiviertelstunde später angepfiffen werden musste, kamen unserem Team ungewollt zur Hilfe: Das letzte THC-Spiel in Zwickau war auf Mittwoch vorverlegt worden, so dass die HSG schon im Vorfeld wusste, dass sie zum Erreichen von Platz drei mit mindestens vier Toren Differenz gewinnen musste – dann wäre man in Punktestand und Tordifferenz mit dem THC gleichauf, hatte aber den direkten Vergleich in Summe von Hin- und Rückspiel gewonnen und hätte somit die Nase vorn. „Dank“ der Panne auf dem Weg nach Göttingen und des verspäteten Anpfiffs stand das Endergebnis der Partie Ludwigsburg-Neckarsulm schon zur Halbzeit in Göppingen fest – demnach konnte Frisch Auf auch mit einer Niederlage gegen die HSG nicht mehr vom achten Tabellenplatz verdrängt werden.
Anders als beim Hinspiel in Blomberg Anfang Januar war diesmal auch Göppingens Kreisläuferin Luisa Schulze mit dabei, während auf Blomberger Seite Nieke angeschlagen war und nicht mitwirken konnte. Dafür stand Diana erstmals seit ihrem Mittelfußbruch in Ungarn im Januar wieder im Kader, wurde aber nicht eingesetzt. Das Göppinger 4:3 in der 6. Spielminute sollte für ganze neun Sekunden der einzige Rückstand der HSG während des gesamten Spiels bleiben, bevor Lisa Rajes im Gegenzug wieder ausglich. Göppingen blieb im weiteren Verlauf der 1. Spielhälfte aber an der HSG dran – dass Blomberg überhaupt beim Stand von 15:17 mit einem Zwei-Tore-Vorsprung in die Pause gehen konnte, lag vor allem an Ida, die den Part von Nieke als Goalgetterin nahtlos übernahm und in Hälfte eins bereits sieben (!) Blomberger Treffer erzielt hatte. In der Halbzeitpause stellte sich dann Göppingens vorab angekündigte „exklusive Enthüllung“ als Präsentation des neuen Vereinslogos der Frisch Auf-Frauen ab der nächsten Saison heraus – wer also die Verpflichtung einer ehemaligen Welthandballerin oder etwas ähnlich Spektakuläres erwartet hatte, wurde bitter enttäuscht …
In Hälfte zwei gelang es der HSG bei Lauras 15:19 erstmals, den für den 3. Platz nötigen Vier- Tore-Vorsprung herauszuspielen, aber Frisch Auf ließ sich weiterhin nicht abschütteln. Auf beiden Seiten häuften sich Mitte der 2. Halbzeit die Fehlwürfe, doch nach Lisa Freys 18:22 in der 46. Minute lag die HSG immerhin durchgehend vier Tore vorn – bis ausgerechnet Ann Kynast in der letzten Spielminute das Göppinger 25:28 erzielte. Doch zum Glück stellte Andrea umgehend zehn Sekunden später den alten Abstand wieder her. Ihr Tor zum 25:29 bedeutete gleichzeitig den Endstand, denn Göppingens letzter Wurf von Luisa Schulze landete im Blomberger Block. Die HSG konnte sich wieder einmal in erster Linie bei der überragenden Ida bedanken, die insgesamt 10 Tore zum Sieg beisteuerte. Ona verwandelte alle vier Blomberger Siebenmeter souverän, während die Gastgeberinnen Pech mit insgesamt fünf Latten- und Pfostentreffern hatten. Wir gratulierten unserem Team, machten ein gemeinsames Foto und verabschiedeten uns aus der EWS-Arena. Handball gucken macht hungrig – und da wir das wussten, hatten wir uns vorab einen Tisch im Brauhaus nahe des Göppinger Bahnhofs reserviert. Bei leckerem schwäbisch- bayrischen Essen und vor Ort gebrautem Bier feierten wir die HSG-„Punktlandung“ auf dem dritten Platz der Hauptrunden-Abschlusstabelle.
Am nächsten Morgen gab es zur Abwechslung erst mal wieder ordentlich was zu essen – das Frühstück im Hotel ließ wirklich keine Wünsche offen. Wie schon vor gut fünf Jahren machten wir erneut auf der Rückfahrt Station in Rothenburg ob der Tauber – die mittelalterliche Altstadt gehört zu Deutschlands Top-Sehenswürdigkeiten und ist immer einen Besuch wert.
Jeder Besuch in Rothenburg beginnt mit einem Spaziergang auf der Stadtmauer. Nachdem wir beim letzten Mal die überaus engen und steilen Treppen und Leitern des Rathausturms bestiegen hatten, machten sich zwei von uns jetzt an den (vergleichsweise harmlosen) Aufstieg über 138 Stufen zur Turmstube des zweiten begehbaren Turms der Stadt, des 1390 erbauten Röderturms in der Stadtmauer. Der Panoramablick von da oben über die Altstadt ist sehenswert!
Unser eigentliches Ziel war diesmal das „Mittelalterliche Kriminalmuseum“, in dem unter anderem mit Folter- und Henkerswerkzeugen oder Schandmasken die Entwicklung der Rechtsprechung im Mittelalter aufgezeigt wird. Europas bedeutendstes Rechtskundemuseum ist inzwischen über 100 Jahre alt und wurde 2021 beim Voting der Deutschen Zentrale für Tourismus sogar zum beliebtesten Museum Deutschlands gewählt. Auf mehreren Ebenen (die historischen Folterinstrumente werden passenderweise im Keller ausgestellt) erfährt man viel Neues zu Themen wie „Hexenverfolgung“, „Inquisition“, „Henkersmahlzeit“ oder „Pranger“, kann bizarre „Halsgeigen“ für Ehrenstrafen oder alte juristische Original-Dokumente bestaunen.
Wir fanden dieses „etwas andere Museum“ jedenfalls sehr interessant und können es nur wärmstens weiterempfehlen.
Vom Museum war es nur ein Katzensprung bis zum Marktplatz mit dem historischen Rathaus und dem weißen Rathausturm dahinter.
Auf dem Rückweg zu unserem Bulli machten wir noch eine Pause in einem kleinen Café, bevor wir durch das Galgentor die Altstadt verließen.
Der Rest der Rückfahrt nach Blomberg verlief zügig und staufrei, so dass wir noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück in Lippe waren.
Mit dem Abschluss der Bundesliga-Hauptrunde ist es Zeit für ein wenig Saison-Statistik: Bei zehn von elf Bundesliga-Auswärtsspielen war die Fanbase zur Unterstützung vor Ort – nur zum Mittwochsspiel in Bensheim am 12. Februar haben wir es leider nicht geschafft. Allein für diese zehn Fanbase-Auswärtsfahrten kamen hin und zurück insgesamt 6.500 Kilometer zusammen. Rechnet man noch die vier Auswärtsspiele der EHF-European League, bei denen wir vertreten waren, sowie das Pokal-Final Four in Stuttgart dazu, werden die Zahlen wirklich beeindruckend: Bis heute wurden insgesamt 13.120 Straßen- und Bahnkilometer zu 15 HSG-Auswärtsspielen zurückgelegt, verteilt auf zehn Tages- und vier Zweitagesfahrten sowie eine Dreitagestour nach Mosonmagyaróvár. Und die Saison ist ja noch nicht vorbei: Zumindest zwei weitere Fahrten nach Oldenburg und Graz folgen noch und bringen die gesamte Fanbase-Leistung in dieser Saison dann auf mindestens 15.560 Kilometer. Auch wenn nicht jeder bei allen Fahrten dabei war: Auf diese Zahlen können alle Mitfahrer stolz sein! Die erfolgreichste HSG-Saison aller Zeiten bricht also auch bei der Fanbase alle Rekorde …
Acht Fanbase-Mitglieder machten sich am 16. März mit dem Dux-Bus auf den verhältnismäßig kurzen Weg nach Buxtehude, um die HSG dort am Nachmittag beim Auswärtsspiel des 19. HBF- Spieltags gegen den Buxtehuder SV anzufeuern. Zusätzlich reiste noch eine ganze Reihe weiterer HSG-Fans mit Privat-PKWs an, so dass wir am Ende mit fünf Trommeln, einer Tröte und ordentlich „Manpower“ vor Ort waren. An diesem Sonntagmorgen kamen wir extrem gut durch und konnten den Dux-Bus schon um kurz nach halb zwölf auf dem Parkplatz vor der Halle abstellen.
Als erstes drehten wir in sicherer Entfernung eine Runde um die im Endausbau befindliche neue Halle, die – so der Plan – zu Beginn der nächsten Saison die alte Sporthalle Schulzentrum Nord (kurz „Halle Nord“) ersetzen soll. Unser erster Eindruck: Das geplant 23,5 Mio. € teure (inzwischen werden rund 26 Mio. € Baukosten genannt) Großprojekt ist wirklich riesig – kein Wunder, denn neben einer Dreifachsporthalle mit 1.500 Zuschauerplätzen auf zwei teilweise einschiebbaren Tribünen ist dort noch eine weitere Zweifachsporthalle nur für den Schulbetrieb integriert. Die von weitem an Holz erinnernde Außenfassade besteht tatsächlich aus vertikalen Aluminium-Lamellen.
Knapp anderthalb Jahre nach der Grundsteinlegung im Oktober 2023 steht Buxtehudes größtes Bauprojekt des letzten Jahrzehnts jetzt kurz vor der Fertigstellung – ob die alte Halle Nord danach tatsächlich wie geplant abgerissen und an ihrem Platz ein Sportplatz angelegt wird, ist inzwischen nicht mehr so sicher. Wir freuen uns jedenfalls schon darauf, uns den Neubau in der nächsten Saison auch von innen genauer anzusehen: Ob hier wohl die goldenen Wasserhähne verbaut worden sind, die wir in der umgebauten Salza-Halle in Bad Langensalza vergeblich gesucht haben?
Bis zum Anwurf um 15 Uhr blieb noch reichlich Zeit für einen kleinen Spaziergang in die Buxtehuder Altstadt. Auch wenn viele von uns schon mehrmals dort gewesen waren, lohnt sich immer ein Besuch – außerdem wollten wir vor dem Spiel gern mal wieder ein traditionelles Fanbase-Eis essen! Am Geesttor, dem Beginn der Fußgängerzone, steht seit 1968 der Hase & Igel-Brunnen. Die Skulptur aus Bronze und Stein markiert zugleich das nördliche Ende der Deutschen Märchenstraße, die in Hanau beginnt und unter anderem auch durch Schieder- Schwalenberg und Lügde führt.
Vor dem historischen Rathaus vom Beginn des vorigen Jahrhunderts bogen wir links ab in die Breite Straße. Dort kommt man zum Fleth, dem schmalen Hafenbecken, auf dem früher kleine Schiffe bis zur ehemaligen Mühle fahren konnten. Auf beiden Seiten stehen alte, liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser.
Der Marschtorzwinger gehört zusammen mit dem Hase & Igel-Brunnen zu den Buxtehuder Wahrzeichen. Der runde Turm am nördlichen Ende des Fleths stellt den letzten erhaltenen Rest der Buxtehuder Wehranlagen dar und wird heute für wechselnde Kunstausstellungen genutzt.
Nach so viel Kultur gönnten wir uns im Eiscafé und Restaurant „Artemis“ in der Breiten Straße je nach Geschmack leckere Eisbecher oder Waffeln, bevor wir uns auf den Rückweg zur Halle Nord machten. Was uns in der Innenstadt noch aufgefallen ist: In den Schaufenstern nicht nur einzelner, sondern wirklich vieler Geschäfte hingen Plakate zum BSV-Spiel gegen die HSG.
Auch bereits am Buxtehuder Ortseingang und noch einmal vor der Halle Nord weisen Schilder auf das jeweils nächste Heimspiel des Buxtehuder SV hin. Inzwischen hatte die Halle Nord bereits geöffnet – wir holten unser Orchester aus dem Bulli und nach etwas Smalltalk am Pavillon des BSV-Fanclubs „Has und Igel“ vor dem Eingang bezogen wir in der Halle unsere gewohnten Plätze links hinter einem der beiden Tore.
Positiv hervorzuheben ist, dass der BSV so wie die HSG zur immer kleiner werdenden Zahl von Bundesligisten gehört, die noch regelmäßig gedruckte Hallenhefte (zusätzlich gibt es beim BSV zu Saisonbeginn sogar noch ein dickes Saisonheft!) herausgeben. Unsere HSG wurde dort unter der Überschrift „Ein Spitzen-Team der Liga!“ geführt – daran muss man sich als Blomberg-Fan erst mal gewöhnen! Auch wenn wir den Nachtisch bereits hinter uns hatten, gingen die meisten von uns für eine leckere Stadionwurst noch mal vor die Halle, bevor das Spiel losging:
Mit 1.211 Zuschauern war die Halle Nord bei einer Kapazität von 1.300 Plätzen auf ihre alten Tage noch mal nahezu ausverkauft. Der Buxtehuder SV erwischte den besseren Start in die Partie und führte bei der ersten HSG-Auszeit nach knapp 10 Minuten mit 4:1. In einem Spiel mit vielen technischen Fehlern auf beiden Seiten konnte die HSG noch vor der Pause mit einem 4:0-Lauf aus einem 10:8-Rückstand eine 10:12-Pausenführung machen; das 10:11 bedeutete dabei nach 27 Minuten die erste Blomberger Führung des Spiels. Nach Wiederanpfiff glich der BSV schnell zum 12:12 aus; von nun an wechselte die Führung mehrmals hin und her, ohne dass sich eine Mannschaft absetzen konnte. Den schönsten Treffer des Spiels zum 15:15 erzielte Buxtehudes Linksaußen Teresa von Prittwitz mit einem sehenswerten Kempa-Tor nach Anspiel quer über das Spielfeld von Rechtsaußen Lotta Heider. Auch HSG-Rechtsaußen Judith Tietjen war mit am Ende sieben Toren äußerst treffsicher. Zu Beginn der Crunchtime war der Spielausgang weiterhin völlig offen – in Minute 53 stand es 24:24. Mit einem Dreierpack zum 24:27 knapp drei Minuten vor Spielende entschied Nieke das Spiel innerhalb von zwei Minuten quasi im Alleingang; am Ende stand ein knapper 26:28-Auswärtssieg der HSG. Mit 11 Treffern war Nieke wieder einmal erfolgreichste HSG-Torschützin und wurde einen Tag später auch zum „Player of the Match“ gewählt.
Zum wiederholten Mal konnte die HSG also ein enges, ausgeglichenes Spiel in den letzten Minuten zu ihren Gunsten entscheiden – eine Qualität, die ihr in dieser Saison schon so manchen Sieg eingebracht hat! Nach dem Glückwunsch ans Team hörten wir uns noch die Pressekonferenz an, verabschiedeten uns für diese Saison aus Buxtehude und traten zufrieden die Rückfahrt nach Blomberg an – diesmal wegen eines Staus auf der Autobahn bis Soltau über Land. Danke an unseren Fahrer Christian!
Seit dem 2. März darf sich unsere HSG Blomberg-Lippe Vize-Pokalsieger 2025 nennen. Da so viele mit in Stuttgart waren, gibt es an dieser Stelle ausnahmsweise keinen Bericht über die Auswärtsfahrt. Stattdessen lassen wir einfach die Bilder für sich sprechen.
Unser Hotel in ZuffenhausenUnser Bus Lotte (HB Ludwigsburg), Hanni (DHB), Emma (Borussia Dortmund), Blombert (HSG Blomberg-Lippe) und Sparky (HSG Bensheim/Auerbach)Nur einen Katzensprung von unserem Hotel entfernt: Das Porsche-MuseumDirekt vor dem Porsche-Museum lässt sich an drei Stehlen die Geschichte des legendären 911er verfolgen.Der Pott!Feuer frei! (für das kleine Finale)Finale!Dank an die Fans (wer findet sich?)Gratulation dem Vize-Pokalsieger!
(Zunächst ein Hinweis in eigener Sache: Diese völlig sinnbefreite Überschrift sollte eigentlich „Freiwurf – Abpfiff – Auswärtssieg!“ heißen; die Version oben ist das Ergebnis einer verlorenen Wette das Spielergebnis betreffend.)
Am Wochenende nach unserem Ausflug nach Lubin waren wir zu siebt schon wieder mit dem Dux-Bus in entgegengesetzter Richtung unterwegs: Am 15. Februar führte unser Kurs rund 750 km nach Südwest vorbei an Köln, durch die verschneite Eifel, nach Luxemburg und ab der französischen Grenze immer nach Süden bis nach Dijon, der 170.000 Einwohner-Metropole der französischen Region Burgund. Auf dem Weg von der Autobahn zur Innenstadt checkten wir schnell in unserem Hotel „Campanile Dijon-Est“ im Vorort Saint-Apollinaire ein und parkten den Bulli dann direkt neben der Spielstätte, dem nach einem französischen Handball-Nationalspieler benannten „Palais des Sports Jean-Michel Geoffroy“.
Zum Glück reichte die Zeit vor Einbruch der Dunkelheit und dem Öffnen der Hallentore noch aus, um von dort zu Fuß vorbei am Place de la République einen kurzen Abstecher in die wirklich wunderschöne Altstadt Dijons zu machen: Die schmalen Gassen sind gesäumt von mittelalterlichen Häusern mit einer unglaublichen Vielzahl kleiner Geschäfte, Cafés und Restaurants.
Bevor wir uns auf den Rückweg machen mussten, schafften wir es bis zum Herzogspalast am halbrunden Place de la Libération.
Von dort blickt man auf die gotische Renaissancekirche Saint-Michel und die Bibliotheque Colette in der ehemaligen Kirche Saint-Etienne.
In jedem Fall war Dijon von den drei Städten, die wir auf den Auswärtsfahrten der European League-Gruppenphase gesehen haben, das absolute Highlight. Wie schon in Mosonmagyaróvár und Lubin blieben wir auch in Dijon nicht die einzigen HSG- Anhänger, die zum Spiel angereist waren: Diesmal bekam Lisa Frey am Abend vor ihrem 30. Geburtstag Familienbesuch aus der nahegelegenen Schweiz. Die im Januar 1977 eröffnete Spielstätte „Palais des Sports“ wirkte von außen schon leicht mitgenommen und etwas in die Jahre gekommen.
Dieser Eindruck änderte sich, als sich eine Stunde vor dem Anwurf um 20 Uhr die Tore öffneten: Von innen ist es eine beeindruckende Arena mit zwei steilen, hohen Tribünen für bis zu 5.000 Basketball- oder 3.100 Handballfans.
Leider waren gegen Blomberg nur 1.250 Zuschauer vor Ort, darunter eine Gruppe „gekaufter Studenten“ namens „Black Owls“ („schwarze Eulen“ – die Eule ist das Symboltier Dijons), die seit mehreren Jahren in wechselnder Besetzung im Gegenzug für Freikarten für Stimmung auf den Tribünen sorgt. Wir erhielten wunderbare Plätze in der ersten Reihe und richteten uns dort häuslich ein. Direkt hinter uns saßen Kinder einer Dijoner Jugendmannschaft, von denen uns ein Mädchen während des Spiels fast in den Wahnsinn treiben sollte – dazu gleich mehr.
Das Blomberger Team war trotz schmaler Bank gegenüber dem Auftritt drei Tage zuvor in Bensheim kaum wiederzuerkennen und ließ sich nach einer 1:3-Führung in der 5. Minute auch durch zwischenzeitliche, teilweise deutliche Führungen von JDA Bourgogne Dijon nicht aus der Ruhe bringen: In der 22. Minute lag die Heimmannschaft mit 13:7 vorn, zur Halbzeit stand es 15:12. Nach dem Seitenwechsel glich Nieke in der 35. Minute zum 16:16 aus, kurz danach erzielte Zoe mit ihrem 16:17 ins leere Dijoner Tor die erste Blomberger Führung seit der 5. Minute. In Hälfte zwei versuchten die Gastgeberinnen mit recht wenig Erfolg, Nieke durch Manndeckung aus dem Spiel zu nehmen. Mit einer sehr offensiven 3-2-1-Deckung schossen sie allerdings etwas über das Ziel hinaus und ermöglichten dem HSG-Rückraum, seine Stärken im 1:1 in Treffer umzumünzen: Am Spielende hatten Nieke zehn und Ida acht Tore erzielt, die meisten davon in der 2. Halbzeit. Dijons erfolgreichste Torschützin war Linksaußen Nina Dury mit sechs Treffern – lag es vielleicht daran, dass sie von dem Mädchen direkt hinter uns 60 Minuten lang wirklich ununterbrochen mit „Allez Nina!“ angefeuert wurde (selbst dann, wenn sie gerade eine Zweiminutenstrafe absaß)? Wir ziehen jedenfalls den Hut vor so viel Einsatz – und warnen die nach Frankreich mitfahrenden Bensheimer Fans hiermit schon mal vor! Zurück zur Schlussphase des Spiels: Trotz Unterzahl nach der Disqualifikation für Laura kam Blomberg beim Stand von 27:27 knapp dreißig Sekunden vor dem Abpfiff nochmals in Ballbesitz. Was dann folgte, bleibt unvergesslich: Als Niekes Freiwurf unmittelbar vor Spielende halbhoch rechts im Dijoner Kasten einschlug, herrschte einen Moment Totenstille in der Halle, bevor zusammen mit dem Schlusspfiff der Blomberger Jubel losbrach.
Wir gratulierten unserem Team zum vorzeitigen Viertelfinal-Einzug, denn einige Stunden zuvor hatte Lubin überraschend bei den bisher punktlosen Ungarinnen aus Mosonmagyaróvár verloren. Während die Mannschaft über Nacht schon mit dem „HSG-Express“ auf dem Rückweg nach Blomberg war, feierten wir den 27:28-„Buzzer Beater“-Auswärtssieg in der kleinen Brasserie „Bouillon Notre-Dame“ in der Altstadt, wo man auch zu später Stunde noch lecker essen und trinken konnte. Die Rückfahrt am Sonntag gingen wir entspannt ganz ohne Zeitdruck an, mit einer längeren Pause in Luxemburg. Gegen 19 Uhr waren wir wieder zurück in Blomberg. Eine Woche später hat sich das sympathische Team aus Dijon durch einen souveränen Sieg in Lubin mit acht Toren Vorsprung noch den zweiten Platz in der European League-Gruppe C erkämpft und spielt nun gegen die „Flames“ aus Bensheim, während die HSG sich mit Super Amara Bera Bera aus San Sebastian in Nordspanien auseinandersetzen wird: Das „Abenteuer Europa“ geht weiter!
Fahrt zum ersten EHF Auswärtsspielder Gruppenphase nach Ungarn
„Es hätte schlimmer kommen können“ war am 21. November 2024 die einhellige Meinung in Blomberg nach der Auslosung der European League-Gruppenphase. Für uns von der Fanbase bedeuteten die Gegner in Mosonmagyaróvár/Ungarn, Lubin/Polen und Dijon/Frankreich drei „machbare“ und gleichzeitig hochinteressante Auswärtsfahrten. Nachdem die einzelnen Hin- und Rückspiele terminiert worden waren, begannen wir mit der Detailplanung: Wer fährt wohin mit und wie kommen wir dort hin? Schnell stand fest: Zum ersten Auswärtsspiel am Sonntag 19. Januar 2025 um 16 Uhr beim ungarischen Vertreter Motherson Mosonmagyaróvári KCSE nehmen wir die Bahn, denn vor gut drei Jahren waren wir dort auf dem Weg nach Vác schon einmal mit dem Zug durchgefahren. Die Bahntickets und zwei Übernachtungen in einem Hotel nahe der Spielstätte, der örtlichen UFM-Aréna, waren für uns fünf Mitfahrer schnell gebucht. Mit den Tickets zum Spiel dauerte es dagegen länger und im Januar erfuhren wir auch, warum: Eine erste E-Mail-Anfrage beim ungarischen Verein Mitte Dezember und eine Erinnerung zwischen den Feiertagen blieben unbeantwortet. Daraufhin haben wir Anfang Januar den von der EHF als Kontakt für die Gastmannschaft genannten Ansprechpartner direkt angemailt. Inzwischen waren die Ungarn aber nicht untätig geblieben, hatten bei der Blomberger Polizei (!) angerufen und sich erkundigt, welche Gefahr denn wohl von uns fünf ausgehen würde und ob besondere Vorsichtsmaßnahmen erforderlich wären. Dies alles traf das Blomberger Polizeirevier verständlicherweise etwas unvorbereitet, aber Dein Freund und Helfer war so nett und fragte auf der HSG-Geschäftsstelle nach – so erfuhren wir schließlich auch davon. Wir hoffen wirklich, dass die für die Sicherheit Verantwortlichen in Mosonmagyaróvár nach der Antwort aus dem fernen Blomberg wieder etwas ruhiger schlafen konnten … Jedenfalls bekamen wir dann recht schnell die Info, dass es einen separaten Gästefanblock nur für uns in der UFM-Aréna gibt, dass unsere Tickets an der Tageskasse hinterlegt sind und man sich sogar auf unseren Besuch freuen würde.
Da wir unsere sperrigen Trommeln nicht mitnehmen konnten, hatten wir uns stattdessen drei kleine handbetriebene Tröten beschafft, die einen wirklich fürchterlichen Sound hatten – nur ruhig zuschauen ist doof und schließlich mussten wir ja unserem offensichtlich zweifelhaften Ruf in Ungarn irgendwie gerecht werden! Monika besorgte uns vorab ungarische Forint in bar und einen Tag vor dem Spiel machten wir uns am Samstagmorgen mit zwei Autos auf den Weg nach Altenbeken. Mit der Bahn ging es von dort über Kassel-Wilhelmshöhe und Wien-Meidling weiter nach Mosonmagyaróvár (nach unzähligen Versuchen können inzwischen alle fünf Mitfahrer den Ortsnamen halbwegs korrekt und mehr oder weniger flüssig aussprechen), einem Ort mit rund 30.000 Einwohnern nur wenige Kilometer hinter der österreich-ungarischen Grenze. Dort kamen wir pünktlich auf die Minute um 18.35 Uhr an. Es war schon dunkel, deshalb konnten wir die schöne alte Dampflokomotive direkt neben dem Bahnhof erst bei der Abreise zwei Tage später bewundern.
Die knapp vier Kilometer zwischen dem Bahnhof im Ortsteil Moson (Wieselburg) und dem Nimród Hotel im Ortsteil Magyaróvár (Ungarisch Altenburg) legten wir wahlweise mit dem Taxi bzw. zu Fuß zurück.
Einchecken verbrachten wir den Rest des Abends im Hotel-Restaurant bei wunderbarem ungarischen Essen und dem einen oder anderen Kaltgetränk aus dem nahen Österreich. Am nächsten Morgen wurde erst mal ausgiebig gefrühstückt. Bevor wir uns an die Erkundung von Mosonmagyaróvár machten, stockten wir in einer Wechselstube noch schnell unseren Forint- Vorrat etwas auf, denn der Umrechnungskurs im Hotel ließ vermuten, dass der Hotelier einer uralten Dynastie von Raubrittern angehörte. Der Tesco-Supermarkt gegenüber hatte zum Glück auch sonntags geöffnet – hier besorgten wir uns Klebeband zum Befestigen des Fanbase- Banners und der lippischen Flagge, denn die Rolle war zuhause liegengeblieben. Zunächst führte uns der Weg vorbei an einer typischen Plattenbau-Siedlung und schicken neuen Mehrfamilienhäusern zur UFM-Aréna, die etwa einen Kilometer von unserem Hotel entfernt liegt.
Um diese Zeit war hier noch nichts los, also machten wir ein paar Fotos und zogen weiter zur nahegelegenen Altstadt. Die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt ist die historische Burg aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
Direkt daneben steht das wunderschöne, 1912 gebaute Jugendstilgebäude der Széchenyi István- Universität.
Die kurze Fußgängerzone bot mit vielen leerstehenden und teilweise verfallenden Gebäuden einen eher tristen Anblick. Eins aber gibt es in Mosonmagyaróvár im Überfluss, nämlich – Zahnärzte! Offenbar kommt halb Österreich hierher und lässt sich preiswerte Kronen und Implantate verpassen. Manche Zahnkliniken haben sogar ein eigenes angegliedertes Hotel für längere, mehrtägige Behandlungen.
Zurück im Hotel packten wir unsere Ausrüstung ein, radikalisierten uns mit Trikots und Schals und machten uns erneut auf zur UFM-Aréna. An diesem trüben Tag war es empfindlich kalt und vor Ort mussten wir feststellen, dass der Ticketschalter und die Hallentüren erst eine Stunde vor Anwurf geöffnet werden. Kurz nach uns kam die HSG im schicken Mannschaftsbus der Ungarn aus ihrem Hotel in Györ an.
Unser Torwarttrainer Ronny Krüger hatte Mitleid mit frierenden HSG-Fans und besorgte uns aus der Halle Espressi zum Aufwärmen – danke, Ronny! Inzwischen trafen auch zunächst die Spielerinnen, dann die ersten Fans der Heimmannschaft ein. Um kurz vor 15 Uhr öffnete der Ticketschalter und zu unserer großen Überraschung waren dort sieben Freikarten für den Gästeblock hinterlegt – da lacht das Herz des Lippers, dieser Verein wurde uns immer sympathischer! Aber warum sieben Tickets, wir hatten doch nur fünf Leute angemeldet? Ganz einfach: Zwei Wiener Freundinnen von Ona waren ebenfalls zum Spiel angereist, wurden in der Halle mit Onas und Idas Trikots vom Dijon-Spiel ausgestattet (die weißen EHF-Trikots der HSG waren inzwischen von Errea geliefert worden) und verstärkten unsere kleine HSG-Fraktion.
Pünktlich um 15 Uhr öffneten sich dann die Türen zur gut geheizten Halle – endlich! Die am 18. Februar 2017 eröffnete UFM-Aréna (Baupreis über 2 Mrd. Forint, was damals umgerechnet knapp 6,5 Mio. € entsprach) fasst bei Sportveranstaltungen gut 1.000 Zuschauer und hat eine Besonderheit, die man in der deutschen Frauenhandball-Bundesliga vergeblich sucht: Neben der üblichen Tribüne mit 726 größtenteils blauen Einzelschalen-Klappsitzen an einer Hallen- Längsseite gibt es hinter einem Tor eine reine Stehplatz-Tribüne für etwa 300 Zuschauer mit roten und blauen „Wellenbrechern“.
Hier residieren die „Altenburg Ultras“, der örtliche Fanclub, dessen Performance wir schon auf Videos von ungarischen Ligaspielen bewundern konnten und der uns nun live und in Farbe eine einstündige Probe seines Könnens geben würde. Hut ab: Was dort mit Fahnen, Fanfaren, Trommeln und fast ununterbrochenen Fangesängen zelebriert wurde, hätte dem Kölner Rosenmontagszug alle Ehre gemacht – schon beeindruckend das Ganze!
Zum Glück war der Gästefanblock V mit seinen 80 Plätzen maximal weit von dort entfernt. Das Fanbase-Banner und die lippische Flagge durften wir problemlos am Zaun zum Spielfeld aufhängen. Zur „Bewachung“ von sieben einsamen Gästefans waren eigens zwei Security- Mitarbeiter abgestellt worden – einer oben am Eingang zum Block, einer unten direkt vor uns, der uns bis nach dem Abpfiff buchstäblich keine Sekunde aus den Augen ließ und sich ganz offensichtlich über den leichten Job an diesem Tag freute – wenn Györ dort spielt, ist im Gästeblock bestimmt mehr los!
Die Halle war an diesem Tag mit etwa 750 Zuschauern nicht komplett gefüllt. Die Sperre von Spielerinnen, Trainern und Heimfans galt nicht für internationale Spiele, doch Cheftrainer Janos Gyurka saß nicht etwa auf der Bank, sondern als Zuschauer auf der Tribüne – eine halbe Stunde vor Anwurf hatte der Verein mitgeteilt, dass man sich im gegenseitigen Einvernehmen von ihm getrennt hatte. Bei Motherson Mosonmagyaróvári KCSE brennt offenbar im Moment der Baum, was der HSG ja nur recht sein konnte. Dann liefen die Mannschaften ein und das Spiel ging los: Wir brauchten ein, zwei Angriffe, bis wir unsere Tröten „synchronisiert“ hatten, aber dann erwiesen sie sich als echte „Partycrasher“, was die bösen Blicke von der Tribüne nebenan bewiesen. Trotzdem dauerte es bis etwa zur 50. Minute, bevor ein Heimfan in unseren Block kam und uns sehr nett bat, wir sollten doch aufhören, weil wir „ihren Takt stören würden“. Genau das war unsere Absicht, also haben wir ihn nett angelächelt – und weitergemacht. Eine Beschwerde bei „unserem“ Security-Mitarbeiter brachte dem Fan auch nur ein müdes Schulterzucken ein, also zog er wieder ab – der Stinkefinger in unsere Richtung war sicher der Brisanz der Partie geschuldet.
Ohne detailliert auf den Spielverlauf eingehen zu wollen: Es war eine Begegnung zweier absolut gleichwertiger Mannschaften – die allermeiste Zeit stand es entweder Unentschieden, oder eins der beiden Teams führte mit nur einem Treffer. Nur zweimal gelang es einer Mannschaft, einen Drei-Tore-Vorsprung herauszuholen – beim HSG-Blitzstart zum 1:4 und nach Idas wichtigem Treffer zum 27:30 in der Crunchtime. Die von Metz an Mosonmagyaróvár ausgeliehene junge französische Torhüterin Mélanie Halter machte mehr als einmal „Hundertprozentige“ der HSG zunichte. Auch sie hatte aber wenig Mittel gegen die wie entfesselt aufspielende Nieke, die am Ende 12 Tore erzielte, darunter beim 22:22 auch einer ihrer langsam zum Markenzeichen werdenden Dreher. Laetitia stand dem mit ihren sieben Treffern nicht viel nach. Als Diana kurz vor der Pause verletzt vom Feld musste, ahnten wir Böses – und wunderten uns umso mehr, dass sie sich in der Halbzeit schon wieder warmlief, beim Wiederanpfiff tatsächlich auf der Platte stand und zwei ihrer drei Tore in Hälfte zwei erzielte – all das mit einem gebrochenen Mittelfuß, wie sich zwei Tage später herausstellte! In den letzten zehn Spielminuten lag die HSG durchgehend vorn und etwa ab Minute 55 spielten die Ungarn zunehmend nervöser und hektischer, während unser Team mit der Führung im Rücken cool blieb. Melanie in den letzten Minuten zurück ins HSG-Tor zu stellen, erwies sich als genialer Schachzug, denn 40 Sekunden vor Schluss verhinderte sie beim Stand von 32:33 mit einer Parade bei einem Durchbruch auf rechts den Ausgleich. Warum Mosonmagyaróvár danach nicht auf offensive Manndeckung umstellte, sondern sich in defensiver 6:0 am eigenen Kreis formierte, bleibt rätselhaft: So konnte sich unser Team nach Steffens Auszeit in aller Ruhe positionieren und Maxi machte nach Anspiel von Laetitia drei Sekunden vor Schluss mit dem 32:34-Endstand eiskalt den Deckel auf den nicht unbedingt fest einkalkulierten Blomberger Auswärtssieg.
Die Begeisterung bei allen HSG-Beteiligten war riesig – unser Team bedankte sich für den Support, es gab ein gemeinsames Foto und dann ging es für uns auch schon langsam auf den Rückweg. Auch diesen zweiten Abend verbrachten wir wieder im Restaurant unseres Hotels – unseren Tisch hübschten wir dabei durch einen passenden Tischläufer auf.
Durch das gesparte Eintrittsgeld hatten wir für die Siegesfeier reichlich Forint zur Verfügung, gönnten uns nach den leckeren Hauptgerichten noch Palatschinken oder Eis als Nachtisch und gingen dann zur Verkostung des schon am Vorabend angepriesenen Marillenschnapses über (Stichwort „Bei der Fanbase wird ja nur gesoffen!“). Zum weiteren Verlauf des Abends nur so viel: Wir haben keine Forint wieder mit zurückgebracht …
Nach dem Frühstück machten wir uns am Montagmorgen wieder zu Fuß oder mit dem Taxi auf den Weg zum Bahnhof und fuhren von dort auf derselben Strecke wie bei der Hinfahrt zurück nach Altenbeken. Zunächst lief auch alles wie am Schnürchen, doch (O-Ton eines Mitreisenden) „kaum erreicht man Deutschland, schon beginnt das Chaos“: In Passau ließen sich zwei ICE-Teile nicht zusammenkuppeln – ab dort hatten wir bis Kassel durchgängig etwa eine Stunde Verspätung. Das machte überhaupt nichts, denn unser Anschluss Kassel-Altenbeken fiel sowieso komplett aus! Zum Glück fuhr danach noch ein weiterer Zug, so dass wir mit knapp 90 Minuten Verzögerung schließlich kurz vor halb elf Uhr abends in Altenbeken ankamen.
Auch mit einigen Tagen Abstand ist die Freude über den zweiten HSG-Sieg gegen einen wirklich starken internationalen Gegner immer noch groß und wir fiebern schon alle den zwei kommenden Fahrten nach Lubin und Dijon im Februar entgegen – dann aber wieder mit Trommeln statt Tröten! Würden wir wieder für ein Handballspiel nach Ungarn fahren? Sofort! Wir haben dort viel gesehen, ein spannendes Spiel in einer tollen Atmosphäre erlebt, richtig gut gegessen und von der ersten bis zur letzten Minute der Reise viel Spaß gehabt. Diese erste europäische Fanbase- Auswärtsfahrt seit mehr als drei Jahren wird allen Mitfahrern „definitiv“ (Insider!) noch lange in bester Erinnerung bleiben!
Nur zwei Tage nach unserer Bad Langensalza-Fahrt waren wir am 29.12. schon wieder mit dem Bulli der „Lippischen“ unterwegs – diesmal nur zu fünft und zum amtierenden Deutschen Meister nach Ludwigsburg. Die Fahrt dorthin dauert bekanntlich etwas länger, deshalb verzichteten wir diesmal auf ein Rahmenprogramm und fuhren erst um 9.30 Uhr morgens los, als der „HSG-Express“ schon auf dem Weg nach Süden war. Unterwegs machten wir eine ausgedehnte Pause an der A7-Raststätte Großenmoor, denn Monika hatte wieder Kaffee und Brötchen für alle dabei – dafür vielen Dank! Schon knapp zwei Stunden vor Spielbeginn erreichten wir die Halle in der Ludwigsburger Innenstadt – auf der Suche nach einem Bulli-geeigneten Parkplatz in der Nähe begegnete uns bereits das HSG-Team auf dem obligatorischen Spaziergang.
Die Bundesligamannschaft der SG BBM Bietigheim war bekanntlich zu Saisonbeginn zur HB Ludwigsburg gewechselt und tritt nun unter diesem Namen an. Champions League-Spiele und einzelne Bundesligapartien hatte man auch in der Vergangenheit schon in der Ludwigsburger MHP-Arena ausgetragen; nun finden alle Heimspiele dort statt. Außer Monika kannte noch niemand von uns die 2009 eingeweihte, fast quadratische Halle mit 3.800 Handball-Sitzplätzen, die bisher hauptsächlich vom örtlichen Basketball-Bundesligisten genutzt wurde. Tageskasse und Halleneingang waren noch geschlossen, trotzdem kamen wir „irgendwie“ problemlos bis ins Arena-Foyer und konnten dort unsere „Kapelle“ bis zur offiziellen Öffnung eine Stunde vor Anwurf abstellen. In der Zwischenzeit stärkten wir uns vor der Halle, besorgten die Eintrittskarten und unterhielten uns mit der Familie von Zoe, die wir schon sechs Wochen zuvor in Metzingen kennengelernt hatten.
In der komplett mit Klappsitzen und Rückenlehnen bestuhlten MHP-Arena bezogen wir unsere Plätze im Gästeblock D1 in einer Ecke des Spielfelds etwa auf halber Tribünenhöhe. Schräg gegenüber hinter dem anderen Tor hatten die acht „Lady Drummer“ der Heimmannschaft ihr Orchester aufgebaut. Zum Trommeln sind solche steilen Tribünen mit Rückenlehnen eher schlecht geeignet – zum Glück war nicht jeder Platz besetzt, so dass wir uns ausbreiten konnten. Davon abgesehen ist die MHP-Arena eine fantastische Spielstätte und stellt einen Quantensprung gegenüber der altehrwürdigen Bietigheimer „Sporthalle am Viadukt“ dar. Zum Spiel gegen Blomberg waren 3.084 Zuschauer gekommen und sorgten für eine tolle Atmosphäre. Darunter waren 370 Minis und F-Jugendliche aus dem Handballbezirk Ens-Murr, die in der Halbzeitpause aufs Spielfeld kamen, sowie Eltern, Trainer und Betreuer.
Sowohl Hallensprecher als auch Livestream-Kommentator hatten den Namen „Blomberg“ offenbar noch nie zuvor gehört – vielleicht kann Ludwigsburgs neuer Geschäftsstellenleiter Kornej Weibert da ja etwas Entwicklungshilfe leisten? Vor dem Einlaufen der Mannschaften gab dann der Hallensprecher noch einen kurzen Überblick über den heutigen Gegner aus „Bloomberg“ und erwähnte dabei besonders die Torhüterin „Melanie Wachter“ – ohne Worte … Mit wem es die HSG zu tun bekam, wurde direkt vor Anpfiff deutlich, als die Ludwigsburger EM-Teilnehmerinnen mit Blumensträußen bedacht wurden – gerade mal drei Spielerinnen gingen dabei leer aus!
Wenn man den Gegner möglichst lange ärgern will, sollte man nach Möglichkeit nicht gleich die ersten zehn Minuten des Spiels verschlafen. Genau das tat die HSG leider, lud die Heimmannschaft mit technischen Fehlern und harmlosen Abschlüssen zu Tempogegenstößen ein und lag folgerichtig nach 12 Minuten bei Steffens erster Auszeit schon mit 1:8 zurück. Auch wenn es ein einziges Mal bei Maxis 9:3 geklappt hat, erwiesen sich Heber insgesamt als völlig ungeeignetes Mittel, um die schwedische Nationaltorhüterin Johanna Bundsen im Ludwigsburger Tor zu überwinden. Die kam in der ersten Spielhälfte bereits auf neun Paraden und damit auf eine Quote von fast 50 % gehaltener Bälle. Obwohl die HSG nach der Auszeit besser ins Spiel fand, kam sie nicht mehr näher als auf fünf Tore an Ludwigsburg heran, lag zur Halbzeit mit 16:10 zurück und konnte sich bei Melanie im Tor und bei unseren beiden Linksaußen bedanken, dass der Rückstand nicht noch deutlicher war: Melanie konnte auch bereits acht Paraden vorweisen, Alexia hatte dreimal aus dem Spiel heraus getroffen und Ona war bis dahin dreimal vom Siebenmeterpunkt erfolgreich gewesen.
In der zweiten Spielhälfte kam Ona dann für Alexia aufs Feld und erzielte gleich den ersten Treffer zum 16:11. Insgesamt gelangen ihr drei Feldtore – bei den Siebenmetern war sie leider nicht mehr ganz so treffsicher wie in der ersten Halbzeit und vergab zweimal bei fünf weiteren Versuchen. Nach gut 40 Minuten wechselte Zoe für Melanie ins Tor und nutzte auch noch mehrmals die Chance, sich auszuzeichnen. All das änderte nichts an der Ludwigsburger Überlegenheit: Beim 22:12 in der 38. Minute, einem tollen Kempa-Tor von Antje Döll nach Pass von Johanna Bundsen quer über das ganze Spielfeld, war der Blomberger Rückstand erstmals zweistellig. Doch die HSG bewies Moral – weiter wegziehen ließ sie den Favoriten nicht. Neun Minuten vor Spielende brachte Steffen dann Carolin bei den HSG-Angriffen ins Spiel. Fast hätte sie in der letzten Minute noch ihr zweites Bundesligator gemacht, aber bei ihrem Rückraumkracher aus neun Metern hatte die Querlatte leider etwas dagegen. So erzielte Ona nach dem ersten auch den letzten Treffer in Halbzeit zwei zum standesgemäßen Endstand von 32:24. Ihre neun Tore machten sie nicht nur zum wiederholten Mal in dieser Saison zur Toptorschützin des Spiels, sondern katapultierten sie auch mit insgesamt 55 Treffern unter die „Top Five“ der gesamten HBF.
Noch etwas mehr Statistik: Zwei weitere HSG-Spielerinnen steht dort aktuell sogar auf dem „Treppchen“: Melanie liegt ligaweit mit durchschnittlich 9,7 Paraden pro Spiel auf Platz drei – und Nieke belegt mit neun Zwei-Minuten-Zeitstrafen in acht gespielten Partien derzeit den zweiten Rang in der Sünder-Statistik! Das zeigt, wie wichtig sie nicht nur als Torschützin, sondern auch für die HSG-Abwehr ist. Hinter Ona gab es bei den HSG-Torschützen eine große Lücke bis zu Alexia, Laetitia und Andrea mit jeweils drei Treffern. Der übrige Blomberger Rückraum blieb komplett torlos, und insgesamt nur sechs Rückraumtreffer in 60 Minuten sind einfach zu wenig – gegen den THC waren es zumindest noch neun gewesen. Dagegen erzielten alle 11 eingesetzten Ludwigsburger Feldspielerinnen mindestens ein Tor. Auch wenn das Heimteam vermutlich in dieser Saison noch bessere Spiele abgeliefert hat, ist es selbst durch die Blomberger Brille betrachtet ein Genuss, diesem internationalen Starensemble beim Handballspielen zuzuschauen. Darüber waren wir uns auf der Rückfahrt alle einig: Der Blick geht nach vorn zu den kommenden zwei Bundesliga-Heimspielen gegen Göppingen und Zwickau und dem ersten „So-gut-wie-Heimspiel“ in der European League-Gruppenphase gegen Dijon.
Der Spielplan zwischen Weihnachten und Neujahr hatte es diesmal in sich, denn die HSG Blomberg-Lippe musste gleich zweimal auswärts ran und das auch noch bei den Spitzenteams Thüringer HC und HB Ludwigsburg (ehemals SG BBM Bietigheim). Da war eine Fortsetzung der Ligaspiel-Serie ohne Niederlagen (vier Siege und ein Unentschieden seit dem knappen 21:22 beim BvB im September) nicht unbedingt zu erwarten … Diese „Feiertags-Spiele“ sind traditionell immer besonders gut besucht – auch wir starteten am 27.12. kurz vor Mittag zu acht im vollen Bulli der „Lippischen“ Richtung Thüringen.
Während in Blomberg bei der Abfahrt gerade die Sonne herausgekommen war, lag gut zwei Stunden später an der Landesgrenze zwischen Hessen und Thüringen alles im dichten Nebel. Hier befindet sich nordöstlich von Bad Sooden-Allendorf an der Werra das Grenzmuseum Schifflersgrund, das schon 1991 eröffnet wurde und einen umfassenden, sehr detaillierten Überblick über das System der Grenzsicherung der DDR gibt. Wir hatten uns über dieses Thema ja bereits vor gut drei Jahren im Berliner Mauermuseum am „Checkpoint Charlie“ informiert, aber während es dort vor allem um die abenteuerlichen und teilweise spektakulären Fluchtwege von DDR-Bürgern geht, stehen im Grenzmuseum eher die Entwicklungen in Deutschland vom Kriegsende bis zum Ausbau der Grenzbefestigungen 1961 und das unspektakuläre Alltagsleben in den Orten der Region hinter dem „Eisernen Vorhang“ im Mittelpunkt. Man erfährt vom Schmuggel mit Handkarren zwischen den Besatzungszonen direkt nach Kriegsende, vom Aufbau der Grenzbefestigungsanlagen und den damit verbundenen Umsiedlungen. Immer wieder kommen dabei Zeitzeugen aus der Region zu Wort.
Neben einer brandneuen Dauerausstellung mit Original-Exponaten, Fotos, Schautafeln und Videos gibt es ein Außengelände, in dem ein Beobachtungsturm und fast ein Kilometer Grenzzaun mit Kontrollstreifen und Kolonnenweg im Originalzustand erhalten sind. Auch Fahrzeuge und Helikopter der Grenztruppen auf beiden Seiten werden ausgestellt. Alles in allem ein wichtiges und – gerade weil es so unspektakulär daherkommt – beeindruckendes Museum, das die Erinnerung an die Jahrzehnte der deutschen Teilung vor dem langsamen Vergessen bewahren soll. Der nasskalte Nebel lud nicht gerade zum Freiluft-Picknick ein – zum Glück durften wir unsere verspätete Mittagspause mit Brötchen, Käse und Jagdwurst ins gut beheizte Eingangs- Foyer des Museums verlegen. Gestärkt machten wir uns anschließend auf die Weiterfahrt nach Bad Langensalza.
Bei unserer Ankunft hatte die Salzahalle noch nicht geöffnet, aber die ersten Thüringer Bratwürste waren schon fertig und fanden schnell Abnehmer – eine leckere Thüringer geht immer! Trotz bestätigter Voranmeldung hieß es zunächst, dass für einen Teil unserer Gruppe nur noch Stehplätze frei wären, aber am Ende fanden wir alle in den obersten Reihen des Gästeblocks einen freien Sitzplatz. Die Salzahalle war mit 1.624 Zuschauern so gut wie ausverkauft, entsprechend laut war die Unterstützung von den Rängen für die Heimmannschaft. Auf Blomberger Seite fiel Nieke leider mit einer Erkältung aus – sie wurde im Spielverlauf schmerzlich vermisst. Ein erstes Highlight – Onas Kempa-Versuch in der 11. Minute beim Stand von 3:3 – brachte leider keinen zählbaren Erfolg. Dafür gab es in der Anfangsphase gleich mehrere schöne Schlagwurf-Tore von Laetitia und Andrea zu sehen. In einem insgesamt torarmen Spiel konnte die HSG bei Onas 6:6 in der 21. Minute zum letzten Mal ausgleichen. Gut zwei Minuten später gelang Ida dann beim 8:7-Anschlusstreffer ein echter Knaller aus dem Rückraum – leider gab es davon im Spielverlauf nur wenige, denn immer wieder blieben unsere Rückraumspielerinnen im Innenblock des THC hängen. Der Halbzeitstand von 12:9 für die Gastgeberinnen spiegelte die engagierte Abwehrarbeit beider Teams und die Vielzahl an Paraden von Dinah Eckerle und Melanie Veith wider.
Obwohl Melanie in den ersten 30 Minuten wie eigentlich immer ein starker Rückhalt gewesen war, kam in der 2. Hälfte Zoe für sie ins Tor. Halbzeit zwei begann mit mehreren schönen Treffern beider Teams von den Außenpositionen, und nach und nach konnte der THC seinen Vorsprung bis auf sechs Tore ausbauen. Die Torhüterinnen auf beiden Seiten zeigten auch weiterhin viele gute Aktionen und konnten sich außerdem beide mit Würfen quer übers ganze Feld ins leere gegnerische Tor in die Torschützenliste eintragen: Dinah Eckerle beim 18:12 in der 42. Minute, Zoe Ludwig 13 Minuten später beim 20:17. Trotz des zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstands hielt die HSG bis zur letzten Minute voll dagegen und konnte mit einem 4:0-Lauf mit Toren von Laetitia, zweimal Ona und Zoe vom 20:14 noch einmal bis auf 20:18 drei Minuten vor Spielende verkürzen. Ging da noch was? In den Schlussminuten war dann auf beiden Seiten „jeder Schuss ein Treffer“ – das letzte Tor der Partie erzielte Judith zehn Sekunden vor Abpfiff zum 23:21- Endstand.
Beste HSG-Torschützin war wieder einmal Ona mit fünf Toren – auch Johanna Reichert von THC kam diesmal „nur“ auf fünf Treffer, beim letzten Aufeinandertreffen in Bad Langensalza im Mai waren es noch 14 gewesen! Niederlage hin oder her – beim THC kann man verlieren und der Einsatz aller HSG-Spielerinnen hat gestimmt. Spielentscheidend war letztlich die fehlende Durchschlagskraft im Angriff, besonders aus dem Rückraum. Hier hat Nieke eindeutig gefehlt, aber eine Erkältung ist ja bald auskuriert und im neuen Jahr greifen wir national und international wieder voll an. Apropos „international“: Der Thüringer HC ist mit zwei Siegen gegen das ja auch in Blomberg nicht unbekannte ungarische Team aus Vác in die European League-Gruppenphase eingezogen und hat nun im Januar und Februar mit den Gegnern aus Braila/Rumänien, Larvik/Norwegen und Elche/Spanien deutlich mehr Reise-Stress vor sich als die Blombergerinnen. Und ein Aufeinandertreffen ist frühestens beim FinalFour in Graz möglich …!
Wir packten unsere Sachen und machten uns durch den thüringischen Nebel auf den Rückweg ins sternenklare Blomberg, wo wir gegen 0:30 Uhr ankamen und uns beim Freikratzen unserer Autos warmhalten konnten. Die Trommeln ließen wir gleich im Bulli, denn schon zwei Tage später waren wir wieder damit unterwegs, diesmal Richtung Ludwigsburg. Vielen Dank an unseren Fahrer Eckard!
Nur drei Tage nach dem Unentschieden in Oldenburg stand für die HSG am 16. November zum Abschluss von zwei „Englischen Wochen“ das fünfte und letzte November-Spiel innerhalb von 16 Tagen auf dem Programm: das Rückspiel in der dritten EHF European League-Qualifikationsrunde bei den „TuSsies“ in Metzingen. Das Hinspiel hatte Blomberg bekanntlich mit 30:21 gewonnen und sich im innerdeutschen Duell einen sehr komfortablen Vorsprung erarbeitet. Gerade weil wir beim Auswärtsspiel in Belgrad in der zweiten Quali-Runde nicht dabei gewesen waren, wollten wir diesmal unbedingt unser Team beim letzten Schritt in Richtung Gruppenphase unterstützen und fuhren am Samstagmorgen um 9 Uhr zu siebt mit zwei Trommeln, einer Snare und einer Tröte im Bulli der „Lippischen“ los Richtung Süddeutschland.
Wir freuten uns besonders auf das erneute Wiedersehen mit Nele Franz, die bekanntlich seit dieser Saison eine „TuSsie“ ist und die uns auf unsere Nachfrage schon vor der Fahrt eine Metzinger Pizzeria empfohlen hatte. Unser erstes Ziel war aber wieder die „Outlet City“ und hier speziell die beiden Shops von Haribo und Lindt, die wir schon in der letzten Saison „heimgesucht“ hatten und deren Umsatzzahlen wir auch diesmal nicht unwesentlich in die Höhe getrieben haben. Anschließend meldete sich dann doch der Hunger, aber Neles Tipp war leider schon komplett ausgebucht. Deshalb kehrten wir wie in der letzten Saison in einem deutschen Restaurant am Marktplatz zu Suppe, Schnitzel oder Maultaschen ein. Von dort ging es dann zur Öschhalle, die noch gar nicht geöffnet hatte. Also machten wir erst mal ein paar Fotos und begrüßten den „HSG-Express“ bei seiner Ankunft mit unserer Mannschaft. Anders als in der Vorsaison bekamen wir diesmal sehr schöne Haupttribünen-Plätze direkt am Spielfeldrand – allerdings war die Öschhalle damals auch so gut wie ausverkauft gewesen, während an diesem Samstagabend gerade mal 320 Zuschauer den Weg in die Halle gefunden hatten. Darunter waren auch einige weitere HSG-Fans: Unsere Torhüterin Zoe hatte familiären Support aus der Heimat bekommen.
Wie drei Tage zuvor in Oldenburg suchten wir auch in Metzingen vergeblich nach einem gedruckten Hallenheft – die gibt es bei beiden Clubs inzwischen nur noch digital zum Download, schade eigentlich! Genau wie die HSG ist auch der TuS Metzingen ein sehr familiärer Verein: So wurde der Spielball von Levi, dem kleinen Sohn von Metzingens langjähriger Kapitänin und 105-fachen Nationalspielerin Marlene Kalf, mit einem Tretauto zum Anwurfkreis gebracht. Was wir – die wir die Schiedsrichterleistungen in der Bundesliga öfter mal mit wohlmeinenden Ratschlägen konstruktiv begleiten – auch unbedingt erwähnen möchten: Die beiden jungen dänischen Unparteiischen leiteten das Spiel völlig unauffällig und souverän, ebenso wie ihre zwei norwegischen Kollegen das Hinspiel in Blomberg. Wer international pfeifen darf, besitzt doch noch mal eine andere Qualität.
Das Spiel begann zäh und torarm – nach 11 Minuten stand es gerade einmal 3:3. Nach einem HSG-Dreierpack verpuffte die erste Metzinger Auszeit ohne jegliche Wirkung und was dann in der zweiten Hälfte der 1. Halbzeit auf dem Spielfeld passierte, konnten wir kaum glauben: Bei den Blombergerinnen klappte einfach alles, sie erzielten vorn Tore nahezu im Minutentakt und profitierten dabei oft von Ballverlusten der Tussies im Angriff, die gegen die HSG-Abwehr und Melanie im Tor einfach keine Mittel fanden. Wo blieb die erwartete Metzinger Aufholjagd? Nach noch nicht mal 20 Minuten nahm deren Trainer Peter Woth schon seine zweite Auszeit – auch sie änderte nichts an der Blomberger Überlegenheit. Steffen konnte früh mit dem Durchwechseln anfangen und Ida bedankte sich noch vor der Pause gleich mal mit einem Doppelpack. Nach 30 Minuten stand ein nie für möglich gehaltenes 7:20 auf der Anzeigentafel – in der Pressekonferenz nach dem Spiel sprach Steffen dann auch von einer fast perfekten ersten Halbzeit der HSG. Zu diesem Zeitpunkt stand das Weiterkommen im europäischen Wettbewerb längst außer Frage – die Tussies hätten in den verbleibenden 30 Minuten 23 Tore gegenüber der HSG aufholen müssen!
Dass sie zumindest den Versuch dazu unternahmen und in der 2. Halbzeit völlig anders auftraten, spricht für die Einstellung der Metzingerinnen. Gegen eine HSG, die angesichts der mehr als deutlichen Führung nun plötzlich überhaupt keinen Zugriff in der Abwehr mehr fand, gelang ihnen ein 7:0-Lauf vom 9:22 bis zum 16:22. Das Spiel komplett aus der Hand geben wollte Steffen aber doch nicht: Er nahm nach 40 Minuten eine Auszeit und brachte Nieke und Laetitia zurück auf die Platte. Dadurch stabilisierte sich die Abwehr und es wurde nun auch vorn wieder getroffen. Von da an pendelte der HSG-Vorsprung bis zum Spielende zwischen fünf und neun Toren. Den Schlusspunkt unter ein historisches Spiel setzte Diana mit einer für sie typischen Energieleistung: Nur wenige Sekunden nach dem Metzinger 27:34 erzielte sie quasi mit dem Abpfiff noch schnell den Endstand von 27:35. Am Ende hatten alle elf HSG-Feldspielerinnen mindestens einen Treffer erzielt – beste Schützinnen waren Nieke und Ona mit jeweils sechs Toren.
Der Blomberger Jubel auf dem Feld, der Bank und in unserer Tribünenecke kannte keine Grenzen – schade nur, dass dieses Spiel für die daheimgebliebenen HSG-Fans nirgends übertragen oder gestreamt wurde! Wir gratulierten unserem siegreichen Team, machten noch ein gemeinsames Foto und verabschiedeten uns von Nele. Anschließend wurde unser Bulli kurzerhand für ein spontanes „Late Night Shopping“ der HSG-Geschäftsführung zum Ausweiten des Getränkeangebots im Mannschaftsbus (die Rückfahrt von Metzingen nach Blomberg ist bekanntlich lang …) zweckentfremdet. Danach machten wir uns langsam auf den Heimweg und passierten – mit einer Pause unterwegs – schließlich gegen 3:30 Uhr nachts kurz hinter Steinheim wieder die lippische Grenze. Unser aller Dank gilt unseren Fahrern Axel und Katrin!
Damit hat die HSG den erfolgreichen Oktober im November tatsächlich noch mal getoppt, trotz des überaus knackigen Programms in fünf Spielen gegen namhafte Gegner nur einen einzigen Punkt abgegeben und neben dem Pokal-FinalFour in Stuttgart auch erstmals die Gruppenphase in der EHF European League mit sechs weiteren internationalen Spielen erreicht. Ob es sich dabei wirklich um den größten Erfolg der Vereinsgeschichte handelt, wie einige Zeitungen schrieben, ist angesichts der Viertelfinal-Teilnahme im damaligen europäischen Pokalsieger-Wettbewerb 2014/2015 eher zweifelhaft, aber zumindest ist es der größte Erfolg in den letzten zehn Jahren – und wir waren dabei!
Foto: Gunar Fritzsche
Bei einem solchen Flow wie im Moment kommt die EM-Pause eigentlich zum falschen Zeitpunkt. Wir drücken natürlich allen EM-Fahrerinnen der HSG die Daumen, wünschen viel Einsatzzeit und maximalen sportlichen Erfolg ohne irgendwelche Blessuren oder Verletzungen. Besonders freuen wir uns auf das Vorrundenspiel Deutschland-Island am 3. Dezember um 20.30 Uhr. Mal sehen, wie wir das mit unserem monatlichen Fanbase-Treffen am selben Abend unter einen Hut kriegen …! Natürlich blicken wir auch schon voraus auf die kommenden europäischen Aufgaben der HSG und die eine oder andere weitere (im doppelten Sinn „weitere“ …) Auswärtsfahrt. Das einzige, was einem dabei etwas Sorgen macht, ist der verglichen mit anderen Mannschaften in der European League doch recht kleine Kader, der im Januar und Februar fast am Stück sechs „Englische Wochen“ absolvieren wird, direkt gefolgt vom Stuttgarter FinalFour. Aber die tolle HSG-Truppe wird auch diesen Kraftakt meistern!
Durch die Terminierung des European League-Rückspiels in Metzingen war die Bundesliga- Auswärtspartie der HSG beim VfL Oldenburg vom Sonntag 17.11. auf Mittwoch 13.11. vorgezogen worden. Trotz dieses eher ungünstigen Termins fanden sich acht Fanbase-Mitglieder, die kurz nach Mittag – und kurz vor der Mannschaft – in Blomberg zur Auswärtsfahrt nach Norden aufbrachen. Wir alle waren gespannt, wie sich unsere HSG nach den jüngsten Heimerfolgen in drei Wettbewerben gegen Bensheim, Oldenburg und Metzingen dieses Mal auswärts beim VfL schlagen würde, wo es in den vergangenen Jahren nichts Zählbares zu holen gab. Wir kamen gut durch und machten bei der Raststätte „Dammer Berge“ an der A1 eine Pause; etwas später fuhr dort auch der „HSG-Express“ vor. Wie in den letzten Jahren blieb in Oldenburg auch diesmal vor dem Spiel noch genug Zeit für ein Getränk im schicken Bistro der erst 2019 erbauten Jugendherberge direkt gegenüber der „Kleinen EWE-Arena“ mitten in der Stadt. Dann holten wir unsere Instrumente aus dem geparkten Dux-Bus und marschierten über den roten Teppich zum Halleneingang.
Kurzer Rückblick: Eine Woche zuvor beim Pokal-Viertelfinalspiel in Blomberg hatten Oldenburgs Trommler ihre Trommelschlegel vergessen und wir hatten ihnen für das Match vier unserer Ersatzschlegel ausgeliehen. Im Gegenzug bekam unsere gesamte Gruppe in Oldenburg freien Eintritt zum Spiel – eine großzügige Geste, für die wir uns herzlich bedanken. Die Story wurde sogar vom VfL-Hallensprecher vor Spielbeginn nochmal extra erwähnt. In der „Kleinen EWE- Arena“ dann die große Überraschung: Unsere Freikarten-Plätze lagen nicht wie gewohnt im Block Q direkt hinter den elektronischen Werbebanden am Spielfeldrand, sondern relativ weitab vom Schuss im darüber liegenden Block T. Diese Plätze erinnerten fatal an den ungeliebten Gästeblock J in Leverkusens Ostermann-Arena, zumal die Platzierung der Trommeln hier ähnlich schwierig war. Dreieinhalb Wochen zuvor beim vorherigen VfL-Heimspiel, dem Nordderby gegen den Buxtehuder SV, saßen die Trommler vom Buxte-Fanclub „Has‘ und Igel“ noch im üblichen Block Q in der ersten Reihe. Erst die kommenden Oldenburger Heimspiele werden deshalb zeigen, ob man diesmal einfach die Gunst der Stunde genutzt hat – einem geschenkten Gaul schaut man ja bekanntlich nicht ins Maul – oder ob es sich um eine dauerhafte Änderung handelt. In jedem Fall waren wir alles andere als begeistert …
Zum Spiel: Die 1.282 Zuschauer in der für einen Mittwochabend gut besuchten Arena sahen zunächst ein ausgeglichenes Match mit wechselnden Führungen, in dem Melanie im HSG-Tor zum Glück sofort auf Betriebstemperatur war. In der 17. Minute lag der VfL nach Pam Korstens Tor zum 9:7 erstmals mit zwei Toren vorn. Mit zunehmender Spieldauer schlichen sich nun immer mehr technische Fehler und überhastete Torabschlüsse in das Blomberger Spiel. Zusammen mit größer werdenden Lücken in der HSG-Abwehr konnten die Gastgeberinnen deshalb zwischenzeitlich beim 15:10 in der 26. Minute auf fünf Treffer wegziehen. Bis zur Pause gelang es durch Tore von zweimal Ona, Nieke und Laetitia, den Rückstand auf 17:14 zu verkürzen. In der 2. Spielhälfte robbte sich die HSG dank einer nun wieder griffigeren Abwehr langsam näher an die weiterhin vorn liegenden Gastgeberinnen heran, scheiterte aber auch mehrere Male frei an deren Torhüterin Madita Kohorst. Onas Treffer zum 23:23 in der 45. Minute sorgte schließlich für den Ausgleich und eine Auszeit von Oldenburgs Trainer Niels Bötel. Eine Minute später lag die HSG sogar durch Laetitias Tor mal wieder in Führung, wenn auch nicht lange … In Minute 54 war erneut der VfL mit zwei Treffern vorn, in Minute 57 auch noch. Was dann folgte, war nichts für schwache Nerven: Zunächst ein Doppelpack von Judith und Laetitia innerhalb weniger Sekunden, dann eine Oldenburger Zeitstrafe und Judiths Führungstreffer zum 28:29. Noch gut anderthalb Minuten zu spielen – uns hielt schon lange nichts mehr auf den Sitzen: Sollte die HSG hier tatsächlich noch als Sieger vom Feld gehen? 62 Sekunden vor Spielende hatte Alexia die Entscheidung in der Hand, aber der Ball landete am Oldenburger Pfosten! Im Gegenzug machte der VfL den Ausgleich, doch die HSG hatte noch einmal Ballbesitz bei einer Dreiviertelminute Restspielzeit auf der Uhr. Die Sekunden verstrichen und kurz vor Abpfiff nahm sich Nieke schließlich den entscheidenden Wurf, der jedoch geblockt wurde: Damit blieb es bei der 29:29- Punkteteilung.
Einmal mehr beste HSG-Torschützin war Ona mit 10 Treffern, darunter diesmal acht Feldtore – sieben davon plus zwei Siebenmetertore allein in der 1. Halbzeit! Zu Recht wurde sie dafür später in Blomberg zum „Player of the Match“ ernannt. Auffälligste VfL-Spielerin neben der achtfachen „Torschützin vom Dienst“ Toni Reinemann war Rechtsaußen Pam Korsten, die auch den letzten Treffer des Spiels zum 29:29 markiert hatte. Das Duell der Torhüterinnen entschied diesmal Oldenburgs Madita Kohorst für sich. Unter dem Strich war das Unentschieden sicher gerecht: Der VfL hatte die meiste Zeit in Führung gelegen, andererseits hatte die HSG in den letzten Minuten sogar die Möglichkeit gehabt, das Spiel zu gewinnen. So sahen es auch beide Trainer in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Anschließend packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Heimweg nach Lippe – wegen eines Unfalls auf der Autobahn diesmal über diverse Bundesstraßen beiderseits der Weser. Das ging etwa genauso schnell wie die Hinfahrt über die Autobahn: Gegen viertel vor zwölf nachts waren wir nach einem überaus spannenden Handballspiel zurück in Blomberg.