Fanbase-Wochenende in Reykjavik (Teil 2)

Als wir am Sonntag nach dem Frühstück gegen 9 Uhr von unserem Hotel in Richtung Naturkundemuseum „Perlan“ aufbrachen, begann es im Osten gerade langsam zu dämmern – Sonnenaufgang war erst eine Stunde später um 10 Uhr. Der Himmel war größtenteils klar, und das Wetter versprach besser als am Vortag zu werden.

Unser Weg führte direkt an der „N1 höllin“ vorbei, wo am späten Nachmittag um 17 Uhr das Spiel beginnen würde. Die Valur-Sporthalle für 1.800 Zuschauer bildet mit der Tribüne des angrenzenden Fußballstadions eine architektonische Einheit – so ist der VIP-Raum für Handball- und Fußballspiele gleichermaßen nutzbar und hat Fenster zu beiden Seiten.

Der Name „höllin“ hat übrigens nichts mit „Hölle“ zu tun (Beispiel „Hölle Nord“ in Buxtehude), sondern bedeutet auf isländisch tatsächlich einfach nur „Halle“.

Von dort war es nicht mehr weit bis zum interaktiven Naturkundemuseum „Perlan“, das auf einem Hügel liegt und in die sechs Tanks eines ehemaligen Warmwasserspeichers integriert wurde. Wir näherten uns von der Rückseite:

Der Begriff „Museum“ ist für „Perlan“ – eine der Hauptattraktionen Reykjavíks – eigentlich irreführend, „Multimedia-Show zur Wissensvermittlung“ trifft es besser. Zum Beispiel gibt es für alle, die es in den Sommermonaten nicht bis in die Westfjorde schaffen, eine naturgetreue Nachbildung der Vogelklippen von Látrabjarg, des größten Vogelfelsens Europas:

Weitere Highlights sind zwei Multivisions-Filme über Vulkanismus – beim zweiten, der brandneu ist und noch gar nicht beworben wird, taucht man zunächst 2.000 m ins Erdinnere ab und wird dann mit der glühenden Lava buchstäblich wieder „ausgespuckt“ – spektakulär! Anschließend kühlten wir uns in der Gletschereishöhle bei -10 bis -15°C ab (schicke HSG-Mütze, Thomas!):

Von der Dachterrasse überblickt man die ganze Stadt – besonders gefiel uns die Aussicht nach Norden mit den Bergen im Hintergrund (das linke der drei Hochhäuser war übrigens das Mannschaftshotel der HSG).

Zum Abschluss gab es im Planetarium noch die leicht mystisch angehauchte Nordlicht-Show mit tollen Aufnahmen zu sehen.

Fazit: Ein Besuch in „Perlan“ lohnt sich. Noch schnell ein Foto von der Vorderseite mit dem Haupteingang, bevor wir uns auf den Rückweg zu unserem Hotel machten:

Unterwegs kamen wir in einem kleinen Park an einer Kuh aus Holz vorbei, die auch unbedingt aufs Bild wollte:

Wir lagen gut in der Zeit, und weil das Wetter inzwischen richtig sonnig geworden war, drehten wir eine kleine „Extrarunde“ zur Skulptur „Sun Voyager“, am Wasser entlang bis zum Konzerthaus „Harpa“.

Auf dem Rückweg durch die Fußgängerzone „Laugavegur“ holten wir uns leckere Sandwiches in einer Bäckerei, dann radikalisierten wir uns und spazierten anschließend langsam zur „N1 höllin“.

Die Halle war bei unserer Ankunft schon geöffnet, und wir wurden auch hier wieder sehr freundlich begrüßt. Die demontierbaren Sitzreihen auf den ausziehbaren Tribünen waren etwas wackelig, und manche Plätze auf den abgesperrten Hintertor-Tribünen sahen aus, als ob dort der Co- Trainer eines thüringischen Frauenhandball-Erstligisten gesessen hätte, aber uns gefiel vor allem das großzügige Platzangebot im Foyer. Und dank des Hallen-DJs von Valur weiß man jetzt auch in Island, wie die Mutter von Niki Lauda heißt!

Ob hinter den unterschiedlichen Größen der Nationalflaggen ein tieferer Sinn steckte, entzieht sich unserer Kenntnis:

Für deutsche Verhältnisse undenkbar: Die Valur-Spielerinnen mussten für die Kosten ihrer European League-Teilnahme selbst aufkommen. Dazu gab es im Vorfeld verschiedene Aktionen, unter anderem wurden neben „normalen“ auch fünfmal so teure „Unterstützer-Tickets“ verkauft, und zwei Tage vor dem Rückspiel gab es mittags im Sporthallen-Foyer „Europa-Schnitzel“, deren Erlös ebenfalls der Mannschaft zu Gute kam. Für uns HSG-Fans war ein ganzer Block freigehalten und mit Flatterband abgesperrt worden. Mit nur 382 Zuschauern war das Spiel nicht gerade gut besucht – aber unser Block füllte sich, vor allem dank der Familien und Freunde unserer drei Isländerinnen und Familie Leidt aus Blomberg. Am Ende hatten sich dort über 20 HSG-Supporter versammelt, viele sogar schon in den neuen Trikots dieser Saison.

Beide Mannschaften standen bereit, es konnte also losgehen. Élin wurde beim Einlaufen an ihrer alten Wirkungsstätte von den Heimfans mindestens so laut begrüßt wie die aktuellen Valur-Spielerinnen.

Irgendwie schien die HSG zu Spielbeginn noch nicht so ganz auf dem Platz zu sein, denn schnell stand es 3:0 für die Heimmannschaft, und erst in der 8. Minute kam Blomberg durch Diana zum ersten Treffer. Nach 16 Minuten stand es 6:6 Unentschieden, und genau wie im Hinspiel in Blomberg konnte sich die HSG danach mit einem 5:0-Lauf bis zum 6:11 absetzen. Leider endeten damit aber die Gemeinsamkeiten zwischen Hin- und Rückspiel, denn weiter als auf fünf Tore ließ Valur die HSG diesmal nicht davonziehen. Zum Seitenwechsel führten die Gäste aus Blomberg mit 10:14. Bei den Isländerinnen lief wieder viel über die zwei Nationalspielerinnen Lovísa Thompson und Thea Imani Sturludóttir im linken bzw. rechten Rückraum. Auch Valurs Torhüterin Hafdís Renötudóttir zeigte – anders als in Blomberg – diesmal mit insgesamt 17 Paraden, darunter zwei gehaltenen Siebenmetern, ihr ganzes Können. Im Torhüterduell war sie damit klare Siegerin, denn während Nicole in der ersten Halbzeit mit sieben Paraden noch mithalten konnte, bekamen in Hälfte zwei zunächst Melanie und in der Schlussphase Lara nicht mehr oft die Finger an den Ball.

Die Vier-Tore-Pausenführung der HSG hatte in der 38. Minute weiterhin Bestand, doch dann schmolz der Vorsprung wie Gletschereis am Vatnajökull im kurzen isländischen Sommer: Viele leichte Blomberger Ballverluste, Fehlwürfe und technische Fehler führten dazu, dass Valur in der 58. Minute zum 21:21 ausgleichen konnte. Am Ende hätte die HSG das Spiel sogar noch verlieren können, denn weniger als eine Minute vor Abpfiff eroberten die Isländerinnen beim Stand von 22:22 den Ball, vertändelten ihn aber 20 Sekunden vor Spielende wieder vor dem Blomberger Kasten. Im Gegenzug scheiterte die HSG dann noch zweimal an Valurs Torhüterin – es blieb damit beim Unentschieden, das die Heimmannschaft zu Recht wie einen Sieg feierte. Unter dem Strich war der Favorit damit aber locker weitergekommen, und das Spiel sollte man aus Blomberger Sicht einfach schnell abhaken! Nach einem gemeinsamen Foto von Mannschaft und Fans gingen wir langsam zurück Richtung Hotel. Lustig: Zur Feier des Hauptrundeneinzugs wurde an diesem Abend sogar die Hallgrimskirkja in den HSG-Farben blau-weiß-rot angestrahlt – vielleicht sollten es aber auch einfach nur die isländischen Nationalfarben sein …

Auf jeden Fall schmeckte der Hot Dog an der benachbarten Pylsur-Bude gleich doppelt gut!

An diesem Abend war frühes Schlafengehen angesagt, denn am Montag mussten wir schon um 3.45 Uhr auschecken und uns auf den Weg zum Busbahnhof machen, um den ersten Shuttlebus nach Keflavík zu erwischen. Dort trafen wir den größten Teil der HSG-Mannschaft, die denselben Flieger zurück nach Frankfurt nahm wie wir – nur unsere drei Isländerinnen blieben für die WM- Vorbereitung gleich vor Ort. Der Rückflug und die anschließende Rückfahrt nach Blomberg verliefen problemlos. Wir vier hatten eine tolle Zeit in Reykjavík, haben dort in der kurzen Zeit viel gesehen und erlebt und außerdem sehr gut gegessen – so kann die European League-Saison weitergehen!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Fanbase-Wochenende in Reykjavik (Teil 1)

Die European League-Saison 2025/26 begann für die HSG-Fanbase gleich mit einem Rekord: 5.500 km hatten wir bisher noch nie zurückgelegt, nur um uns ein Spiel anzusehen – dagegen verblassten auch unsere Touren nach Vác oder Mosonmagyaróvár! Zu viert (Ute, Monika, Thomas und Uwe) fuhren wir am frühen Freitagmorgen mit dem Auto nach Frankfurt, wo mittags unsere Icelandair-Maschine Richtung Norden startete. Nach der Landung auf dem Flughafen Keflavík ging’s per Shuttlebus knapp 50 km bis zum Busbahnhof in der Innenstadt von Reykjavík und anschließend von dort zu Fuß steil bergauf zu unserem Hotel direkt gegenüber der Hallgrimskirkja, dem Wahrzeichen der Stadt. Schnell stellten wir fest: Hier in Island war das Weihnachtsfieber bereits voll ausgebrochen.

Wir unternahmen noch einen kurzen Spaziergang zur 1990 aus Edelstahl am Meer errichteten Skulptur „Sun Voyager“, bevor wir unseren Anreisetag mit einem leckeren Abendessen in einem unscheinbaren, aber zu Recht hervorragend bewerteten kleinen Restaurant in der Nachbarschaft namens „Þrír Frakkar“ abschlossen.

Für den Samstag hatten wir uns ein Programm zurechtgelegt, um die wenigen Stunden Tageslicht – die Sonne ging um diese Jahreszeit erst gegen zehn Uhr morgens auf und nach weniger als sechseinhalb Stunden schon wieder unter – bestmöglich zu nutzen. Wir starteten einmal über die Straße, wo direkt gegenüber unseres Hotels „Leifur Eiríksson“ ein Standbild des Namensgebers errichtet worden war, der um das Jahr 1000 vermutlich als erster Europäer von Grönland kommend Amerika betreten hatte.

Die Hallgrimskirkja, deren Bau ganze 41 Jahre gedauert hatte, beeindruckte uns mit ihrem minimalistischen Einrichtungsstil und der majestätischen Orgel, einer der größten Europas.

Absolutes Highlight war aber der tolle Rundumblick über die ganze Stadt vom 73 m hohen Turm. Nicht nur unsere weiteren „Programmpunkte“ des Tages, sondern in entgegengesetzter Richtung auch „Perlan“ und die „N1 höllin“, unsere Ziele vom Sonntag, waren von dort aus gut zu sehen.

Jede Viertelstunde wird es dort oben richtig laut, wenn je nach Uhrzeit eine oder mehrere der 32 großen und kleinen Glocken im Glockenstuhl schlagen.

Von der Hallgrimskirkja gingen wir durch eine der Haupteinkaufsstraßen mit vielen kleinen Geschäften zu unserem nächsten Ziel, dem Rathaus. Unterwegs begegnet man auf Schritt und Tritt interessanten Kunstwerken – hier „der unbekannte Bürokrat“:

Das moderne Rathaus wurde 1992 am Stadtteich fertiggestellt. Im Innern war leider das über 75 m² große 3D-Relief Islands gerade wegen einer Veranstaltung abgebaut worden.

Nur eine Ecke weiter kommt man zum unscheinbaren Parlamentsgebäude von 1881 und der kleinen Domkirche direkt daneben.

Anschließend sahen wir uns in der Besiedlungsausstellung die 2001 bei Bauarbeiten zufällig gefundenen Überreste eines Bauernhofs aus dem 10. Jahrhundert an, die man an Ort und Stelle belassen und einfach überbaut hat.

Unterirdisch geht es drei Häuser weiter zum zweiten Teil der Ausstellung, in der man viel über das Leben in Reykjavík vor gut 100 Jahren erfährt. Auch einen Kaufmannsladen aus dem letzten Jahrhundert findet man dort. Interessant dabei, dass schon damals so gut wie alle Waren aus Europa bzw. Amerika importiert werden mussten.

Auch hier in der Innenstadt waren die Weihnachtsvorbereitungen bereits abgeschlossen worden.

Wir gingen weiter zum Hafen, wo unter anderem die letzten zwei Walfangboote Islands beschäftigungslos und mit abgebauten Harpunen am Kai lagen und auf die nächste Fangsaison warteten.

Zu Mittag aßen wir im „Kaffivagninn“, dem nach eigenen Angaben mit 90 Jahren ältesten Restaurant Islands, während es draußen gerade ordentlich regnete. Auch hier gab es wieder leckeren Fisch in allen Variationen. Pünktlich zu unserem Aufbruch ließ auch der Regen wieder nach – perfektes Timing! Als nächstes besuchten wir einen Indoor-Flohmarkt, der nur samstags und sonntags geöffnet hat und wo teilweise sehr skurrile Dinge angeboten wurden – gibt es in Island wirklich einen Markt für Armbinden mit der Aufschrift „Helfer der Volkspolizei“? Neben solchen und anderen typischen Flohmarktwaren findet man dort aber auch kulinarische Spezialitäten wie Walfleisch, Pferdewurst oder fermentierten Hai. Nur einen Steinwurf (oder zwei) entfernt liegt das 2011 eröffnete Opern- und Konzerthaus „Harpa“ mit seiner interessanten Glasfassade, dessen Foyer für alle zugänglich und dazu noch architektonisch sehr interessant ist.

Im Keller des Gebäudes ließen wir uns im 4D-Kino „Volcano Express“ mit phantastischen Aufnahmen des Vulkanausbruchs nahe Reykjavík vom Frühjahr 2021 knapp zehn Minuten lang ordentlich durchschütteln.

Inzwischen war es draußen dunkel geworden – aber auch jetzt gab das hell erleuchtete Konzerthaus wieder ein tolles Fotomotiv ab:

Zum Abendessen hatten wir Plätze in der „Íslenski Barinn“ reserviert, die bei Einheimischen und Besuchern offenbar besonders beliebt ist – und eine unglaublich lange Getränkekarte besitzt! Die Reservierung machte sich bezahlt, denn so konnten wir einfach an der langen Warteschlange im Eingang vorbeigehen. Auch hier musste man als Nicht-Isländer erst mal umschalten: „Last Christmas“ und Bedienungen mit Weihnachtsmützen sind Mitte November hierzulande doch noch etwas ungewohnt. Neben Fisch, Lamm und einheimischem Bier kam auch das inoffizielle Nationalgetränk „Brennivín“, ein auch als „schwarzer Tod“ bekannter Aquavit, auf den Tisch – da konnten uns auch die heftigen isländischen Preise nicht abschrecken! Wie überall auf unserer Fahrt war auch hier das Essen wieder richtig lecker und die Portionen waren ordentlich – was will man mehr … Im Hotel ließen wir anschließend bei einem Absacker den Tag ausklingen.

Fortsetzung folgt …

Text und Fotos: Uwe Jakob

Göppingen: Zwei Tage, zwei Punkte

Nicht mal sieben Monate nach unserem letzten Besuch in Göppingen waren wir schon wieder da – erneut mit dem Bulli der „Lippischen“, der aber diesmal mit sieben statt sechs HSG-Fans besetzt war. Auf der Hinfahrt lagen wir dank des Feiertags in Süddeutschland so gut in der Zeit, dass wir uns bei einem kurzen Spaziergang in der Aalener Innenstadt die Beine vertreten konnten.

Anschließend folgten wir der Empfehlung von Fanbase-Mitglied Heike (danke dafür!) und fuhren im Besucherbergwerk „Tiefer Stollen“ in Aalen-Wasseralfingen ein, wo von 1608 bis 1939 Eisenerz abgebaut wurde.

Mit einer Grubenbahn ging es 400 m in den Braunenberg und von dort zu Fuß durch die verschiedenen Gänge und Stollen.

An unterschiedlichen Stationen erfuhren wir viel Neues über die Schritte von der Eisenerzgewinnung bis zum Roheisen und über die technische Entwicklung der Abbaumethoden. Auch eine (simulierte) Sprengung gehört zum Programm.

Beeindruckend, unter welch schwierigen Bedingungen die Bergleute dort früher gearbeitet haben – unsere grünen Schutzhelme erwiesen sich in den niedrigen Gängen jedenfalls als äußerst sinnvoll!

Danach wurde es Zeit für die letzte, knapp einstündige Etappe bis Göppingen. Nach schnellem Check-in im Hotel in der Innenstadt, wo wir auch schon im April übernachtet hatten, ging es gleich weiter zur EWS-Arena. Diesmal war auch der HSG-Express mit der Mannschaft gut durchgekommen und das Spiel konnte pünktlich starten.

Die Frisch Auf-Frauen hatten sich zu dieser Saison unter anderem mit der aus Dortmund gewechselten Japanerin Haruno Sasaki verstärkt. Sie erzielte allerdings an diesem Abend die meisten ihrer sieben Tore vom Siebenmeter-Strich und blieb aus dem Spiel heraus eher glücklos. In Minute 13 ging die HSG vor 1.817 Zuschauern bei Maxis 5:6 erstmals in Führung, aber fünf Minuten später führte die Heimmannschaft wieder mit 9:8. Zur Halbzeit lag beim 12:14 dann erneut die HSG mit zwei Toren vorn. Kurz nach Wiederanpfiff glich Frisch Auf noch einmal aus, doch danach konnte sich Blomberg nach und nach absetzen. Richtig deutlich wurde es dann in der Schlussviertelstunde, als die HSG aus einem 19:22 einen sehr komfortablen Zehn-Tore-Sieg mit 23:33 machte. Beste Blomberger Torschützin war wieder einmal Nieke mit sieben Treffern, aber auch Melanie im Tor war ihren Göppinger Kolleginnen klar voraus und wurde zur HSG- „Spielerin des Spiels“ ernannt. Die HSG geht also mit einem blütenweißen Punktekonto von 14:0 als Tabellenführer der Alsco HBF in die WM-Pause. Nur mal so zur Erinnerung: Vor neun Jahren war Blomberg nach sieben Ligaspielen der Saison 2016/2017 mit 0:14 Punkten Tabellenletzter …!

Anschließend ließen wir den Abend wieder wie beim letzten Mal im Brauhaus nahe beim Göppinger Bahnhof ausklingen.

Die Rückfahrt am Sonntag unterbrachen wir diesmal in Würzburg, wo wir uns bei einer wirklich hervorragenden Führung die Festung Marienberg hoch oben am linken Mainufer gegenüber der Altstadt von außen und innen ansahen. Obwohl momentan noch bis 2032 viel umgebaut wird, lohnt sich ein Besuch allein schon wegen der Panorama-Aussicht über den Main auf Würzburg.

Zu den Highlights der Führung gehörte der Blick in die Marienkirche im inneren Burghof – die älteste Kirche der Stadt.

Daneben steht der Brunnentempel mit dem 102 Meter tiefen Festungsbrunnen. Erstaunen beim Blick auf das Dach: Offenbar hat man schon vor Hunderten von Jahren Frauenhandball gespielt – wenn auch in recht nachlässiger Kleidung …:

Die Kasematten der Festung sind in den Wintermonaten für den Besucherverkehr gesperrt, dann ziehen dort die Fledermäuse zum Überwintern ein.

Zum Schluss schnell noch ein letztes Gruppenbild, bevor wir uns auf den Heimweg nach Blomberg machten:

Auch auf dieser Zweitagesfahrt hatten wir wie immer viel Spaß, haben ein schönes Handballspiel mit dem für die HSG „passenden“ Ergebnis gesehen und auf der Hin- und Rückfahrt unterwegs interessante Zwischenstopps eingelegt. Danke an unsere zwei Fahrer Christian und Mike!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Zwei Punkte aus Zwickau

Eine Woche nach dem Pokal-Achtelfinalsieg in Solingen ging es am 4. Oktober mit dem Bulli der „Lippischen“ in entgegengesetzter Richtung nach Osten zum Ligaspiel beim BSV Sachsen Zwickau. Durch eine kurzfristige krankheitsbedingte Absage waren wir diesmal nur zu fünft und hatten zwei große Trommeln und eine Snare im Gepäck. An unserem ursprünglichen Etappenziel, der Marienglashöhle Friedrichroda südöstlich von Eisenach, mussten wir feststellen, dass die nächsten beiden stündlichen Führungen durch die Tropfsteinhöhle bereits ausgebucht waren. Also fuhren wir weiter nach Weimar und sahen uns dort stattdessen das Schloss Belvedere, die vor fast 300 Jahren im Auftrag von Herzog Ernst August I. erbaute barocke Sommerresidenz der ehemaligen Herzöge von Sachsen-Weimar und Eisenach, mit seinen Gartenanlagen und der Orangerie an.

Auch Anfang Oktober blühten im Schlosspark, den wir bei dem trüben Wetter fast für uns allein hatten, noch viele Blumen.

Zum Schlosspark gehört auch ein „Russischer Garten“, der seinem Vorbild in St. Petersburg nachempfunden wurde.

Zu unserem Glück schafften wir es gerade noch rechtzeitig zurück zum Bulli, bevor ein sintflutartiger Regenschauer einsetzte. Auf der Landstraße kurz vor Zwickau überholten wir den „HSG-Express“; die Zeit vor Spielbeginn reichte noch für Kaffee und Kuchen in einem Baumarkt-Café unweit der Stadthalle, die seit dieser Saison „Sparkassen-Arena“ heißt. In der Halle angekommen, bezogen wir unsere Plätze im Oberrang und testeten das in Zwickau gewohnt vielseitige Angebot an Speisen und Getränken:

Zu diesem Foto gehört unbedingt der Satz „Bei der Fanbase wird ja nur ge…!“

Nur dank uns wurde die prestigeträchtige Marke von 1.300 Zuschauern geknackt, denn exakt 1.304 Besucher wollten das Spiel sehen. Darunter war auch eine Reihe weiterer HSG-Anhänger. Schon nach wenigen Minuten war klar: Zwickaus Neuzugang Silje Brøns Petersen hat seit ihrer Blomberger Zeit nichts verlernt und war gegen ihren ehemaligen Verein offenbar besonders motiviert. Mit ihren unverwechselbaren Schlagwürfen erzielte sie vier der fünf ersten Zwickauer Tore. Bis zum 12:12 nach gut 20 Minuten war es ein Spiel auf Augenhöhe, aber danach konnte sich die HSG bis zum Pausenstand von 15:19 langsam etwas absetzen. Zu Beginn von Hälfte zwei vergrößerte die HSG den Vorsprung weiter, unter anderem durch einen Doppelschlag von Nuria, die schon kurz vor der Pause den wichtigen Treffer zum 15:18 erzielt hatte. Zwickaus Abschlüsse waren nun nicht mehr so präzise, doch erst nach dem 17:24 in der 42. Minute packte deren Trainer Norman Rentsch das eigentlich schon von Anfang an oder zumindest viel früher erwartete Spiel 7-gegen-6 aus: Es blieb ohne große Wirkung – außer dass Melanie dadurch mit einem Wurf über das ganze Spielfeld ins leere Zwickauer Tor beim 22:29 zu ihrem ersten Saisontreffer kam! Auch Nieke, die in der Schlussviertelstunde von Zwickaus Japanerin Kaho Nakayama aus dem Spiel genommen wurde, glänzte ebenso wie Andrea mit sechs Toren. Darunter war nach längerer Zeit auch wieder einer ihrer „Dreher“, die besonders in der letzten Saison zu ihrem Markenzeichen geworden waren. Am Ende gewann die HSG dank der insgesamt höheren Effektivität im Abschluss verdient mit 29:35 gegen einen vor allem in der 1. Halbzeit stark spielenden Gegner.

Nach drei Heimsiegen hatte die HSG damit auch die ersten Auswärtspunkte der Saison 2025/26 geholt und blieb an der Tabellenspitze der Alsco HBF. In der Liga nicht mehr der Jäger, sondern plötzlich der Gejagte zu sein, fühlt sich irgendwie noch ungewohnt an – aber wir würden uns gern daran gewöhnen! Trotz Sturm und Regen hatten wir eine angenehme Rückfahrt nach Blomberg uns sagen danke an unsere Fahrer Katrin und Axel!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Supercup-Wochenende in München

Als wir uns kurzfristig nur zu fünft am Freitagnachmittag zum ersten HSG-Auftritt beim Supercup im Münchener „SAP Garden“ auf den Weg zum Bahnhof Altenbeken machten, waren unsere zwei Trommeln im „HSG-Express“ schon fast am Ziel angekommen. Unser ICE nach Nürnberg erreichte Kassel-Wilhelmshöhe bereits mit großer Verspätung – am Ende kamen wir über anderthalb Stunden später als geplant in München an. Auf der Rückfahrt sollte es noch schlimmer kommen … Vom Hauptbahnhof nahmen wir die U-Bahn , die letzten Meter bis zu unserem Hotel legten wir dann zu Fuß zurück. Beim Einchecken trafen wir dort gleich mal Familie Lippert, wenig später dann auch noch den Hallensprecher des VfL Oldenburg – München ist ein Dorf!

Am nächsten Morgen standen nach ausgiebigem Hotelfrühstück die „BMW-Welt“, das benachbarte BMW-Museum und der Olympiapark auf unserem Programm. Die „BMW-Welt“ dient vor allem als Showroom für die aktuellen Modelle der Unternehmensgruppe, zeigt aber auch einige Design-Studien der Fahrzeuge von morgen.

Von dort überquert man auf einer Fußgängerbrücke eine Hauptverkehrsstraße und kommt zum BMW-Museum.

„BMW-Welt“ und BMW-Museum sind in zwei architektonisch hochinteressanten, dabei völlig verschiedenen Gebäuden untergebracht. Direkt hinter dem Museum steht die bekannte 101 m hohe BMW-Hauptverwaltung („BMW-Vierzylinder“).

Das Museum bietet einen umfassenden historischen Überblick über die verschiedenen BMW- Autos und -Motorräder von damals bis heute, aber auch über die früher ebenfalls gebauten Flugzeug- und Bootsmotoren. Der Motorsport kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Anschließend zogen wir weiter in den Olympiapark. Dessen Herzstück ist das zu den Olympischen Sommerspielen 1972 erbaute Olympiastadion, bis 2005 die Heimspielstätte des FC Bayern München. Vom etwas südlich gelegenen Olympiaberg – mit gerade mal 60 m Höhe eher ein Hügel – kann man nicht nur ins Stadion, sondern über den gesamten Olympiapark und die ganze Stadt schauen. Auch den „SAP Garden“ kann man von dort gut sehen.

Genau dorthin machten wir uns nach einer kurzen Mittagspause auf. Vor Ort sahen wir weitere bekannte Gesichter, unter anderem Ungarn-„Legionärin“ Tizi, „Handball-Rentnerin“ Lisa und ihren Fabian sowie Stefanie Klaunig, inzwischen Marketing-Leiterin beim THW Kiel. Die erst im September 2024 fertiggestellte Eishockey- und Basketballarena war beim ersten Handball-Event mit 10.298 Zuschauern ausverkauft.

Für die zwei Trommeln mussten wir vorab mit Fotos und Beschreibung „Trommel-Pässe“ beantragen – die holten wir uns nun am Presse-Eingang des „SAP Garden“ ab. und zur persönlichen Abholung am Spieltag durch den jeweiligen Bediener hinterlegt worden. Die angedrohte hochnotpeinliche Untersuchung („eventuell muss die Trommel geöffnet werden“) blieb den Instrumenten aber erspart, denn sie kamen ganz unbürokratisch – und ganz ohne Trommel- Pässe! – direkt vom „HSG-Express“ aus den Katakomben der Halle in den Arena-Innenraum.

Unsere zwei Trommlerplätze waren Rollstuhl-Plätze in der letzten Reihe des Unterrangs, während der eigentliche HSG-Fanblock direkt über uns im Oberrang lag – aber auch die Reihen vor uns waren fest in Blomberger Hand. Die HSG startete fulminant und führte nach 20 Minuten mit unglaublichen 13:4 – ab da brachte der THC im Angriff konsequent die siebte Feldspielerin und holte bis zur Pause auf 14:10 auf. In der 39. Minute war der Blomberger Neun-Tore-Vorsprung dann komplett weg, und sechs Minuten später ging der THC beim 20:21 erstmals in Führung. Danach konnte die HSG zwar noch zweimal ausgleichen, aber in der Crunchtime zog der THC bis auf drei Tore davon und gewann das Spiel schließlich mit 30:31.

Nach Spielende wusste man nicht so recht, worüber man sich mehr wundern sollte: Über den fulminanten HSG-Start oder darüber, dass man dieses Spiel anschließend tatsächlich noch aus der Hand gegeben und verloren hatte. Die anschließende Siegerehrung verlief seltsam: Die HSG- Spielerinnen standen die ganze Zeit im Dunkeln am Spielfeldrand, während der THC den Pokal überreicht bekam und feierte – nur um ganz zum Schluss der siegreichen Mannschaft gratulieren zu dürfen. Das folgende HBL-Supercupspiel der Männer entschieden die Füchse Berlin im Siebenmeterwerfen für sich. Am Sonntagmorgen war nach dem Check-Out noch etwas Zeit für „München-Innenstadt im Schnelldurchgang“: Stachus, ein kurzer Blick in die Frauenkirche, einmal über den Marienplatz bis zum Hofbräuhaus und wieder zurück zum Hauptbahnhof.

Unser ICE für die Rückfahrt fuhr von München bis Kassel-Wilhelmshöhe durch – aber die DB zog wieder alle Register, um uns von weiteren Bahnfahrten abzubringen, und riegelte an diesem Tag unser Ziel Altenbeken bahntechnisch komplett von der Außenwelt ab. Die Bahn wollte uns daraufhin von Kassel über Göttingen und Höxter mit Schienenersatzverkehr ab Höxter-Ottbergen bis nach Altenbeken schicken – aber noch bevor diese „Odyssee“ losging, war sie durch die Verspätung des ICEs nach Göttingen auch schon wieder hinfällig geworden. Am Ende blieb uns nur ein Großraumtaxi und die Hoffnung auf die Erstattung der DB.

Bei aller Enttäuschung über die verpasste Riesenchance, mit nur einem Sieg den ersten „richtigen“ Titel der Vereinsgeschichte einzufahren, bleibt festzustellen: Der Einsatz des Teams hat gestimmt und nach den deutlichen Pokal- und Meisterschafts-Niederlagen gegen die HB Ludwigsburg letzte Saison werden die Karten jetzt neu gemischt. Nelken-Cup und Supercup haben gezeigt, dass die HSG mit den aktuellen Top-Vereinen auf Augenhöhe mithalten kann.

Text und Fotos: Uwe Jakob

EHF Finals – Das Saison-Highlight in Graz (Teil 2)

Entweder zu Fuß oder mit dem Taxi ging es am Samstagabend nach Ende des zweiten Halbfinals zurück in unser Hotel. Zum Essen hatten wir uns einen Tisch für neun Personen im Gösser- Brauhaus reserviert, das ebenfalls nicht sehr weit vom Motel One entfernt war. Dort feierte man gerade das 20-jährige Jubiläum, mit Preisen wie vor 20 Jahren für ausgewählte Speisen und Getränke – da lachte das Herz des Lippers!

Nach dem Essen gönnten wir uns noch eine oder zwei Runden Steirischer Maschanzker (Apfelbrand) – lecker! Neben einer größeren Fangruppe aus Dijon war übrigens auch der HSG- Staff an diesem Abend im Lokal, saß allerdings in einem anderen Bereich. Auf dem Rückweg kamen viele von uns einfach nicht an der rappelvollen Bar „UI“ vor unserem Hotel vorbei, so dass wir auch hier noch mal die Lage peilen und nach dem Rechten sehen mussten. Zwei HSG-Fans sollen danach auch noch in der „Mausefalle“ gesichtet worden sein („links Schlager, rechts Techno“) – gesicherte Erkenntnisse hierzu gibt es allerdings nicht.

Am Sonntagmorgen liefen die meisten von uns – mehr oder weniger ausgeschlafen – beim Frühstück auf – nur einer fehlte, allerdings entschuldigt. Zu fünft machten wir uns anschließend bei wiederum schönstem Wetter noch mal auf in die Innenstadt, nahmen diesmal aber einen anderen Weg als am Vortag. Immer wieder kamen wir dabei an tollen alten Häuserfassaden vorbei.

Es stimmt übrigens nicht so ganz, dass nirgends in der Stadt für das Event im Raiffeisen- Sportpark „geworben“ wurde: Ein findiger Grazer Geschäftsinhaber, dem am Vortag wohl die überall durch die Stadt ziehenden THC-Fans aufgefallen waren, hatte daraufhin sein Lokal am Schloßbergplatz kurzerhand in „Handballbar“ umbenannt.

Nachdem wir uns dort gestärkt hatten, fuhren wir mit dem Schloßberglift nach oben und sahen uns noch einige Ecken auf dem Berg an, die uns am Vortag entgangen waren, darunter das imposante Graz Museum Schloßberg.

Anschließend ging es mit dem Lift wieder nach unten, aber zunächst nur bis zur Zwischenstation „The Flight Graz“: Mitten im Schloßberg wurde 2022 ein kleiner Kinosaal mit 18 Plätzen in den Fels gehauen, wo seitdem viermal pro Stunde ein zehnminütiger 4D-Film einen Rundflug quer durch bzw. über Graz aus der Perspektive einer Fliege zeigt. Bewegliche Sessel und Effekte wie Wind, Regen und Seifenblasen sorgen zusammen mit dramatischer Musik für ein tolles Rundum- Erlebnis – wir waren jedenfalls begeistert! Zurück auf dem Schloßbergplatz wurde es langsam Zeit für den Rückweg zum Hotel.

Auch an diesem Tag starteten die zwei Spiele – zuerst das Spiel um Platz drei, dann das Finale – wieder um 15 bzw. 18 Uhr. Die Tribünen waren nicht besser gefüllt als am Samstag. Dieser Blick in den Blomberger Fanblock mit den weiß gekleideten Dijon-Fans im Hintergrund zeigt, dass die Halle gerade auf unserer Seite doch sehr leer war – und die Tribünen hinter beiden Toren waren an beiden Tagen komplett unbesetzt!

Welches der zwei Teams würde nach den Niederlagen vom Vortag den Schalter umlegen und sich für das Spiel um Platz drei noch einmal motivieren können? Zunächst sah alles danach aus, als ob dies die Französinnen wären, denn wie schon gegen Ikast lag die HSG auch gegen sie von Anfang an zurück. Nach Laetitias 7:8-Anschlusstreffer in der 19. Minute zog Dijon dann vorentscheidend mit einem 7:0-Lauf bis auf 7:15 auf und davon; nach etwas Ergebniskosmetik stand es zur Halbzeit 10:16. Während der Pause schien aber irgendwie ein Ruck durch die Mannschaft gegangen zu sein, denn ab der 33. Minute holte die HSG Tor um Tor auf und war in Minute 45 beim 21:22 plötzlich wieder bis auf einen Treffer „dran“. Nach Lisa Freys Doppelschlag zum 23:24 gut drei Minuten später lag der Ausgleich erneut in der Luft – fallen wollte er aber einfach nicht. Stattdessen zog Dijon wieder bis auf drei Tore Vorsprung davon, und näher als bis auf zwei Treffer kam Blomberg danach nicht mehr. In den letzten Spielminuten musste die HSG dann alles riskieren und fing sich noch eine Reihe von Gegentreffern ein; die 27:32-Niederlage fiel deshalb am Ende um ein paar Tore zu hoch aus. Zum Schluss noch ein Insider-Service für alle Dijon-Fahrer: Nina Dury erzielte in diesem Spiel drei Treffer, Lilou Pintat fünf und Mathilde Plotton einen. Na denn: Allez!

Direkt nach Spielende stellten sich die zwei Teams auf beiden Seiten der Mittellinie zur Siegerehrung auf.

Auch für die viertplazierte HSG gab es Medaillen – Laura hat uns hinterher ihre gezeigt und zumindest auf den ersten Blick war eigentlich kein Unterschied zu einer Bronzemedaille für Platz drei zu erkennen …

Auch wenn die Enttäuschung im ersten Moment sicher groß war: Die im Laufe des Wettbewerbs ausgeschiedenen Teams aus Metzingen, Dortmund und Bensheim wären sicher froh gewesen, überhaupt so weit zu kommen, wie es die HSG geschafft hat. Mit etwas Abstand überwiegt ganz eindeutig die Freude über diesen größten Erfolg der Vereinsgeschichte in einer historischen Saison, und das alles trotz der vielen verletzungsbedingten Rückschläge.

Ein handballerischer Leckerbissen (der einzige an diesem Wochenende) wartete aber noch auf uns, nämlich das Finale zwischen dem THC und Ikast. Fast drei Viertel der Spielzeit lagen die Däninnen vorn, aber am Ende gewann der THC nach zwischenzeitlicher Fünf-Tore-Führung mit 34:32 und sicherte sich so den Titel. Mit ausschlaggebend war, dass der dänische Trainer einen unnötigen Torhüterinnen-Wechsel vornahm und dann mit der Rückwechselung viel zu lange wartete. In dieser Zeit drehte der THC, bei dem Dinah Eckerle im Tor in ihrem letzten internationalen Spiel noch einmal ihr ganzes Können zeigte, das Spiel und ging durch Johanna Reicherts 25:24 in der 43. Minute erstmals seit dem 1:0 wieder in Führung. Gleichzeitig schwächte die rote Karte gegen Ikasts Kreisläuferin Maria Lykkegaard vor allem die dänische Abwehr. Neben Dinah Eckerle ragten beim THC wieder einmal Johanna Reichert (diesmal „nur“ 13 Tore) und die quirlige Japanerin Natsuki Aizawa heraus. Beide Teams spielten wie schon am Vortag auf einem deutlich höheren Niveau als Blomberg und Dijon und lieferten sich einen packenden Kampf.

Im Anschluss an die Siegerehrung verabschiedeten wir uns aus dem Raiffeisen-Sportpark, wo das Team und die Fans aus Dijon an der Bar gerade zum Aperitif übergingen. Auch wir bekamen langsam Hunger: Nach zweimal österreichisch-steirischer Küche an Freitag- und Samstagabend ging es in der bewährten Neuner-Besetzung diesmal zu einer kleinen und unscheinbaren, aber top bewerteten „Burgerschmiede“ nur ein paar Schritte von unserem Hotel entfernt.

Auch wenn der Feierabend des Küchenchefs nahte und man uns deshalb etwas zur Eile antrieb, schmeckten uns seine raffinierten Kreationen – Lichtjahre vom Fast Food-Image des Hamburgers entfernt – hervorragend. Da wir am nächsten Morgen schon zeitig zum Bahnhof aufbrechen mussten, wurde es an diesem Abend nicht so spät und wir waren schon gegen 23 Uhr zurück im Hotel.

Am Montagmorgen um sechs Uhr trafen wir uns alle ein letztes Mal in der Lobby zum Frühstück – auch Ute und Helene waren extra für uns früh aufgestanden, obwohl ihre Flieger erst viel später am Vormittag starteten. Der Regen passte irgendwie zur Abschiedsstimmung. Diesmal fuhren wir alle in zwei Taxis zum Bahnhof – laufen wollte bei dem Wetter niemand! Aus unserem ersten Zug nach Salzburg war wegen des trüben Wetters von der schönen Landschaft mit den Wintersportorten Schladming und Bischofshofen nicht viel zu sehen. Außerdem hielten ÖBB und DB auch auf der Rückfahrt wieder einige Herausforderungen für uns bereit: Schon der erste Zug kämpfte zunehmend mit Verspätungen, so dass unsere Umsteigezeit in Salzburg immer kürzer wurde. Am Ende blieben uns nur drei Minuten, um aus dem Zug und von Gleis 6 zu Gleis 3 zu kommen. Das klappte gerade noch – und es ging so weiter: Unsere nächste Verbindung nach München musste wegen eines medizinischen Notfalls an Bord mit Notarzteinsatz die Fahrt längere Zeit in Prien am Chiemsee unterbrechen. Zum Glück konnten wir hier in einen Zug auf dem Nachbargleis umsteigen, der ebenfalls nach München fuhr. Nach einem längeren „Spaziergang“ mit Gepäck im Eiltempo einmal durch den gesamten Münchener Hauptbahnhof erwischten wir unseren ICE nach Hannover noch und hatten damit das Schlimmste überstanden. Auch die vielgescholtene S5 erwies sich auf der Rückfahrt erneut als Vorbild an Zuverlässigkeit und brachte uns pünktlich um 20.09 Uhr zurück zum Bahnhof Schieder.

Damit endete die mit vier Tagen längste Auswärtsfahrt der Fanbase-Geschichte. Lässt man das rein sportliche Ergebnis und den fehlenden Event-Charakter der Veranstaltung mal außen vor, war die Tour mit vielen gemeinsamen Erlebnissen ein absolutes Highlight, an das sich alle Mitfahrer noch sehr lange erinnern werden. Vor dem regnerischen Rückreise-Montag hatten wir drei Tage lang wunderbares Frühlingswetter, und Graz ist eine schöne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und hohem Freizeitwert, in der man wirklich hervorragend essen und trinken kann. Die „Road to Graz“ ist lang – aber wir würden sie jederzeit wieder nehmen!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Fanbusfahrt nach Oldenburg

Zum zweiten Playoff-Viertelfinalspiel auswärts beim VfL Oldenburg setzte die Fanbase am 26. April wieder einen Fanbus ein – zum Einsatz kam erneut das „Dreamteam“ aus TBV Lemgo-Bus plus Busfahrer Rüdiger. Mit 37 HSG-Anhängern an Bord ging es zunächst im Windschatten des „HSG-Express“ bis zur Raststätte „Dammer Berge“ an der A1. Während wir noch das Kuchenbuffet plünderten, hängte uns Leen mit dem Mannschaftsbus ab, aber auch wir kamen noch lange vor Öffnung der Hallentore an Oldenburgs „kleiner EWE-Arena“ an. Die war mit 2.316 Zuschauern zum wiederholten Mal ausverkauft.

Auch diesmal begrüßte uns VfL-Hallensprecher Marvin Wittern persönlich hoch oben im Gästefanblock. Mit seinem Tipp zum Spielausgang sollte er – anders als eine Woche zuvor in Blomberg – aber daneben liegen: Ohne Ida, aber wieder mit Judith konnte sich unser Team ab der 9. Minute zunächst etwas absetzen, doch Oldenburg blieb dran und glich beim 10:10 und 11:11 zweimal aus. Nach der 12:14-Führung zum Seitenwechsel hielt die HSG den Gegner zunächst weiter auf Distanz, doch nach einem 4:0-Lauf lag der VfL in Minute 43 plötzlich mit 19:18 vorn – erst die zweite Oldenburger Führung im ganzen Spiel. Zehn Minuten später brachte Maxis Tor zum 22:26 Blomberg wieder vier Tore in Front. Auch wenn die Heimmannschaft danach noch zweimal bis auf zwei Treffer verkürzen konnte, geriet der vierte HSG-Sieg im bereits fünften Saisonspiel gegen den VfL Oldenburg bis zum 26:29-Endstand nicht mehr wirklich in Gefahr.

Nach Spielende machten wir noch ein Gruppenfoto mit Bus auf dem Parkplatz vor der Arena, dann begann die unterhaltsame Rückfahrt. Durch den Sieg steht die HSG nach dem deutschen Pokal und der EHF European League auch im dritten Wettbewerb dieser Saison im Halbfinale – unglaublich! Wer der Gegner ist und ob es zuerst ein Heim- oder ein Auswärtsspiel gibt, entscheidet sich am Samstag 3. Mai beim Spiel BvB – TuSsies.

Textund Fotos: Uwe Jakob

Abschiedsbesuch in Buxtehudes alter „Halle Nord“

Acht Fanbase-Mitglieder machten sich am 16. März mit dem Dux-Bus auf den verhältnismäßig kurzen Weg nach Buxtehude, um die HSG dort am Nachmittag beim Auswärtsspiel des 19. HBF- Spieltags gegen den Buxtehuder SV anzufeuern. Zusätzlich reiste noch eine ganze Reihe weiterer HSG-Fans mit Privat-PKWs an, so dass wir am Ende mit fünf Trommeln, einer Tröte und ordentlich „Manpower“ vor Ort waren. An diesem Sonntagmorgen kamen wir extrem gut durch und konnten den Dux-Bus schon um kurz nach halb zwölf auf dem Parkplatz vor der Halle abstellen.

Als erstes drehten wir in sicherer Entfernung eine Runde um die im Endausbau befindliche neue Halle, die – so der Plan – zu Beginn der nächsten Saison die alte Sporthalle Schulzentrum Nord (kurz „Halle Nord“) ersetzen soll. Unser erster Eindruck: Das geplant 23,5 Mio. € teure (inzwischen werden rund 26 Mio. € Baukosten genannt) Großprojekt ist wirklich riesig – kein Wunder, denn neben einer Dreifachsporthalle mit 1.500 Zuschauerplätzen auf zwei teilweise einschiebbaren Tribünen ist dort noch eine weitere Zweifachsporthalle nur für den Schulbetrieb integriert. Die von weitem an Holz erinnernde Außenfassade besteht tatsächlich aus vertikalen Aluminium-Lamellen.

Knapp anderthalb Jahre nach der Grundsteinlegung im Oktober 2023 steht Buxtehudes größtes Bauprojekt des letzten Jahrzehnts jetzt kurz vor der Fertigstellung – ob die alte Halle Nord danach tatsächlich wie geplant abgerissen und an ihrem Platz ein Sportplatz angelegt wird, ist inzwischen nicht mehr so sicher. Wir freuen uns jedenfalls schon darauf, uns den Neubau in der nächsten Saison auch von innen genauer anzusehen: Ob hier wohl die goldenen Wasserhähne verbaut worden sind, die wir in der umgebauten Salza-Halle in Bad Langensalza vergeblich gesucht haben?

Bis zum Anwurf um 15 Uhr blieb noch reichlich Zeit für einen kleinen Spaziergang in die Buxtehuder Altstadt. Auch wenn viele von uns schon mehrmals dort gewesen waren, lohnt sich immer ein Besuch – außerdem wollten wir vor dem Spiel gern mal wieder ein traditionelles Fanbase-Eis essen! Am Geesttor, dem Beginn der Fußgängerzone, steht seit 1968 der Hase & Igel-Brunnen. Die Skulptur aus Bronze und Stein markiert zugleich das nördliche Ende der Deutschen Märchenstraße, die in Hanau beginnt und unter anderem auch durch Schieder- Schwalenberg und Lügde führt.

Vor dem historischen Rathaus vom Beginn des vorigen Jahrhunderts bogen wir links ab in die Breite Straße. Dort kommt man zum Fleth, dem schmalen Hafenbecken, auf dem früher kleine Schiffe bis zur ehemaligen Mühle fahren konnten. Auf beiden Seiten stehen alte, liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser.

Der Marschtorzwinger gehört zusammen mit dem Hase & Igel-Brunnen zu den Buxtehuder Wahrzeichen. Der runde Turm am nördlichen Ende des Fleths stellt den letzten erhaltenen Rest der Buxtehuder Wehranlagen dar und wird heute für wechselnde Kunstausstellungen genutzt.

Nach so viel Kultur gönnten wir uns im Eiscafé und Restaurant „Artemis“ in der Breiten Straße je nach Geschmack leckere Eisbecher oder Waffeln, bevor wir uns auf den Rückweg zur Halle Nord machten. Was uns in der Innenstadt noch aufgefallen ist: In den Schaufenstern nicht nur einzelner, sondern wirklich vieler Geschäfte hingen Plakate zum BSV-Spiel gegen die HSG.

Auch bereits am Buxtehuder Ortseingang und noch einmal vor der Halle Nord weisen Schilder auf das jeweils nächste Heimspiel des Buxtehuder SV hin.
Inzwischen hatte die Halle Nord bereits geöffnet – wir holten unser Orchester aus dem Bulli und nach etwas Smalltalk am Pavillon des BSV-Fanclubs „Has und Igel“ vor dem Eingang bezogen wir in der Halle unsere gewohnten Plätze links hinter einem der beiden Tore.

Positiv hervorzuheben ist, dass der BSV so wie die HSG zur immer kleiner werdenden Zahl von Bundesligisten gehört, die noch regelmäßig gedruckte Hallenhefte (zusätzlich gibt es beim BSV zu Saisonbeginn sogar noch ein dickes Saisonheft!) herausgeben. Unsere HSG wurde dort unter der Überschrift „Ein Spitzen-Team der Liga!“ geführt – daran muss man sich als Blomberg-Fan erst mal gewöhnen! Auch wenn wir den Nachtisch bereits hinter uns hatten, gingen die meisten von uns für eine leckere Stadionwurst noch mal vor die Halle, bevor das Spiel losging:

Mit 1.211 Zuschauern war die Halle Nord bei einer Kapazität von 1.300 Plätzen auf ihre alten Tage noch mal nahezu ausverkauft. Der Buxtehuder SV erwischte den besseren Start in die Partie und führte bei der ersten HSG-Auszeit nach knapp 10 Minuten mit 4:1. In einem Spiel mit vielen technischen Fehlern auf beiden Seiten konnte die HSG noch vor der Pause mit einem 4:0-Lauf aus einem 10:8-Rückstand eine 10:12-Pausenführung machen; das 10:11 bedeutete dabei nach 27 Minuten die erste Blomberger Führung des Spiels. Nach Wiederanpfiff glich der BSV schnell zum 12:12 aus; von nun an wechselte die Führung mehrmals hin und her, ohne dass sich eine Mannschaft absetzen konnte. Den schönsten Treffer des Spiels zum 15:15 erzielte Buxtehudes Linksaußen Teresa von Prittwitz mit einem sehenswerten Kempa-Tor nach Anspiel quer über das Spielfeld von Rechtsaußen Lotta Heider. Auch HSG-Rechtsaußen Judith Tietjen war mit am Ende sieben Toren äußerst treffsicher. Zu Beginn der Crunchtime war der Spielausgang weiterhin völlig offen – in Minute 53 stand es 24:24. Mit einem Dreierpack zum 24:27 knapp drei Minuten vor Spielende entschied Nieke das Spiel innerhalb von zwei Minuten quasi im Alleingang; am Ende stand ein knapper 26:28-Auswärtssieg der HSG. Mit 11 Treffern war Nieke wieder einmal erfolgreichste HSG-Torschützin und wurde einen Tag später auch zum „Player of the Match“ gewählt.

Zum wiederholten Mal konnte die HSG also ein enges, ausgeglichenes Spiel in den letzten Minuten zu ihren Gunsten entscheiden – eine Qualität, die ihr in dieser Saison schon so manchen Sieg eingebracht hat! Nach dem Glückwunsch ans Team hörten wir uns noch die Pressekonferenz an, verabschiedeten uns für diese Saison aus Buxtehude und traten zufrieden die Rückfahrt nach Blomberg an – diesmal wegen eines Staus auf der Autobahn bis Soltau über Land. Danke an unseren Fahrer Christian!

Text und Fotos: Uwe Jakob

Rückblick Final4 2025

Seit dem 2. März darf sich unsere HSG Blomberg-Lippe Vize-Pokalsieger 2025 nennen. Da so viele mit in Stuttgart waren, gibt es an dieser Stelle ausnahmsweise keinen Bericht über die Auswärtsfahrt. Stattdessen lassen wir einfach die Bilder für sich sprechen.

Unser Hotel in Zuffenhausen
Unser Bus
Lotte (HB Ludwigsburg), Hanni (DHB), Emma (Borussia Dortmund), Blombert (HSG Blomberg-Lippe) und Sparky (HSG Bensheim/Auerbach)
Nur einen Katzensprung von unserem Hotel entfernt: Das Porsche-Museum
Direkt vor dem Porsche-Museum lässt sich an drei Stehlen die Geschichte des legendären 911er verfolgen.
Der Pott!
Feuer frei! (für das kleine Finale)
Finale!
Dank an die Fans (wer findet sich?)
Gratulation dem Vize-Pokalsieger!

Fotos: Uwe Jakob

Freiheit – Gleichheit – Auswärtssieg!

Auf zum EHF European League Spiel nach Dijon

(Zunächst ein Hinweis in eigener Sache: Diese völlig sinnbefreite Überschrift sollte eigentlich „Freiwurf – Abpfiff – Auswärtssieg!“ heißen; die Version oben ist das Ergebnis einer verlorenen Wette das Spielergebnis betreffend.)

Am Wochenende nach unserem Ausflug nach Lubin waren wir zu siebt schon wieder mit dem Dux-Bus in entgegengesetzter Richtung unterwegs: Am 15. Februar führte unser Kurs rund 750 km nach Südwest vorbei an Köln, durch die verschneite Eifel, nach Luxemburg und ab der französischen Grenze immer nach Süden bis nach Dijon, der 170.000 Einwohner-Metropole der französischen Region Burgund. Auf dem Weg von der Autobahn zur Innenstadt checkten wir schnell in unserem Hotel „Campanile Dijon-Est“ im Vorort Saint-Apollinaire ein und parkten den Bulli dann direkt neben der Spielstätte, dem nach einem französischen Handball-Nationalspieler benannten „Palais des Sports Jean-Michel Geoffroy“.

Zum Glück reichte die Zeit vor Einbruch der Dunkelheit und dem Öffnen der Hallentore noch aus, um von dort zu Fuß vorbei am Place de la République einen kurzen Abstecher in die wirklich wunderschöne Altstadt Dijons zu machen: Die schmalen Gassen sind gesäumt von mittelalterlichen Häusern mit einer unglaublichen Vielzahl kleiner Geschäfte, Cafés und Restaurants.

Bevor wir uns auf den Rückweg machen mussten, schafften wir es bis zum Herzogspalast am halbrunden Place de la Libération.

Von dort blickt man auf die gotische Renaissancekirche Saint-Michel und die Bibliotheque Colette in der ehemaligen Kirche Saint-Etienne.

In jedem Fall war Dijon von den drei Städten, die wir auf den Auswärtsfahrten der European League-Gruppenphase gesehen haben, das absolute Highlight. Wie schon in Mosonmagyaróvár und Lubin blieben wir auch in Dijon nicht die einzigen HSG- Anhänger, die zum Spiel angereist waren: Diesmal bekam Lisa Frey am Abend vor ihrem 30. Geburtstag Familienbesuch aus der nahegelegenen Schweiz. Die im Januar 1977 eröffnete Spielstätte „Palais des Sports“ wirkte von außen schon leicht mitgenommen und etwas in die Jahre gekommen.

Dieser Eindruck änderte sich, als sich eine Stunde vor dem Anwurf um 20 Uhr die Tore öffneten: Von innen ist es eine beeindruckende Arena mit zwei steilen, hohen Tribünen für bis zu 5.000 Basketball- oder 3.100 Handballfans.

Leider waren gegen Blomberg nur 1.250 Zuschauer vor Ort, darunter eine Gruppe „gekaufter Studenten“ namens „Black Owls“ („schwarze Eulen“ – die Eule ist das Symboltier Dijons), die seit mehreren Jahren in wechselnder Besetzung im Gegenzug für Freikarten für Stimmung auf den Tribünen sorgt. Wir erhielten wunderbare Plätze in der ersten Reihe und richteten uns dort häuslich ein. Direkt hinter uns saßen Kinder einer Dijoner Jugendmannschaft, von denen uns ein Mädchen während des Spiels fast in den Wahnsinn treiben sollte – dazu gleich mehr.

Das Blomberger Team war trotz schmaler Bank gegenüber dem Auftritt drei Tage zuvor in Bensheim kaum wiederzuerkennen und ließ sich nach einer 1:3-Führung in der 5. Minute auch durch zwischenzeitliche, teilweise deutliche Führungen von JDA Bourgogne Dijon nicht aus der Ruhe bringen: In der 22. Minute lag die Heimmannschaft mit 13:7 vorn, zur Halbzeit stand es 15:12. Nach dem Seitenwechsel glich Nieke in der 35. Minute zum 16:16 aus, kurz danach erzielte Zoe mit ihrem 16:17 ins leere Dijoner Tor die erste Blomberger Führung seit der 5. Minute. In Hälfte zwei versuchten die Gastgeberinnen mit recht wenig Erfolg, Nieke durch Manndeckung aus dem Spiel zu nehmen. Mit einer sehr offensiven 3-2-1-Deckung schossen sie allerdings etwas über das Ziel hinaus und ermöglichten dem HSG-Rückraum, seine Stärken im 1:1 in Treffer umzumünzen: Am Spielende hatten Nieke zehn und Ida acht Tore erzielt, die meisten davon in der 2. Halbzeit. Dijons erfolgreichste Torschützin war Linksaußen Nina Dury mit sechs Treffern – lag es vielleicht daran, dass sie von dem Mädchen direkt hinter uns 60 Minuten lang wirklich ununterbrochen mit „Allez Nina!“ angefeuert wurde (selbst dann, wenn sie gerade eine Zweiminutenstrafe absaß)? Wir ziehen jedenfalls den Hut vor so viel Einsatz – und warnen die nach Frankreich mitfahrenden Bensheimer Fans hiermit schon mal vor! Zurück zur Schlussphase des Spiels: Trotz Unterzahl nach der Disqualifikation für Laura kam Blomberg beim Stand von 27:27 knapp dreißig Sekunden vor dem Abpfiff nochmals in Ballbesitz. Was dann folgte, bleibt unvergesslich: Als Niekes Freiwurf unmittelbar vor Spielende halbhoch rechts im Dijoner Kasten einschlug, herrschte einen Moment Totenstille in der Halle, bevor zusammen mit dem Schlusspfiff der Blomberger Jubel losbrach.

Wir gratulierten unserem Team zum vorzeitigen Viertelfinal-Einzug, denn einige Stunden zuvor hatte Lubin überraschend bei den bisher punktlosen Ungarinnen aus Mosonmagyaróvár verloren. Während die Mannschaft über Nacht schon mit dem „HSG-Express“ auf dem Rückweg nach Blomberg war, feierten wir den 27:28-„Buzzer Beater“-Auswärtssieg in der kleinen Brasserie „Bouillon Notre-Dame“ in der Altstadt, wo man auch zu später Stunde noch lecker essen und trinken konnte. Die Rückfahrt am Sonntag gingen wir entspannt ganz ohne Zeitdruck an, mit einer längeren Pause in Luxemburg. Gegen 19 Uhr waren wir wieder zurück in Blomberg. Eine Woche später hat sich das sympathische Team aus Dijon durch einen souveränen Sieg in Lubin mit acht Toren Vorsprung noch den zweiten Platz in der European League-Gruppe C erkämpft und spielt nun gegen die „Flames“ aus Bensheim, während die HSG sich mit Super Amara Bera Bera aus San Sebastian in Nordspanien auseinandersetzen wird: Das „Abenteuer Europa“ geht weiter!

Text und Fotos: Uwe Jakob