Auch wenn das Gebäude im Bildhintergrund diesen Eindruck vermittelt: Nein, in Russland waren wir nicht. Auf dem Weg zum Bundesliga-Auswärtsspiel der HSG gegen die „Flames“ aus Bensheim/Auerbach am 28. Februar haben wir zu sechst mit dem Bulli der „Lippischen“ im hessischen Darmstadt einen Zwischenstopp eingelegt und uns dort die UNESCO-Welterbestätte Mathildenhöhe angeschaut – einen wichtigen Meilenstein der modernen Architektur.

Die kleine russische Kapelle wurde dort 1899 für Besuche der russischen Zarenfamilie erbaut, die familiäre Verbindungen zum hessischen Großherzog Ernst Ludwig hatte.

Großherzog Ernst Ludwig war es auch, der 1899 die Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe östlich der Innenstadt gegründet hatte. Ihre Mitglieder – Architekten, Bildhauer, Handwerker und Künstler – bauten dort anschließend zwischen 1901 und 1914 eine Reihe von Wohnhäusern, Ateliers sowie als zentrale Elemente den Hochzeitsturm und das massive Ausstellungsgebäude. Hier ein „Panorama“ mit Hochzeitsturm, Ausstellungsgebäude und russischer Kapelle:

Der fast 50 m hohe Hochzeitsturm wurde zwischen 1905 und 1908 errichtet und besitzt eine Aussichtsterrasse auf Ebene 7. Die darunter liegenden zwei Fürstenzimmer werden heute für Trauungen genutzt.
Unterhalb des Hochzeitsturms liegt ein großer Platanenhain, in dem eine Reihe von Kunstwerken aufgestellt wurden.

Das massive Ausstellungsgebäude wurde am höchsten Punkt der Mathildenhöhe auf dem Fundament eines alten Wasserspeichers gebaut.

Die Darmstädter Künstlerkolonie gilt als einer der Pioniere des Jugendstils, wie man am Eingangsbereich des Ernst-Ludwig-Hauses gut erkennen kann. Heute ist hier das „Museum Künstlerkolonie Darmstadt“ untergebracht.

Der Österreicher Joseph Maria Olbrich war der Architekt der meisten Gebäude auf der Mathildenhöhe. Neben dem Hochzeitsturm und dem Ausstellungsgebäude entwarf er auch eine Reihe von Wohnhäusern, darunter sein eigenes „Haus Olbrich“ mit dem dahinter liegenden Wandbrunnen.
In einer alten Bruchsteinmauer auf der Rückseite des Ausstellungsgebäudes findet man diese schöne Mosaiknische:

Das „Haus Deiters“ ist das kleinste der acht Wohnhäuser innerhalb der UNESCO-Welterbestätte Mathildenhöhe.

Einige Wohnhäuser wie das „Haus Behrens“ verstecken sich hinter den vielen alten Bäumen in ihren Gärten.

Am Rand der Mathildenhöhe, aber außerhalb des Welterbe-Bereichs liegt das „Haus Martinus“, dessen „Vortex-Garten“ mit Wasserspielen und anderen Kunstwerken öffentlich zugänglich ist:
Auf dem Rückweg zum Bulli stellten wir noch fest, dass die Mathildenhöhe von den Corpshäusern diverser Studenten-Verbindungen umgeben ist.
Nach einer kurzen Kaffeepause fuhren wir weiter nach Bensheim, kamen noch vor dem „HSG- Express“ an der Weststadthalle an und sahen uns bis zur Hallenöffnung ein wenig in der Nachbarschaft um. Die Begegnung war von den Flames als „1€-Spiel“ vermarktet worden: Wer mit rotem Oberteil kam, zahlte an der Abendkasse nur einen Euro Eintritt. Entsprechend war die Halle am Ende mit 2.000 Zuschauern komplett ausverkauft. Auch wir wurden umquartiert und fanden uns diesmal nicht auf den gewohnten Gästefan-Plätzen am Spielfeldrand, sondern hoch oben in Block H hinter einem der Tore wieder. Vor dem Anpfiff blieb noch Zeit für eine leckere Wurst in der Hallen-Cafeteria – darauf hatten wir uns alle besonders gefreut! Auch der Flames-Fansprecher Jens Herbecke nahm sich Zeit für etwas Smalltalk mit uns, zentrales Thema war das bevorstehende Pokal-FinalFour in Stuttgart Mitte März.
Fast alle von uns rechneten mit einem knappen Spielausgang – doch wie knapp es am Ende wirklich werden sollte, konnte vorher niemand ahnen. Nach gutem Beginn für unsere HSG verlief die erste Spielhälfte weitgehend ausgeglichen, aber in den Minuten kurz vor dem Pausenpfiff konnte sich Blomberg zwischenzeitlich bis auf drei Tore absetzen. In die Kabine ging es dank Dianas Tor in letzter Sekunde mit einer 13:15-Führung – und in doppelter Unterzahl, da Steffen nach „wohlmeinenden Hinweisen“ an einen der zwei Schiedsrichter nach einer Siebenmeter- Entscheidung zunächst die Gelbe Karte und direkt danach eine Zwei-Minuten-Strafe kassiert hatte. In Hälfte zwei feierte die ex-Blombergerin Ndidi Agwunedu genau ein Jahr nach ihrem Kreuzbandriss ihr Comeback bei den Flames. Nachdem die Gastgeberinnen ihre zahlenmäßige Überlegenheit ganz zu Beginn der zweiten Halbzeit zum schnellen Ausgleich genutzt hatten, konnte sich die HSG danach bis zu Farrelles 16:20 von Rechtsaußen in der 40. Minute einen Vier- Tore-Vorsprung herausspielen. Der war aber nur zehn Minuten später beim 23:23 wieder dahin, und der Krimi ging los: In Minute 51 warf Nina Engel die Flames mit 24:23 nach vorn, sechs Minuten später traf Laura mit letztem Einsatz unter drohendem Zeitspiel zur 25:26-Führung der HSG, und 15 Sekunden vor Abpfiff glich Bensheim nach einem Schubser von Laura per Siebenmeter zum 28:28 aus. Die Kernaussage der anschließenden letzten HSG-Auszeit war „Macht keine doofen Sachen mehr!“, doch Nieke zog quer vor der Flames-Abwehr nach halbrechts und netzte von dort ganze zwei Sekunden vor Spielende aus gut zehn Metern oben links in den Winkel zum umjubelten 29:28-Auswärtssieg ein.
Anders als bei vielen vorherigen HSG-Spielen in Bensheim gab es diesmal keine Rote Karte für eine Flames-Spielerin. Beste Torschützin der Partie war Bensheims Kreisläuferin Isabell Hurst mit zehn Treffern, die auch mehrmals per Tempogegenstoß erfolgreich gewesen war. Sie wurde im Anschluss an die kurze Pressekonferenz als Bensheimer „Spielerin des Spiels“ ausgezeichnet – auf Blomberger Seite war es eine sichtlich überraschte Andrea Jacobsen. Am treffsichersten bei der HSG war Ona, die auf insgesamt acht Tore kam und alle fünf Siebenmeter sicher verwandelt hatte. Während wir live in der Halle mitfieberten, mussten die Daheimgebliebenen am Livestream mit den zwei Bensheimer Kommentatoren auskommen, von denen sich einer offenbar besonders gründlich vorbereitet hatte – er erwähnte gleich mehrmals die Blomberger „Magnúsdóttir- Schwestern“ … Wir verabschiedeten uns noch vom Fansprecher Jens Herbecke, der sich auch von der Niederlage seines Teams in letzter Sekunde die gute Laune nicht verderben ließ, und machten uns danach auf die Heimfahrt nach Blomberg. Vieles deutet darauf hin, dass wir in dieser Saison noch das eine oder andere Mal (bis zu viermal wäre möglich!) auf die Flames treffen werden – darauf freuen wir uns schon!
Text und Fotos: Uwe Jakob





























































































































































